Essenslieferanten
Velogourmet verteidigt seinen Platz in Basel neben den grossen Anbietern

Das Basler Familienunternehmen sieht sich mit den beiden Konkurrenten «Uber Eats» und «Just Eat» internationalen Playern gegenüber – und überlebt trotzdem.

Elodie Kolb
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In ihren pink-schwarzen Outfits sind die Basler Verlogourmet-Fahrerinnen und -Fahrer in der Stadt unterwegs.

In ihren pink-schwarzen Outfits sind die Basler Verlogourmet-Fahrerinnen und -Fahrer in der Stadt unterwegs.

Juri Junkov / bz Zeitung für die Region

Sie sammeln sich am Mittag in ihren grün-schwarzen, orangen und schwarz-pinken Outfits und den Rucksäcken im Pizzakarton-Format am Bahnhof SBB, vor dem McDonald's und Subway. Den ganzen Tag versehen sie die Basler Strassen mit Farbtupfern: die Essenskuriere auf den Rennrädern, E-Bikes und Scootern. Sie düsen mal schneller, mal gemächlicher durch die Stadt.

Aber gibt es überhaupt genügend Bestellungen für die Velokuriere oder ist der Markt übersättigt? «Jein», meint Joost Oerlemans, Geschäftsführer von Velogourmet in Basel. «Dann könnte man genauso fragen: Warum gibt es mehr als eine Bank in Basel?»

Die Fahrerinnen und Fahrer von «Uber Eats» sind auch in Basel unterwegs.

Die Fahrerinnen und Fahrer von «Uber Eats» sind auch in Basel unterwegs.

zvg

Bereits 2007 bot die Kurierzentrale in Basel einen Mahlzeitenlieferdienst an. 2015 spaltete sich Velogourmet dann von der Schwesterfirma ab. Seither haben sich auch die beiden Plattformen «Uber Eats» und «Eat.ch» – mittlerweile Teil der Firma «Just Eat» – in Basel breitgemacht. Letztere zählt allein rund 150 Fahrerinnen und Fahrern.

Am Bahnhof eigentlich immer anzutreffen: die Fahrerinnen und Fahren von «Just Eat».

Am Bahnhof eigentlich immer anzutreffen: die Fahrerinnen und Fahren von «Just Eat».

Nicole Nars-Zimmer (niz) / BLZ

«Alle Anbieter sind unterschiedlich», sagt Oerlemans. Während Velogourmet die Grösse eines Familienunternehmens hat, sind «Uber Eats» und «Just Eat» «typische Plattformanbieter», erklärt der Informatiker. «Sie wollen einfach nur verkaufen und sind an ihren Kurieren nicht interessiert.»

Trotz Konkurrenz optimistisch

Sich von der Konkurrenz abzuheben, sei dann auch wichtig, merkt Oerlemans an. «Wir fühlen uns als Teil der Velokurier-Community. Das ist bei den beiden Plattformen nicht so.» Man versuche, die eigene Spezialität hervorzuheben. «Wir sind ein lokales Unternehmen und haben ein Gesicht. Ich glaube, unsere Leute kommen in Basel gut an.» Man versuche, einen Extraservice zu leisten, indem man die Kunden bei der Bestellung jeweils anrufe, um so einen persönlichen Kontakt herzustellen. Und: «Unsere Kuriere hängen nicht herum und warten.»

«Ausserdem zahlen wir unsere Fahrerinnen und Fahrer – innerhalb unserer Möglichkeiten – vernünftig.» Das seien etwa 25 bis 30 Franken pro Stunde. Er räumt aber ein: Das sei bei «Just Eat» ähnlich. Eine Sprecherin bestätigt, das Unternehmen zahle Löhne «weit über dem Mindestlohn». «Uber Eats» dagegen zahle «hundslausig», meint Oerlemans.

Dennoch sei es schwierig, mit den grossen Anbietern in Konkurrenz zu bleiben, sagt Oerlemans weiter. «Zum Beispiel die Lieferung via App zu verfolgen, das geht bei uns nicht. Wir holen und liefern pro Restaurant und transportieren daher jeweils mehrere Lieferungen zusammen.»

Trotzdem bleibt Oerlemans optimistisch: «Wir überleben immer noch. Ich glaube, es wird immer einen Platz geben für uns.» Es gehe der Firma wirtschaftlich «nicht schlecht» und die Angestellten seien motiviert. «Diese Motivation kommt sicher auch daher, dass wir gemeinsam etwas gegen die grossen Konzerne machen.»

Pandemie hat wohl längerfristigen Einfluss

Während der Pandemie haben, wie Velogourmet festgestellt habe, viele Baslerinnen und Basler auf Essensbestellungen umgestellt. Jetzt, nachdem die Massnahmen gegen das Virus überschaubar geworden und viele in den Sommerferien sind, würden die Kundenbestellungen stagnieren, aber auf hohem Niveau. Wegen der grösseren Nachfrage mit der Pandemie habe sich die Firma auch angepasst: «Wir haben das Personal fast verdoppelt», sagt Oerlemans.

Auf Anfrage schreibt auch die Firma «Just Eat», dass man den Einfluss des Coronavirus in der Branche gespürt habe: «Die Pandemie hat definitiv für Rückenwind gesorgt, der die Entwicklung zu mehr Essensbestellungen beschleunigt hat. Wir glauben, dass dies auch nach Aufhebung der Massnahmen gegen die Pandemie so bleiben wird», so eine Sprecherin.

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