Bahnhof

Die unheimliche Unterführung vom Basler SBB ist zurück

Das Strichmännchen mit den ausgestreckten Armen signalisiert, dass der Zugang zur Unterführung gesperrt ist.

Das Strichmännchen mit den ausgestreckten Armen signalisiert, dass der Zugang zur Unterführung gesperrt ist.

Nach 17 Jahren wird am Freitag die Personenunterführung zu Stosszeiten erstmals wieder für Pendler geöffnet.

Kiosk, Lädeli, Imbissstände, je nach Ecke ein strenger Geruch und niedrige Decken. So haben viele Baslerinnen und Basler die Bahnhofsunterführung in Erinnerung, die 2003 geschlossen wurde. «Unheimlich, aber noch vorhanden», titelte das Online-Magazin barfi.ch vor einigen Jahren, als ein Redaktor einen Augenschein in den alten Gängen nehmen durfte. Am Freitag wird die Unterführung wieder in Betrieb genommen, um die Reisenden zu Stosszeiten besser zu verteilen.

Unterführung nur kleiner Teil des geplanten Ausbaus

«Die Frequenzmessungen haben gezeigt, dass wir mehr Platz brauchen – und das nicht erst 2025.» So erklärt Thomas Staffelbach, SBB Gesamtkoordinator für Basel, die Wiedereröffnung der Unterführung. In den nächsten Jahren rechnen die SBB mit einer Zunahme der Anzahl Reisenden um zwanzig Prozent. Diese Entwicklung wird besonderes zu den Hauptverkehrszeiten von 6.30 bis 9 Uhr und zwischen 16.30 und 19 Uhr spürbar sein. Auch in Coronazeiten wäre eine bessere Verteilung der Pendler wichtig.

Im Vergleich mit den übrigen geplanten Ausbauten der SBB im Raum Basel im Rahmen von einer Milliarde Franken sind die zwei Millionen, die die Unterführung gekostet hat, ein Klacks. Dank den Baumassnahmen sollen ab Ende 2025 die S-Bahn-Züge zwischen Basel und Liestal im Viertelstundentakt verkehren. Im Rahmen des Grossprojekts sind auch Überbrückungsmassnahmen vorgesehen, um die zusätzlichen Reisenden zu lenken. Dazu gehört der Bau einer zusätzlichen neuen Passerelle, der bis Ende 2035 realisiert werden soll. Bereits in fünf Jahren wird ausserdem eine provisorische Passerelle fertiggestellt, welche die wiedereröffnete Unterführung ablösen wird.

Nicht nur, was die Ausstattung angeht, auch punkto Verwendung wird die Unterführung nicht gross an die alten Zeiten erinnern. So öffnen die SBB den Durchgang lediglich zu den Stosszeiten. Und auch in diesem Zeitraum nicht gleichzeitig für alle Perrons, die einen Zugang haben. Über eine zentrale Steuerung werden die Rolltüren geöffnet und geschlossen, grosse Monitore vor der Rampe zeigen an, ob die Unterführung gerade benutzt werden kann oder nicht. So soll vermieden werden, dass sich im Durchgang Personen stauen. Neben der Kapazität ist auch die Richtung beschränkt – die Unterführung soll nämlich nur als Ausgang dienen und führt die Pendler zu den Gleisen 1-4 und zur Centralbahnstrasse.

Es fragt sich, wie viele Pendlerinnen und Pendler den neuen Ausgang nehmen werden. Abgesehen von der zeitlich eingeschränkten Nutzung ist es auch nicht möglich, das Perron zu wechseln. Für Personen, die Richtung Gundeli gehen, wird weiterhin nur die Passerelle in Frage kommen. Und trotz der hellgestrichenen Wände bleibt ein Stückchen Unheimlichkeit. Denn obwohl Projektleiter Thomas Holthuisen sagt, es könne niemand eingeschlossen werden, weil immer ein Mitarbeiter vom Kontrollzentrum aus das Geschehen überwache: Die automatischen Rolltüren und Monitore wirken kühl und etwas ungemütlich.

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