Nähkästchen
Laura Tschopp tritt bei Sm'Aesch in Esther Kellers Fussstapfen: «Nicht nur die Laura, die Volleyball spielt»

Laura Tschopp spielte lange professionell Volleyball und tritt jetzt als Co-Präsidentin von Sm’Aesch Pfeffingen in Esther Kellers Fusstapfen.

Lea Meister
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Laura Tschopp ist vor nicht allzu langer Zeit in eine neue Wohnung umgezogen, «weil hier im Quartier etwas mehr los ist».

Laura Tschopp ist vor nicht allzu langer Zeit in eine neue Wohnung umgezogen, «weil hier im Quartier etwas mehr los ist».

Roland Schmid

Laura Tschopp, worüber reden wir heute?

Laura Tschopp: Über Ambitionen. Ich denke da direkt an Volleyball, da die beiden Begriffe zusammenpassen. Natürlich denke ich auch direkt an Sm’Aesch und die Ambitionen, den Schweizer-Meister-Titel zu holen.

Sm’Aesch hat ja durchaus auch Ambitionen internationaler Natur. Die Diskussionen um den «Dom» in Aesch laufen heiss. Wie ist das für Sie?

Das ist noch alles neu für mich und ich bin aktuell zu wenig involviert. Ich habe von diesem spannenden Projekt für Aesch gehört, wovon glaube ich verschiedene Vereine aus dem sportlichen, aber auch kulturellen Bereich profitieren könnten.

Würde Ihnen eine neue Halle denn entgegenkommen, gerade auch für Europacup-Spiele?

Wir sind zufrieden mit der Infrastruktur, die Löhrenackerhalle wurde auch erst renoviert. Wenn wir Europacup spielen, wird es aber etwas schwierig, weil die jetzige Halle zu klein ist und auch sonst nicht den Anforderungen des Europäischen Volleyballverbands entspricht. Dann müssen wir auf die St. Jakobshalle ausweichen und können entsprechend nicht «zuhause» spielen.

Wenn ich Dinge tue, die mir Angst machen, fühle ich mich am lebendigsten.

(Quelle: Laura Tschopp, 36, neue Co-Präsidentin Sm’Aesch Pfeffingen)

Jetzt treten Sie als Co-Präsidentin in die Fussstapfen der künftigen Basler Regierungsrätin Esther Keller. Wie kam es dazu?

Als sich abgezeichnet hat, dass Esther das Amt aus möglichen Interessenskonflikten abgeben wird, hat sich die Geschäftsleitung überlegt, wer ihre Nachfolgerin werden könnte. Dabei sind sie dann recht schnell auf mich gekommen, glaube ich. Obwohl ich anfangs noch nicht genau wusste, was auf mich zukommen würde, habe ich im Gespräch mit Esther und Matthias Preiswerk schnell gemerkt, dass ich den Club mit meiner Erfahrung weiterbringen kann. Die Entscheidung zuzusagen ist mir dann leichtgefallen. Der Verein und der Volleyballsport im Allgemeinen liegen mir sehr am Herzen.

Im Gegensatz zu Esther Keller haben Sie Profierfahrung.

Ja, uns verbindet aber auf jeden Fall die Liebe zum Volleyball. In der Schweiz ist man jedoch nicht unbedingt Profi. Aber ich habe in der Nationalliga A und in der Nationalmannschaft gespielt, das wird mir in meiner neuen Rolle sicher entgegenkommen.

Welche Ambitionen haben Sie mit Sm’Aesch Pfeffingen?

Das kurzfristige Ziel ist ganz klar, den Meistertitel zu holen. Detailliertere Ziele kann ich noch keine nennen, da wir uns da auch im Verein zuerst in Ruhe kurzschliessen müssen. Wichtig ist mir aber auf jeden Fall, dass Sm’Aesch stets vorne mitspielen kann und wir ein Team sein können, das jungen Talenten aus der Region immer wieder den Sprung in die erste Mannschaft ermöglicht. Bei uns soll man Fortschritte machen und um Top-Plätze kämpfen können. Wir hatten auch schon Spielerinnen, die den Sprung in eine europäische Liga geschafft haben. Das sollte ebenfalls ein Ziel sein, eine Profikarriere im Ausland ins Auge fassen zu können.

Ich glaube an eine positive Entwicklung.

(Quelle: Laura Tschopp, 36, neue Co-Präsidentin Sm’Aesch Pfeffingen)

Und was wünschen Sie sich für den Volleyballsport im Allgemeinen?

Dass er weiter an Popularität gewinnen kann. Es ist ein wunderschöner Sport, der es auch national verdient hätte, eine stärkere Medienpräsenz zu erlangen und in der Gesellschaft an Bedeutung zu gewinnen.

Was bräuchte es dafür?

Ich glaube, das ist nicht so einfach zu beantworten. Dafür braucht es viele konstruktive Gespräche. Ich glaube an eine positive Entwicklung.

Liegt es am fehlenden Geld?

Ein Ziel könnte sein, mehr Aufmerksamkeit zu generieren und Kontakt zu sportinteressierten Personen zu knüpfen. Natürlich sind Sponsoren ein wichtiger Aspekt. Durch die Professionalisierung des Sports steigt dann auch das Niveau.

Hatten Sie 2020 mehr Zeit, sich mit Zielen auseinanderzusetzen?

Zeit schon, aber das Meiste kommt dann eben doch überraschend. Mit dem Co-Präsidium zum Start des Jahres 2021 hätte ich auch nicht gerechnet. Ich plane persönlich nicht so weit voraus und schaue, was auf mich zukommt

Sie wirken wie ein vorsichtiger Mensch.

Nein, vielleicht eher reflektiert. Ich probiere bewusst auch Dinge zu tun, die mir Angst machen und mich aus meiner Komfortzone holen. Wie zum Beispiel dieses Interview (lacht) oder allein zu verreisen. An solchen Dingen kann ich dann wachsen und daraus lernen. Wenn ich Dinge tu, die mir Angst machen und mich herausfordern, fühle ich mich am lebendigsten.

Hat der Sport Ihnen geholfen, sich selbst zu finden?

Er hat sicher dabei geholfen, mich aber gleichzeitig auch daran gehindert. Volleyball war sozusagen meine erste Liebe. Irgendwann lag der Fokus dann zu stark nur auf dem Sport, ich hatte nur noch ihn. Das war nicht mehr gesund. Mich davon zu lösen, war etwas schmerzhaft. Meine Karriere habe ich dann auch mit 31 beendet. Ich wollte nicht mehr nur Laura sein, die Volleyball spielt, sondern auch andere Eigenschaften von mir entdecken und teilen. Ich nehme so viel Gutes aus dem Volleyball mit und habe so viele tolle Erfahrungen gemacht, die mich weitergebracht haben, dafür bin ich sehr dankbar.