Geschäftsjahr
Die Pandemie trifft die BVB hart: Ein Drittel weniger Fahrgäste und ein historischer Verlust

Die Coronakrise hat das Jahr 2020 auch für die Basler Verkehrsbetriebe zu einer grossen Herausforderung gemacht. Wie der Verlust gedeckt werden soll, ist noch offen.

Andreas Möckli
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Zeitweise brachen die Fahrgastzahlen im vergangenen Jahr um über 75 Prozent ein.

Zeitweise brachen die Fahrgastzahlen im vergangenen Jahr um über 75 Prozent ein.

Kenneth Nars

Das Jahr 2020 brockt den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) einen rekordhohen Verlust ein: Rund 20,8 Millionen Franken beträgt das Minus. Als Folge der Pandemie sanken die Fahrgastzahlen um rund einen Drittel auf 85,8 Millionen Fahrgäste. Die geringeren Einnahmen und die höheren Aufwände zur Bewältigung der Coronakrise hätten zum Verlust geführt, schreiben die BVB in einer Mitteilung.

So sanken zu Beginn der Pandemie die Fahrgastzahlen auf einen Viertel des Vorjahres. In der zweiten Jahreshälfte transportierten die Verkehrsbetriebe im Schnitt rund zwei Drittel der Fahrgäste im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch sank der Verkehrserlös mit einem Minus von 17 Prozent nicht so stark wie die Passagierzahlen. Dies ist den TNW-Abos und GAs zu verdanken, die nicht im Gleichschritt der Nutzung rückläufig sind. So sank die Zahl der verkauften Abos lediglich knapp 14 Prozent. Die Zahl der Einzelbilletts reduzierte sich dagegen um rund 39 Prozent.

Die Pünktlichkeit ist zwar im Pandemiejahr 2020 auf 84,2 Prozent gestiegen, blieb aber immer noch hinter den ­Jahren 2017 und 2016 zurück. Damals betrug der Wert 89 Prozent.

Feilschen mit Bund und Kanton

Auf den ersten Blick überraschend stieg der Personalaufwand trotz der Pandemie um 3 Prozent. Der Grund: Die BVB haben den Unterbestand des Fahrpersonals ausgeglichen. So sind in den Jahren 2019 und 2020 knapp 220 neue Chauffeure hinzugekommen. Nun zählt das Unternehmen gar einen leichten Überbestand.

BVB in Zahlen

in Millionen Franken
2020 Veränderung in Prozent
Betriebsertrag249,8-2.6
Betriebsaufwand217,6+7.8
Abschreibungen57,8+9.0
Betriebsverlust (Ebit)25,7n.a.
Reinverlust20,8n.a.
Mitarbeiter1376+4.4
Passagiere in Millionen85,8-32.2

Den happigen Verlust können oder wollen die BVB nicht selber tragen. Das Unternehmen stehe mit den zuständigen kantonalen und nationalen Behörden im Austausch. Dies bestätigt das Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons auf Anfrage. Welche Anteile von Bund und Kanton übernommen werden und welcher Betrag das Unternehmen selber übernehme, kann gemäss einem Sprecher des Departements zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden.

«Das tut weh und bereitet uns Sorgen»

Noch scheint die finanzielle Lage der BVB nicht bedrohlich. Die flüssigen Mittel haben zwar deutlich abgenommen – von 26,9 auf 7,1 Millionen Franken. Die Eigenkapitalquote ist mit 28,7 Prozent dagegen halbwegs solide. Ob die Firma aber einen weiteren hohen Verlust tragen kann, ist unklar. Allzu rasch dürfte sich das Ergebnis nicht ins Positive drehen. Die anhaltende Homeoffice-Pflicht wird sich mit Sicherheit auch in den Zahlen des laufenden Jahres niederschlagen. «2021 wird bezüglich Fahrgastzahlen und finanziellem Ergebnis noch sehr stark von Corona geprägt sein. Das tut weh und bereitet uns Sorgen», sagt Direktor Bruno Stehrenberger in einem Interview im Geschäftsbericht.

Etwas Positives hatte die ­Coronakrise dennoch. Die BVB konnten die angehäuften Überstunden ihres Personals ­markant abbauen. Die Zahl sank von über 70000 Stunden auf 26300 – ein Rückgang von 63 Prozent.

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