Wald

Im gemeinsamen Basler Forstrevier steckt der Wurm drin

Ein Blick auf die Schauenburgflue.

Ein Blick auf die Schauenburgflue.

Muttenz, Pratteln und Frenkendorf wollen das gemeinsam geführte Forstrevier Schauenburg in einen Zweckverband überführen.

Seit 2002 besteht in den Waldgebieten von Muttenz, Pratteln und Frenkendorf eine enge Zusammenarbeit im Rahmen des Forstreviers Schauenburg. Das Konstrukt funktioniert, hat aber seine Tücken: Weil die Bürgergemeinde Pratteln als Kopfbetrieb des Forstreviers waltet, sind sämtliche Mitarbeitenden des Forstreviers bei ihr angestellt. Auch sämtliches Inventar – finanziell bedeutend sind da vor allem die grossen Waldmaschinen – gehört ihr. Die Betriebskosten und die Investitionen werden von der Bürgergemeinde Pratteln getragen. Sie stellt ihren Revierpartnern der Bürgergemeinden Muttenz und Frenkendorf jeweils Rechnung. Und genau da liegt der Hund begraben, wie an der Informationsveranstaltung am Montagabend in der Alten Dorfturnhalle in Pratteln spürbar wurde. Der Kopfbetrieb sei zu gross, deutete der Muttenzer Waldchef Hansueli Vogt an und löste damit bei Prattelns Bürgerratspräsidentin Verena Walpen-Wolf mehrfach Kopfschütteln aus.

Muttenz und Frenkendorf hätten nur wenig Einfluss auf die Finanzen des Forstbetriebs. «Es gab immer wieder Diskussionen und Unstimmigkeiten über die Rechnungsstellung vonseiten der Bürgergemeinde Pratteln. Und natürlich ist dieser Zweckverband auch das Resultat daraus», betont Vogt. Mit dem Kopfbetrieb sei die Organisation des Forstreviers schon speziell gewesen. «Sie hatten die Maschinen, das Personal und konnten die Entscheidungen treffen und dies dann alles uns in Rechnung stellen.»

Frenkendorfs Bürgerratsvizepräsidentin und Finanzchefin Andrea Schäfer kann die Kritik Vogts nicht nachvollziehen. «Wir haben die von ihm geschilderte Erfahrung so nicht gemacht. Jedes Jahr haben die drei Waldchefs zusammen die Planung gemacht, und auch bei zusätzlichen Rechnungen konnte man in den Protokollen die Begründungen einsehen.» Sie hätte es sich gewünscht, dass man die Unstimmigkeiten schon früher und nicht erst jetzt im Rahmen der Gründung des Zweckverbands angesprochen hätte.

Kompetenzen und Risiko aufteilen

Mit Gründung des Zweckverbands, über die die Bürgergemeindeversammlung Pratteln morgen Donnerstag und jene von Frenkendorf und Muttenz in den kommenden beiden Wochen abstimmen, sollen die Kompetenzen gerechter auf die drei Parteien aufgeteilt werden, die Organisation des Forstreviers effizienter funktionieren, Entscheidungswege verkürzt, Kosten transparenter gemacht und das unternehmerische Handeln und Denken gefördert werden, erklärte Prattelns Waldchef Sven Bill. Personal und Inventar würden dem Zweckverband unterstehen. Neben den Kompetenzen soll auch das finanzielle Risiko, das bis anhin mehrheitlich Pratteln getragen habe, gerechter auf die drei Parteien aufgeteilt werden.

Der Zweckverband würde vor allem für die Bürgergemeinde Pratteln eine Zäsur darstellen. Daran erinnerte am Montagabend auch Revierförster Markus Eichenberger. Es sei deshalb wichtig, dass die Menschen nicht das Gefühl bekämen, dass sich das Forstrevier von der Bürgergemeinde entferne. «Die Bürgergemeinde, aber auch die Waldbenutzerinnen- und -benutzer, dürfen nicht das Gefühl bekommen, da ist jetzt ein Fremder am Werk.» Dafür würden aber Muttenz und Frenkendorf mehr das Gefühl erhalten, Teil der Waldbewirtschaftung zu sein.

Noch vor gut zwei Jahren geriet das Forstrevier Schauenburg wegen grossflächiger Holzschläge in die Schlagzeilen. Die Kritik sei zwar noch immer nicht ganz verschwunden, verrät Revierförster Markus Eichenberger, aber deutlich zurückgegangen. Eichenberger ist überzeugt, dass die grossflächigen Rodungen in Zusammenhang mit Neuanpflanzungen nötig sind. «Unsere Strategie hat sich bewährt. Dass dies immer mehr Forstreviere so handhaben, zeigt wohl schon, dass wir damit recht gehabt haben.» Das Forstrevier Schauenburg sei damals der Zeit voraus gewesen. Mit den trockenen Sommern 2018 und 2019 sei der Waldumbau hin zu mehr klimaresistenten Baumarten für alle dringender geworden. «Und die klimaresistenten Baumarten wie die Eiche brauchen zum Wachsen Licht. Deshalb sind grossflächige Holzschläge nötig.»

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