Fotografie
Ei, ei, ei – schon vor 70 Jahren drehte sich an Ostern alles nur um das Eine

Der Baselbieter Fotograf Theodor Strübin (1908–1988) hat das Frühlingsfest in den 1950er-Jahren festgehalten. Im Mittelpunkt des Geschehens stand schon damals das Ei. Auch wenn die Traditionen etwas anders waren als heute.

Hannes Nüsseler
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Eierläset in Füllinsdorf, 1950er-Jahre.
6 Bilder
Äierwybli und Oschterhaas sammeln Bargeld statt Naturalien.
Wer hat das schönere Nest? «Ostern bei Familie Dr. Schmid», Liestal.
Liestaler Osternest mit selbstgefärbten Eiern und Kunstgras.
Osterspaziergang beim Wasserturm auf dem Bruderholz, 1953.
Osterspaziergang des Landheims auf die Farnsburg im Frühlingsschnee, 1951.

Eierläset in Füllinsdorf, 1950er-Jahre.

Theodor Strübin / Archäologie und Museum Baselland

Als der Liestaler Primarlehrer und Archäologe Theodor Strübin 1988 verschied, hinterliess er einen wahren Schatz: 25'000 Dias, ­Negative und Papierbilder, die sich heute im Besitz von Archäologie und ­Museum Baselland befinden. Aufmerksam und geduldig dokumentierte Strübin den Alltag und die Feiertage auf dem Land. So fotografierte er 1953 auch die Binninger und Basler Bevölkerung beim Osterspaziergang zum Wasserturm. Der Schritt ist gemessen, die Farbpalette reduziert, das Männerhaupt bedeckt.

Etwas Farbe brachte die Küche in das karge Frühlingsfest: So war es in Liestal noch um 1950 Brauch, am Grünen Donnerstag Spinat oder auch Löwenzahn zum Zmittag aufzutischen. Und dann natürlich die Ostereier, die in Kaffeewasser, Zwiebelschalensud oder in Waldameisen­hügeln (!) gefärbt wurden – «derno sy si gspriigeled worde». Zur Verzierung wurden die Eier auch mit Oschterchrutt umwickelt, mit Schreibfedern angekratzt oder mit Sprüchlein beschrieben.

Die Eier dienten natürlich nicht nur zum Verzehr, zuvor wollten sie gesucht und gefunden werden. «Juhee, juhee, der Haas het gläit / und euser Huen het s Äi vertreit», heisst es im ­Baselbiet schon Ende des 18. Jahrhunderts. Kinder liebten es ausserdem, die runden Eier am Boden oder von einem «Hüübel» zu «rüügele». Auf den Wiesen wurde Weitwurf geübt, auch über Hausdächer und Bäume flogen die Eier. Beim Düpfen ­behielten die Siegreichen meist beide Eier.

Eine Eierläset auf dem Basler Petersplatz

Besonders beliebt waren ­Eiergeschenke bis 1920 unter jungen Leuten, und zwar an Nachostern, wie der Basel­bieter Volkskundler Eduard Strübin (1914–2000) feststellte. Die Schenkenden waren meist Mädchen: Erhielt ein Bursche zwölf oder dreizehn Eier, durfte er sich Hoffnungen machen. Auch Patenkinder wurden mit Ostereiern beschenkt, ab 1900 kamen kleine Zuckerhäschen dazu, dann solche aus Schokolade, zuletzt Schokoladeneier.

Geschenkt wurden aber auch diese Eier nicht zu Ostern, sondern erst eine Woche später: am Weissen Sonntag. An diesem Tag findet das Eier­lesen bis heute statt – falls es nicht pandemiebedingt ausfällt. Anders als im Baselbiet kolportiert, wurde das wettkampfmässige Einsammeln und Werfen ­roher Eier aber nicht auf dem Land erfunden, sondern als Spiel städtischer Handwerksgesellen: Schon fürs Jahr 1556 ist ein solcher Eierwettkampf auf dem ­Petersplatz in Basel verbürgt.

Theodor Strübin dokumentierte in den Fünfzigerjahren auch die Eierläset, das Füllinsdörfer Publikum verfolgt den Anlass mit ­gebührendem Ernst. Einige wenige Mädchen setzen mit ihren blutroten Kleidern einen dramatischen Farbakzent, das geworfene Ei verschmiert in Bewegungsunschärfe, schwerelos zwischen Zuversicht und Zweifel. Mehr Ostern geht nicht.

Eduard Strübin: «Jahresbrauch im Zeitenlauf», Verlag des Kantons Basellandschaft, 1991. Mehr Fotografien von Theodor Strübin auf bz online und im Kulturgüterkatalog des Museumverbunds Baselland: www.kimweb.ch.

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