Diebstahl

Maskenklau im grossen Stil am Unispital Basel: Wer steckte dahinter?

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Masken und Sterilium waren beim Universitätsspital Basel begehrtes Diebesgut.

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Drei Mitarbeiter haben Maskenbestände aus dem Depot des Basler Universitätsspitals geklaut. Das Spital hat Strafanzeige gestellt.

Die Verlockung war im Frühjahr zu gross. In den Depots des Spitals lagen zwar noch stapelweise Boxen mit Schutzmasken. Doch der mehrlagige Virenschutz war Mangelware. Hauptproduzent China war weitgehend ausgefallen. Die Preise explodierten, unseriöse Produkte überschwemmten den Markt.

Beim Universitätsspital Basel (USB) haben mindestens drei Mitarbeiter der Verlockung nicht widerstehen können und haben Material abtransportiert. Dies bestätigt UBS-Sprecher Nicolas Drechsler auf Anfrage. Die Mitarbeiter wurden entlassen, bei der Staatsanwaltschaft wurde Strafanzeige eingereicht.

Der Schaden kann derzeit nicht genauer beziffert werden, weil die drei Personen mit Sicherheit nicht die Einzigen gewesen sind, die sich grosszügig aus den Beständen des Spitals bedient haben. In den ersten Tagen und Wochen der Pandemie habe das USB einen Abgang an Hygiene- und Schutzmaterial verzeichnet, der dem Doppelten des üblichen Bedarfs entsprochen hat, sagt Drechsler.

Einige kamen mit Flaschen, um Sterilium aufzufüllen

Bekannt ist, dass zuweilen Passanten gleich mehrfach ins Spital gekommen sind und jeweils einen Stapel Schutzmasken mitlaufen liessen. Andere sind mit Flaschen angerückt, um sie mit dem verfügbaren Sterilium aufzufüllen. Die Gegenmassnahmen haben allerdings nicht lange auf sich warten lassen. So liegen Masken etwa nur noch an den beaufsichtigten Theken auf. Und zur besseren Übersicht wurden die Abteilungen angewiesen, darauf zu verzichten, Zwischenlager in den einzelnen Etagen aufzubauen. Einige solcher Bestände wurden wieder in das Zentrallager zurückgeführt.

Zwei der Entlassenen bedienten sich bei den Masken und bei anderen Verbrauchsartikeln, um sie gemäss den bisherigen Erkenntnissen in einem eigenen Nebengeschäft zu vertreiben. Der Dritte, der unabhängig handelte, spezialisierte sich vor allem auf die Entwendung von Sterilium, das er zu verkaufen versuchte.

Geschichten um den Maskenklau kursieren in der USB-Belegschaft und sie treiben bunte Blüten. Eine nicht zu bestätigende Variante erzählt, die USB-Einkäufer seien bei der eigenen Suche nach Maskenlieferanten auf das Angebot aus ihrem eigenen Depot gestossen. Bestätigt ist die Geschichte, dass die Einkäufer auf der Suche nach besseren FNP-2-Masken auf ein Angebot eingestiegen sind, dessen Zertifikat sich bei einem Funktionstest im Labor Spiez als falsch herausgestellt hat. Die Masken mussten vernichtet werden, obwohl der Lieferant gegenüber dieser Zeitung sagte, nur die Passform habe nicht gestimmt.

Klar aus dem Reich der Märchen ist die Erzählung, es seien in dieser turbulenten Zeit auch Spitalbetten aus dem Unispital verschwunden. Richtig ist zwar, dass in mehreren Transportern 200 Betten verladen worden sind. Doch diese nahmen den ordentlichen Weg einer Schenkung nach Kroatien. 500 weitere Betten, die ersetzt werden, sollen in absehbarer Zeit ebenfalls das Basler Spital verlassen.

Die Verlockung ist bereits verflogen

Trotz wieder steigender Fallzahlen und immer neuer Bereiche mit Maskenpflicht, hat sich die Verlockung mittlerweile wieder stark relativiert. Die Lager sind voll, auch beim USB. Selbst bei einem täglichen Verbrauch von gut 10000 Masken wäre mittlerweile ein Vorrat für ein knappes Jahr vorhanden.


Die Lager sind weltweit gesättigt, sodass erste Firmen bereits wieder aus der Produktion aussteigen. So rasch der Preis gestiegen ist, so radikal ist er zusammengebrochen. Grossabnehmer bezahlen mittlerweile wieder deutlich weniger als zehn Rappen pro Stück und damit unwesentlich mehr als vor der Pandemie. Im Detailhandel waren einfache Masken zeitweise nicht unter einem Franken zu haben, derzeit werden sie von den Grossverteilern zu rund vierzig Rappen angeboten.

Die Verlockung war kurz, den Ex-USB-Mitarbeitern kommt sie teuer zu stehen.

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Autor

Christian Mensch

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