Generalversammlung
Grosse Herausforderung: Regio Basiliensis hat mit Fachkräftemangel zu kämpfen

Als Problem beim Arbeitsmarkt am Oberrhein erweist sich die mangelnde Anerkennung von Abschlüssen. Politikerinnen und Politiker aus den drei Ländern diskutierten über den trinationalen Arbeitsmarkt.

Peter Schenk
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Von links: Marion Dammann, Dieter Egli, Christèle Willer, Jacques Gerber, Andrea Elisabeth Knellwolf, Moderatorin Annette Mahro.

Von links: Marion Dammann, Dieter Egli, Christèle Willer, Jacques Gerber, Andrea Elisabeth Knellwolf, Moderatorin Annette Mahro.

Peter Schenk

Auf der Generalversammlung der Regio Basiliensis, die Dienstagabend in Bad Bellingen stattfand, stand der Arbeitsmarkt am Oberrhein im Mittelpunkt. Marc Bros de Puechredon, Vorsitzender der Geschäftsleitung BAK Economics, stellte in einem Imputreferat die wichtigsten Ergebnisse der dritten Studie zum Arbeitsmarkt vor, die BAK und Regio Basiliensis gemeinsam veröffentlichten.

Als Herausforderung sah er den Fachkräftemangel, der sich bei Pflege und Dienstleistungen bemerkbar mache. «Noch ist das Problem bewältigbar», urteilte er und führte dies auf die Attraktivität der Arbeitsstellen zurück.

Die Zahl der Grenzgängerinnen und Grenzgänger, die in der Nordwestschweiz arbeiten, ist mittlerweile auf 70'000 gewachsen – seit 2003 eine Zunahme von drei Prozent im Jahr. Während im Elsass die Arbeitslosigkeit am Oberrhein am höchsten ist, gab es 2021 in der Nordwestschweiz fast 10'000 und in Baden 7300 offene Stellen.

Die Hoffnung liegt auf der Digitalisierung

Während derzeit mit vier Millionen Personen zwei Drittel der Bevölkerung erwerbstätig ist, wird diese Zahl 2035 voraussichtlich auf unter vier Millionen sinken – ein Problem, das aber lösbar sei. Hoffnung mache die Digitalisierung, die Bros de Puechredon als Chance für den Wirtschaftsraum Oberrhein sah. Gut sieht es bei den Patenten aus.

«In der Nordwestschweiz gibt es einen hohen Anteil an Weltklassepatenten.»

Bei der Resilienz, der Widerstandskraft bei Krisen, sei der Oberrhein europaweit gut aufgestellt. «Die Schweiz liegt dabei ganz vorne.»

Bei der anschliessenden Podiumsdiskussion verwies Marion Dammann, Landrätin des Landkreises Lörrach, darauf, dass die Berufsabschlüsse in den drei Ländern nicht genügend gegenseitig anerkannt seien. Andrea Elisabeth Knellwolf, Head Community Relations Basel/Kaiseraugst bei Hoffmann-La-Roche, sah dieses Problem vor allem bei Gesundheitsberufen.

«Es kann sein, dass die Pflegeausbildung ganz anders aufgebaut ist», sagte sie. Dammann kündigte an, dass der Landkreis angesichts des starken Schweizer Nachbarn, der dreimal so viel zahle, die Arbeitsbedingungen attraktiver gestalten werde, um Pflegekräfte zurückzuholen.

Hohe Schweizer Löhne sind auf Dauer keine Lösung

Jacques Gerber, Wirtschafts- und Gesundheitsminister des Kantons Jura, warnte: «Heute ziehen wir die Fachkräfte mit hohen Löhnen an. Das wird langfristig nicht funktionieren.»

Dieter Egli, Aargauer Regierungsrat, versachlichte die Debatte: «Die Konkurrenz um Fachkräfte haben wir auch mit anderen Regionen der Schweiz.» Die Regio Basiliensis setzte sich in einem Thesenpapier dafür ein, eine trinationale Ausbildungs- und Arbeitsmarktstrategie zu entwickeln.

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