Kaufmännische Ausbildung
Bund gibt dem öffentlichen Druck schneller nach als erwartet: KV-Reform wird auf 2023 verschoben

Die beiden Basel waren nicht die einzigen, aber mit die aktivsten Kantone, die sich gegen eine überhastete Einführung der KV-Reform 2022 gewehrt hatten. Mit Erfolg. Der Bund verschiebt das Unterfangen um ein Jahr.

Michael Nittnaus
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Noch unklar ist unter anderem, wie die KV-Schülerinnen und -Schüler nach der Reform die Kriterien der Lehrabschlussprüfungen erfüllen können.

Noch unklar ist unter anderem, wie die KV-Schülerinnen und -Schüler nach der Reform die Kriterien der Lehrabschlussprüfungen erfüllen können.

Patrick Huerlimann

Eine Resolution des Landrats und des Grossen Rats, Aufrufe der beiden Bildungsdirektoren in der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren, mehrere Vorstösse im Nationalrat und zuletzt auch ein Appell an den Bund durch die Baselbieter Ständerätin Maya Graf in der Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturkommission. Die beiden Basel kämpften an vielen Fronten gegen die Einführung der Reform der kaufmännischen Ausbildung per Sommer 2022.

Bund nimmt Kantone nun in die Pflicht

Neben inhaltlichen Bedenken stand zuletzt klar im Fokus der Anstrengungen, die Reform um ein Jahr zu verschieben. Und siehe da: Überraschend schnell gab das federführende Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) nach. In einer ausführlichen «Mitteilung der Verbundpartner» teilt das SBFI heute Freitag mit, dass die Einführung des neuen Bildungsplans und der Bildungsverordnung auf den Lehrbeginn 2023 festgesetzt wird. So wird aus dem 2017 initiierten Projekt «Kaufleute 2022» also sozusagen «Kaufleute 2023». Das SBFI schreibt:

«Mit diesem Vorgehen kann die für alle Akteure der kaufmännischen Grundbildung erforderliche Planungssicherheit für eine erfolgreiche Umsetzung geschaffen werden.»

Der Bund nimmt nun aber auch die Kantone in die Pflicht, dass die Reform 2023 umfassend eingeführt werden kann. Sie sollen für die nötigen Rahmenbedingungen und Schulentwicklungsprozesse sorgen.

Auch Fremdsprachen-Problem scheint gelöst

Die Mitteilung der Verbundpartner - neben dem SBFI zählen dazu unter anderem auch der Kaufmännische Verband Schweiz und der Schweizerische Arbeitgeberverband - enthält aber noch weitere Signale, dass die grössten Kritikpunkte angegangen werden. So endet heute Freitag die Anhörung zum weiterentwickelten Fremdsprachenkonzept. Statt wie ursprünglich vorgesehen nur noch eine Fremdsprache sind nun wieder zwei Fremdsprachen obligatorisch. Auch der Zugang zur Berufsmaturität BM1 und BM2 muss nun explizit gewährleistet werden.

Die viel kritisierte Fokussierung auf Handlungskompetenzen statt der klassischen Schulfächer wird zwar beibehalten. Doch die Verbundpartner betonen, dass weiter fundiertes Grundlagenwissen vermittelt werden müsse. Die Baselbieter FDP, welche die Resolution im Landrat angestossen hatte, feiert die Mitteilung auf Twitter kurz und knapp mit «KV-Reform: Erfolg!»

Update: In einer separaten Stellungnahme begrüsst auch der Kaufmännische Verband Baselland, dass die KV-Reform auf Mitte 2023 verschoben wird. Präsident Daniel Loetscher hält fest:

«Insbesondere die zeitliche Parallelität bei der schulisch (WMS) und betrieblich organisierten Grundbildung (KBS) ist für die Schulen nun gegeben und die Lehrpersonen können sich auf die herausfordernden neuen Lehrinhalte besser vorbereiten.»

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