Mineralwasser

Mineralquelle Eptingen : «Fremdes» Wasser legt eine Quelle in Lostorf still

Da eine Mineralquelle in Lostorf stillgelegt wurde, gilt: kein «Cristella» mehr, dafür mehr «Cristallo».

Da eine Mineralquelle in Lostorf stillgelegt wurde, gilt: kein «Cristella» mehr, dafür mehr «Cristallo».

Am Standort Lostorf füllt die Mineralquelle Eptingen AG Mineralwasser für drei Marken ab. Füllte. Weil «fremdes» Wasser in die Quelle für «Cristella» eingedrungen ist, musste diese stillgelegt werden. Ob dies nur ein vorübergehender Zustand ist, bleibt noch offen.

Wer öfter bei Denner einkauft und sich dort mit Mineralwasser der Marke «Cristella» eindeckt, wird sich vielleicht gewundert haben, warum sein bevorzugtes Getränk nicht mehr im Regal zu finden ist. Nun: «Cristella» gibt es gar nicht mehr, eine der drei Mineralquellen in Lostorf wurde vorläufig stillgelegt.

Der Mineralwassermarkt unterliegt in der Schweiz strengen Regeln, festgelegt unter anderem in der Verordnung über Trink-, Quell- und Mineralwasser. Dass Mineralwasser von einwandfreier mikrobiologischer Qualität sein muss, versteht sich eigentlich von selbst. Dazu muss es sich auszeichnen durch «besondere geologische Herkunft, Art und Menge der mineralischen Bestandteile, ursprüngliche Reinheit sowie durch die im Rahmen natürlicher Schwankungen gleichbleibende Zusammensetzung und Temperatur». Und: Natürliches Mineralwasser der gleichen Quelle darf nicht unter mehreren Markennamen in den Handel gebracht werden. Was umgekehrt auch heisst, dass Mineralwasser einer bestimmten Marke auch ganz exakt einer Herkunftsquelle zuzuordnen sein muss. Einer Quelle heisst «einem spezifischen, hydrogeologisch charakterisierbaren Grundwasservorkommen».

«Fremdes» Wasser in der «Cristella-Quelle»

Was ist nun in Lostorf passiert, wo die Mineralquelle Eptingen AG drei Quellen für die drei Mineralwassermarken «Cristallo», «Cristella» und «Saguaro» erschlossen hat? Eines Tages im März bemerkte man bei der Qualitätskontrolle im hauseigenen Labor mikrobiologische Abweichungen. Was aus der «Cristella-Quelle» sprudelte, war wohl absolut einwandfreies Trinkwasser, aber eben nicht haargenau «Cristella»-Wasser. Und es konnte somit auch nicht mehr als «Cristella» in Flaschen abgefüllt und in den Verkauf gebracht werden.

«Wir stellten einen Wassereinbruch bei der Quelle fest», erklärt Damaris Buchenhorner, Marketingchefin der Mineralquelle Eptingen AG, zu welcher der Standort Lostorf schon seit den 1930er-Jahren gehört. Nachdem auf eine längere Trockenperiode starke Regenfälle gefolgt waren, hatte sich offenbar auch eine kleine Menge «fremdes» Wasser einen Weg durch die Felsschicht gebahnt und sich an der Quellfassung mit dem unter dem Markennamen «Cristella» vertrieben Mineralwasser aus Lostorf vermischt. So etwas kann sich wiederholen, deshalb bleibt die Quelle zumindest bis auf weiteres stillgelegt. Ob sie jemals wieder für die Mineralwasserproduktion genutzt wird, sei derzeit noch offen, sagt Damaris Buchenhorner. Dazu liefen Gespräche mit Geologen und dem kantonalen Amt für Umwelt, denkbar wäre die Vergrösserung der Quellschutzzone.

Es gibt genug «Cristallo» anstelle von «Cristella»

Ein Beinbruch ist der Wegfall der einen Quelle für die Mineralquelle Eptingen AG nicht – jedenfalls nicht, wenn der Konsument mitspielt und sich bezüglich Markenpräferenz flexibel zeigt. Die Produktionskapazität in Lostorf liegt bei rund 100'000 Flaschen täglich. Aus den verbleibenden zwei Quellen sprudelt längstens genug reinstes Mineralwasser, um sie auszulasten. Insbesondere die «Cristallo-Quelle» sei sehr ergiebig, so Damaris Buchenhorner. Das Wasser der Marke «Cristallo» ist im freien Getränkehandel erhältlich, auch die Denner-Filialen werden nun damit anstelle von «Cristella» beliefert. Das Wasser aus der dritten Quelle vertreibt der Discounter Lidl exklusiv als seine Hausmarke «Saguaro». Wer nun «Cristallo» statt «Cristella» trinkt, hat daraus sicher keinen Schaden, wenn schon eher im Gegenteil: Dieses Mineralwasser wurde vom Konsumentenmagazin «K-Tipp» schon als Testsieger zum besten des Landes gekürt. Es stammt (wie auch das «Eptinger» aus dem Stammhaus, ebenfalls mit «sehr gut» bewertet) aus einer Tiefenquelle, einer der tiefsten in ganz Europa. Es gelangt aus 514 Metern Tiefe aufgrund des Eigendrucks ohne Pumpe an die Erdoberfläche und wird dort gefasst. Ein Vorkommnis wie bei der nun stillgelegten Quelle ist hier nicht zu befürchten.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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