Nota Bene

Die Letzte

Benedikt Lachenmeier

Benedikt Lachenmeier

Mit 30 in die Rente gehen? Ja, das ist möglich. Machen wir es kurz: Sie lesen gerade meine letzte Kolumne. Nach 30 Ausgaben ist Schluss. So sieht es aus. So einfach ist das. Man wird nicht jünger. Fällt Ihnen was auf? In den letzten drei Sätzen habe ich gerade so einiges gesagt. Aber eigentlich gar nichts. So ist das mit den Floskeln. Da sag ich nur: Man muss dann gehen, wenn es am schönsten ist. Nichts für ungut. So ist das Leben. Ganz ehrlich. Und tschüss.

Aber wie beendet man eigentlich eine Beziehung? Sicher nicht mit Floskeln. Sätze wie «Es liegt nicht an dir, es liegt an mir» oder «Lass uns Freunde bleiben» sollte man weglassen. Das ist unehrlich. Reicht es, einfach kurz anzurufen? Nein. Das ist natürlich feige. Am besten, man trifft sich zum Kaffee an einem öffentlichen Ort. Da kann nichts schiefgehen. Schreikrämpfe und lautes Schluchzen passen einfach nicht ins Restaurant. Und das Beste: Ist die Hiobsbotschaft erst mal raus, kann man schnell wieder verduften.

Ich wähle zum Schlussmachen die schriftliche Form. Aber nur, weil ich nicht alle meine Leserinnen und Leser persönlich treffen kann. Ein besonderer Gruss geht an dieser Stelle an Frau S. und Frau K. aus dem Kleinbasel. Wenn sich eine 100- und eine knapp 90-jährige Dame jeden zweiten Samstag treffen, um zusammen die Nota-Bene-Kolumne zu lesen, verdient das meinen tiefsten Respekt. Gerne erinnere ich mich auch an die lobenden und manchmal kritischen Anrufe. Unsere Gespräche über den Vogel Gryff, die Erziehung von Kindern oder meine alte Vespa werden mir fehlen. Vielen Dank für Ihre Treue. Und schon ist es wieder passiert: Der letzte Satz tönt wie aus einem Werbebrief einer Bank. Aber das ist egal. Mein Abschiedsgruss kommt von Herzen.

Ein grosses Dankeschön geht auch an diejenigen Leserinnen und Leser, die mich unterstützt haben, als ich die Kirche öffentlich kritisierte und Prügel dafür kassierte. Ja, auch ein katholischer Pfarrer stand mir zur Seite. Schmunzeln musste ich über einen bösen Brief aus den eigenen Reihen zu diesem Thema. Danke, es hat Spass gemacht mit euch.

So, Freunde der Sonne: Bis die Tage. Gut, dass wir darüber gesprochen haben. Und wer weiter mit mir diskutieren will: Textair.ch lautet meine Adresse.

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