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Das Mysterium unter der Sturmhaube

Medienkünstlerin Jessica Jurassica schreibt mit «Das Ideal des Kaputten» ein Début zwischen Midlife-Crisis, Feminismus und Liebesroman.

Josia Jourdan
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Wer Jessica Jurassica ist, weiss niemand.

Wer Jessica Jurassica ist, weiss niemand.

zVg

Drogen, Männer oder doch lieber eine Reise nach Südamerika? In Jessica Jurassicas Debütroman «Das Ideal des Kaputten» kriegt man alles, und das in reichlichen Mengen. Ungesunde Beziehungen, Pillen, Alkohol und dann wieder ein Flug irgendwohin. Dazwischen werden Texte geschrieben, an Konzerten in der Frontline gestanden oder einflussreiche Männer in Zürich getroffen.

Das knapp 130-seitige Büchlein der Schweizer Autorin und Journalistin ist vor kurzem bei Lector Books erschienen, und beim Lesen fragt man sich zwischendurch, was uns die Autorin damit sagen möchte. Teilweise liest es sich wie die Beschreibung einer Midlife-Crisis, die zu früh eingetreten ist, dann wieder wie ein feministischer Text, der Ungerechtigkeit und Missstände in unserer Gesellschaft aufzeigt. Und dann ist es doch wieder bloss ein Roman rund um Liebe.

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Der 18-jährige Muttenzer Gymnasiast Josia Jourdan betreibt den erfolgreichen Blog «I Love Books» und schreibt monatlich für die bz.

Wir folgen dem Leben einer jungen Frau in ihren Zwanzigern. Sie ist Journalistin und Autorin, macht damit aber noch nicht das grosse Geld und hält sich deshalb mit Nebenjobs über Wasser. Sie macht sich keine allzu grossen Sorgen, ballert sich weiterhin mit Drogen voll, schreibt Bewertungen auf Tripadvisor und trägt diese am Ende dann sogar an einer Lesung vor. Es ist ein sprunghafter Text, teilweise geht es in die Vergangenheit, dann gibt es wieder einen kurzen Brief oder Songtext. Jessica Jurassica schreibt experimentell, und wer die Romane von Mareike Fallwickl oder Leif Randt mag, wird sich auch von diesem Text unterhalten fühlen.

Autobiografie oder doch nur ein Roman?

Wer hinter dem Pseudonym Jessica Jurassica steckt, ist unbekannt. Zumindest für die Öffentlichkeit. Sie verbirgt sich hinter einer Sturmhaube. Ob das Buch nun eine Autobiografie oder doch nur ein Roman mit Parallelen zu ihrem Leben ist, lässt sich so nicht sagen.

Die Appenzellerin hat sich aber in den letzten Jahren als Künstlerin einen Namen gemacht. Unter anderem mit einer Erotikgeschichte rund um Bundesrat Alain Berset und kritischen Texten zur Medienbranche. Sie ist ein Mysterium, gehen wir aber davon aus, dass «Das Ideal des Kaputten» autobiografisch ist, dann hat sie sich von einer sehr verletzlichen Seite gezeigt.

«Das Ideal des Kaputten» ist ein Roman rund um Drogen, Sex und Feminismus. Wo stehen Frauen in der Gesellschaft im Jahr 2021, und was müssen sie sich immer noch gefallen lassen? Ob autobiografisch oder bloss ein Roman rund um die Kunstfigur Jurassica, das Büchlein überzeugt mit sprachlichen Spielereien und knallharter Ehrlichkeit.

Jessica Jurassica: «Das Ideal des Kaputten», Lector Books, 122 Seiten.

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