Sie wird gehütet wie ein Staatsgeheimnis. Die Betriebsanalyse zum Historischen Museum Basel liegt schon seit einiger Zeit vor. Noch aber soll nichts nach aussen dringen. Denn das Ergebnis der Analyse soll ernüchternd sein, wie die bz von mehreren Quellen erfahren hat. Heisst konkret: Bei den Basler Museen droht bereits das nächste Finanzloch. Es gehe um einen «erheblichen Finanzbedarf». Das Defizit soll sich in einer ähnlichen Grössenordnung bewegen wie beim erweiterten Kunstmuseum. Diesem musste der Grosse Rat im vergangenen Dezember nochmals jährlich zwei Millionen Franken zuschustern, um den Betrieb aufrechterhalten zu können.

Ein ähnliches Szenario könnte nun beim Historischen Museum bevorstehen. Nur solle vorderhand niemand davon erfahren, wird im Umfeld geargwöhnt. Parlamentarier wie auch Mitglieder der Museumskommission zeigen sich überzeugt, dass mindestens bis am 19. Mai niemand etwas erfahren soll. Denn dann wird der Basler Souverän über Ackermanns Prestigeprojekt abstimmen, den 225-Millionen-Neubau von Naturhistorischem Museum und Staatsarchiv beim Bahnhof St. Johann. Grossräte wollen selbst «aus dem Dunstkreis der Regierung» gehört haben, dass das Präsidialdepartement unbedingt eine schlechte Stimmung gegen das Projekt verhindern wolle und der Bevölkerung daher Informationen vorenthalte. Denn ein weiteres Finanzloch bei den Museen wäre dem geplanten Neubau kaum zuträglich.

Das Misstrauen wächst

Bei der vorliegenden Betriebsanalyse der unabhängigen Firma Actori aus Deutschland soll es sich bereits um eine überarbeitete Fassung handeln, die von der Kulturabteilung im Präsidialdepartement nun nochmals in einer Kurzversion zusammengefasst wird. Im Grossen Rat wächst der Verdacht, dass das Departement bewusst Informationen zur Finanzlage der Museen zurückhält. Schon beim Kunstmuseum war nur ein zusammenfassender Schlussbericht vorgelegt worden, nachdem die Analyse monatelang unter Verschluss gehalten worden war.

Informationen würden oft nur häppchenweise offengelegt. Fragen blieben unbeantwortet. Es steht der Verdacht im Raum, die Situation werde schöngefärbt, um den 225-Millionen-Museumsneubau nicht zu gefährden. Immerhin hatte Co-Kulturchefin Sonja Kuhn bereits bei der Präsentation der Betriebsanalyse zum Kunstmuseum im vergangenen September angetönt, dass als Nächstes beim Historischen Museum mit der schwierigen Depotsituation sowie baulichen Problemen und Wassereinbrüchen noch einiges folgen dürfte. Kommt hinzu: Drei weitere Betriebsanalysen stehen noch bevor, in denen die verbliebenen staatlichen Museen auf Herz und Nieren geprüft werden.

Ackermann wehrt sich gegen Kritik

Das Präsidialdepartement bestätigt, dass die Betriebsanalyse zum Historischen Museum vorliegt, es spricht aber von einem «ersten Arbeitsentwurf», der noch finalisiert werden müsse. Erst dann würden die Ergebnisse intern geprüft, um darauf Ziele und Handlungsfelder für die Strategie des Museums festlegen zu können. Noch sei deshalb unklar, wann die Analyseergebnisse veröffentlicht werden. Dass auch beim Historischen Museum ein Mehraufwand in Millionenhöhe zu erwarten ist, wie Quellen aus dem Umfeld des Museums sowie der Kantonsverwaltung erklären, will das Präsidialdepartement weder bestätigen noch dementieren. Dafür sei es sowieso noch zu früh, heisst es.

Von einem Zusammenhang mit der Abstimmung vom 19. Mai will Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann allerdings ohnehin nichts wissen. Der geplante Museumsneubau habe mit der Finanzsituation der Basler Museen nichts zu tun, betont sie. Für die «prekäre räumliche Situation» im naturhistorischen Museum und im Staatsarchiv sei völlig unabhängig von Betriebsanalysen eine Lösung zu finden. Kritiker würden hier zwei völlig unterschiedliche Dinge vermischen. «Das ist bedauerlich, weil die Stimmbevölkerung so in die Irre geführt wird», findet Ackermann. Ob der Neubau an der Urne Erfolg habe oder nicht, die Situation im Historischen Museum sei davon unabhängig zu betrachten.

Das wird im Grossen Rat allerdings anders gesehen. Es brauche endlich eine Gesamtschau über Zustand und Businesspläne der Museen, um entsprechend Prioritäten setzen zu können, monieren Kulturpolitiker. Bisher habe das Kantonsparlament immer nur Einzelentscheide fällen können, etwa zu den Neubauplänen, ohne aber das Gesamtbild zu kennen.