Geistschreiber
Walter Wob*

Willi Näf
Willi Näf
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Peter Klaunzer / KEYSTONE

Frühlingserwachen. Natur. Töfflibuben. Walter und ich. Wir haben eine Runde gedreht. Er auf seiner Kawa mit 94-Dezibel-Sportauspuff und ich auf meiner kleinlauten BMW. Wir fahren selten aus. Ich habe kein gutes Gewissen, Walter keine freie Zeit. Er ist Nationalrat für die SVP und präsidiert das Egerkinger Komitee, das einst das Minarettverbot lancierte für den Schutz des Ortsbildes und jetzt das Verhüllungsverbot für die Befreiung der Frau.

In Reigoldswil sassen wir mit einem Bierli auf ein Bänkli. Eine Verhüllte schlenderte vorbei. Walter fragte sie, ob er sie befreien dürfe mit einem Artikel in der Schweizer Bundesverfassung. Er sprach sie auf Englisch an, weil sein Arabisch etwas eingerostet ist. «Red tütsch Bro», knurrte sie, «si mer bi uns in dr Schwiz oder was, bini extra konvertiert vom Punk zum Islam, dass mi kaine me blöd amacht, also kasch abfahre Macho.»

Walter nahm’s mit Fassung. Er wird sich weiter einsetzen für Chancen- und Lohngleichheit, Elternzeit, Kinderkrippen, bessere Honorierung von Betreuungs- und Pflegearbeit, eine modifizierte Individualbesteuerung, Revision des Sexualstrafrechts, schärfere Gesetze für Stalking und Hassrede, all die Kernanliegen seiner SVP halt, zudem Gendersternli für die Bundesverfassung sowie Walters Herzensanliegen, die neue Berufslehre «Frauenbefreier*in EFZ», für die er in Egerkingen eine Berufsschule aufbauen möchte, mit Frauenhaus für den praktischen Unterricht. Zudem strebt er einen Namenswechsel an, von Walter Wobmann zu Wobmensch, Wobmitmensch oder genderneutral zu Walter Wob*, ein Visionär war er schon immer.

Wir bretterten noch ins Leimental, wo wir eine Burkaträgerin aufgabelten. Als Walter sie befreien wollte, hat sie ihm eine gebacken. Es war eine Thai aus dem Frauenhaus, katholisch und nur verhüllt, damit ihr gewalttätiger Schweizer Ehemann sie auf der Strasse nicht erkannte. Auf dem Heimweg machten wir noch einen Kehr nach Teheran in ein Frauengefängnis, wo die Folteropfer Walter ermutigten, seinen Kampf für ihre Befreiung nicht aufzugeben. Und just als sie sagten, er sei ihr Held, ihr helvetischer Alice Schwarzer mit Sportauspuff, ging mein Wecker. Ja, so Vollmondnächte finde ich zäh. Da träumt’s mir oft Schmarren.

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