Wahlen 2020

LDP Grossratskandidat - Der Karrieremensch Gabriel Nigon

«Heimkommen»: Seit 54 Jahren trainiert Gabriel Nigon im Basler Fechtsaal.

Gabriel Nigon

«Heimkommen»: Seit 54 Jahren trainiert Gabriel Nigon im Basler Fechtsaal.

Der frühere Spitzensportler und Anwalt Gabriel Nigon will für die LDP in den Grossen Rat. Der Startschuss für seine dritte Karriere.

Sicheren Schrittes steigt Gabriel Nigon die Treppenstufen hoch. «84 sind es», sagt er mittendrin. Das weiss er, weil die Treppenstufen jahrelang für das Aufwärmen vor dem Training herhalten mussten. Und weil er hier seit Jahren ein- und ausgeht. Zuoberst im mehrstöckigen Gebäude gegenüber des Theater Basels ist die Fechtgesellschaft Basel zu Hause. Für Nigon ist es ein «Heimkommen», wann immer er die Räumlichkeiten betritt. Im Alter von zehn Jahren begann hier seine Karriere als Degenfechter.

Jetzt, 54 Jahre später, steht Nigon wieder am Anfang einer Karriere: Er kandidiert für die Basler LDP für den Grossen Rat. Bereits 2012 und 2016 stand er auf der Liste, als Stimmensammler. «Jetzt will ich Farbe bekennen.» Besonders die Coronakrise habe ihn davon überzeugt, sein politisches Interesse in Engagement umzuwandeln.

Der Fechtsport prägt Nigon seit der Kindheit. Grossvater Roger Nigon lehrte von 1923 bis 1973 die Schüler der Fechtgesellschaft. Vater Claude Nigon war Fechtspitzensportler in Frankreich. Die Fussstapfen, die Gabriel Nigon auszufüllen hatte, waren riesig. Fotos von Vater und Grossvater zieren die Wände des Eingangs zum Fechtsaal. Hier eine Siegerehrung, dort eine Erinnerung an den Maître Roger Nigon. «Zu Beginn kommentierten Fans, Trainer und Gegner meine Kämpfe oft mit: ‹Ah, typisch Nigon.› Daraufhin habe ich einen Stil entwickelt, der konträr zu demjenigen meines Vaters stand», erzählt Nigon.

Seine Eltern hätten ihn nie zum Fechten gedrängt, so Nigon. Im Gegenteil: Der Vater mahnte, sein Sohn trainiere zu viel. Neben seinem Jus-Studium an der Universität Basel stand Gabriel Nigon täglich vier bis sechs Stunden auf der Matte. Ausdauertraining, Fechten, Theorie, Taktik. «Ich war verbissen», sagt Nigon heute. Sei es im Studium nicht gut gelaufen, habe er sich in den Sport gestürzt. Danach habe er Nacht für Nacht im Büro weitergearbeitet, um auch dem Job gerecht zu werden. Noch heute ist der Sport ein wichtiger Bestandteil seines Lebens: «Ich habe das Fechten verinnerlicht, die Bewegungen kommen natürlich.» Stehe er unter Stress, besucht er ein Fechttraining. «Oder ich gehe barfuss auf die Finnenbahn und renne ein paar Runden», sagt der Vater zweier erwachsener Kinder.

Anfang 2020 deckte er einen Justizskandal auf

Wer den Lebenslauf des heute 64-Jährigen betrachtet, erhält den Eindruck, einen ausgesprochenen Karrieremenschen vor sich zu haben. Tatsächlich ist es der Ehrgeiz, der Nigon antreibt. Und die hohen Ansprüche an sich selbst. Nach der Sportlerkarriere machte er die Anwaltsprüfung und blieb dem Fechtsport und dem Schweizer Verband als Funktionär treu. Daneben baute er sein Anwaltsbüro mit mittlerweile 15 Mitarbeitenden in Basel auf. Einen Namen hat er sich spätestens Anfang dieses Jahres mit dem Aufdecken des Bündner Justizskandals gemacht. Ein Richter hatte heimlich ein Urteil abgeändert, das dem Mandanten von Nigon finanziell schadete.

Mit der Politik könnte nun ein neues Engagement dazukommen. Bisher fühlte er sich dafür nicht bereit, so einnehmend waren seine Arbeit und seine Aufgaben im Fechtsport: Als Teamcaptain berät Nigon die Trainer und Sportler der Nationalmannschaft bei taktischen Überlegungen und begleitet sie an internationale Wettkämpfe. «Das würde ich aufgeben, wenn ich in den Grossen Rat gewählt werde», sagt Nigon. Natürlich nach den Olympischen Spielen 2021. «Alles hat seine Zeit. Und diejenige des Fechtens ist dann abgelaufen.» Hart, aber ehrlich – und konsequent.

So stellt man sich auch den Politiker Gabriel Nigon vor. Schliesslich liegt ihm das Kämpfen. Nigon winkt ab: «Kämpfen, ja, aber mir geht es um einen offenen Dialog und nicht darum, einen Gegner zu bezwingen.» Bei seiner Kandidatur 2016 füllte er den Fragebogen auf der Website Vimentis aus. Seine politische Karte bescheinigt ihm die fast perfekte Mitteposition. Das liege daran, dass er links, rechts, oben und unten hinterfrage. «Wir meinen, unser Rechtsstaat und unsere Demokratie seien selbstverständlich. Dabei stellen ausländische Kräfte und extreme politische Flügel beides gerade in Frage», sagt Nigon. Er stehe für eine liberale Politik. Für Bescheidenheit. Für Demut. Denn: «Wir haben alle schon den Sechser im Lotto gewonnen, weil wir in der Schweiz geboren wurden, weil wir nie Krieg erlebten, weil wir so viel erreichen können.» Die Coronakrise habe dies wiederum aufgezeigt. Und ihn, Nigon, dazu bewegt, der Politik und damit einer dritten Karriere eine Chance zu geben.

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