Architektur

Modern und mit Weltflair - Einfamilienhäuser der Nachkriegszeit in der Region

Suter & Suter, Einfamilienhaus in Binningen (BL), 1960/61.

Modern Living

Suter & Suter, Einfamilienhaus in Binningen (BL), 1960/61.

Eine Ausstellung im Klingental widmet sich herausragenden Einfamilienhäusern der Nachkriegszeit in der Region.

Wohnen in der Agglomeration muss nicht immer kleinbürgerlich sein. Das zeigt ab heute eine sehenswerte Ausstellung im Museum Kleines Klingental. Die beiden Kuratoren Klaus Spechtenhauser und Michael Hanak haben sechs Beispiele für modernes, architektonisch anspruchsvolles Bauen in den Nachkriegsjahren aufgespürt. Und siehe da: Plötzlich werden die Hanglagen in Riehen, Münchenstein oder Liestal zu Orten mondänen Wohnens.

Junge Architekten bauen Wohnträume

Alle sechs gezeigten Wohngebäude stehen heute noch. Und meistens sind sie sehr gut gealtert. Sie zeugen von Bauherrschaften, die sich der Weltläufigkeit verschrieben hatten und oft junge Architekten engagierten, die ihnen ihre Wohnträume erfüllten. Die architektonischen Formen reichen von schlichten, an Ludwig Mies van der Rohe orientierten Pavillon-artigen Flachdachbauten bis hin zu sehr skulpturalen, nach aussen gerichteten Erscheinungen.

Stellvertretend für die «einfacheren» Formen steht zum Beispiel das Einfamilienhaus Sponagel in Riehen, erbaut von den Architekten Max Rasser und Tibère Vadi 1967/68, oder auch das Einfamilienhaus von Suter & Suter in Binningen (siehe Frontseite). Demgegenüber lohnt sich ein Blick auf das «Haus Vischer» in Hégenheim (F). Es wurde von den Erbauern des Basler Stadttheaters, Felix Schwarz und Rolf Gutmann, für die Basler Mäzenin und Muse Antoinette Vischer Anfang der Sechzigerjahre entworfen - und ist, wie die meisten der gezeigten Bauten, noch heute in fast ursprünglichem Zustand zu bewundern. Das geschwungene, expressive Dach des berühmten Ingenieurs Heinz Hossdorf ist fast eine Kopie «en miniature» des Stadttheaters. Bemerkenswert auch das «Einfamilienhaus Otto», welches Architekt Rolf G. Otto in Liestal für sich selbst erbaute (siehe Bild oben). Es verbindet ein leichtfüssiges Inneres aus Betonelementen mit einem Aussenraum, der zum Haus gehörig gedacht werden muss. Die Natur hat sich, so zeigt ein aktuelles Foto, in all den Jahren durch die feingliedrigen Beton-Pergolas sozusagen ins Haus hineingearbeitet.

Den historischen Fotografien der Gebäude - man wird sich wieder der grossen Qualität der Basler Fotografen Christian Baur und Peter Moeschlin gewahr - werden in der Ausstellung im Klingental Möbel und Lampen aus der Zeit beigestellt. Sie vermitteln das Gefühl der Leichtigkeit jener Zeit, sind dennoch mehr als eine Beigabe: Architekten wie Bauherren sahen die Einrichtung als integralen Teil eines Gesamtkunstwerks. Die damals trendigen Einrichtungsläden der Stadt, zum Beispiel die Boutique Danoise, lieferten dazu die Designklassiker, deren Schöpfer meist aus Skandinavien stammten.

Kulturell wichtig, aber dennoch gefährdet

Die Ausstellung «Modern Living» trägt also ein gutes Stück Zeitgeschichte ins Kleine Klingental. Sie hat aber auch eine Art erzieherischen Faktor. In Fachkreisen ist diese Epoche der Architektur zwar höchst geschätzt, längst hat auch die Denkmalpflege ein Auge darauf geworfen. Ebenso gibt es junge Architekturbüros, die sich liebevoll ihrer Erneuerung widmen. Jedoch, so führte Kurator Spechtenhauser aus, sind die massiv gestiegenen Bodenpreise der grösste Feind dieser Art Bauten. Erbengemeinschaften entschliessen sich immer wieder, die meist grossen Terrains Gewinn bringend neu zu überbauen. Welch ein Verlust!

«Modern Living»
Ausstellung im Museum Kleines Klingental. Bis 14. März 2021.

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Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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