Kommentar
Die Untaten der Vorgänger

Inwiefern die «Besser spät als nie»-Gesten des Kantons Basel-Landschaft den ehemaligen Verdingkindern irgendeine Genugtuung bereiten, können nur diese allein beurteilen.

Bojan Stula
Bojan Stula
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Insgesamt wurden 12 dieser Erinnerungsbänke aufgestellt.

Insgesamt wurden 12 dieser Erinnerungsbänke aufgestellt.

Bild: Kenneth Nars

Entschuldigungen von Regierungen für vor Jahrzehnten begangenes Unrecht hinterlassen stets ein ausgesprochen ungutes Gefühl. Der Generalverdacht von billigem politischem Opportunismus schwingt unvermeidbar mit. Mit grossem Ernst und weisen Worten fordern die Magistratinnen und Magistraten Vergebung für die Untaten ihrer Vorgänger. Dieser vermeintliche Schlusspunkt unter unrühmliche Kapitel fällt verhältnismässig leicht. Persönlich hat man sich keine Schuld aufgeladen: weder für das begangene Unrecht selbst, noch beim Abblocken von Entschädigungsforderungen, die sehr oft zeitlebens unerfüllt bleiben.

Nun hat die Baselbieter Sicherheits­direktorin Kathrin Schweizer bestimmt aus echter persönlicher Betroffenheit und ehrlicher Empathie heraus den Opfern der Fremdplatzierungen ihr Bedauern ausgedrückt. Die gleichzeitig aufgestellten Erinnerungsbänke kann man stehen lassen. Inwiefern diese «Besser spät als nie»-Gesten den Opfern irgendeine Genugtuung bereiten, können nur diese allein beurteilen. Um wie viel wirkungsvoller wäre die späte staat­liche Abbitte jedoch, wenn der Baselbieter Regierungsrat diese mit einer grosszügigen Rentenzahlung an alle Überlebenden verbinden würde.

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