Nachtigallenwäldeli
Eine Baracke will bleiben

Die Baracca Zermatt muss im Sommer jeweils abgebaut werden. Eigentlich. Nun soll sie bis im Frühjahr 2023 eine Dauerbewilligung erhalten.

Christian Mensch
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Baracca Zermatt steht und steht und steht.

Baracca Zermatt steht und steht und steht.

Kenneth Nars / BLZ

Das Nachtigallenwäldeli kommt nicht zur Ruhe. Lange dauerte es, bis der Park umgestaltet war, der sich vom Zoo der Birsig entlang bis zur Heuwaage erstreckt. Dann erst wurde mit schwerem Gefährt die grossen Steine der Böschung etappenweise neu drappiert. Und noch in diesem Jahr werden voraussichtlich die Bagger auffahren, um mit dem Aushub für den Bau der neuen Kuppel zu beginnen. Das Baugesuch für das private Konzertlokal mit staatlichen Proberäumen im Sous-Sol soll im Verlauf dieses Monats eingereicht werden.

Zu einer Konstante im Nachtigallenwäldeli ist dafür mittlerweile die Fonduebeiz Baracca Zermatt geworden – obwohl diese eigentlich nur als saisonales Provisorium bewilligt ist. Der zum Restaurant «Acqua» gehörende Betrieb des Gastronomen Simon Lutz hat vom Bau- und Gewerbeinspektorat die wiederkehrende Bewilligung, die Baracca jeweils von Mitte Oktober bis Mitte April zu betreiben. Danach muss sie abgebaut, eingelagert und für die nächste Saison neu aufgebaut werden.

Rekurs wir abgelehnt - und faktisch gutgeheissen

Im vergangenen Sommer blieb die Baracke jedoch stehen. Mit einer einfachen Mail teilte der Betreiber dem Kanton mit, dass er den Bau coronabedingt nicht vertragsgemäss räumen wolle oder könne. Er verwies auf die Kosten wie auch auf die Baufirma, die eine Demontage mit zehn Mann nicht leisten könne. Anfang Juni berichtete diese Zeitung über diesen Akt des zivilen Ungehorsams, was einerseits den Gastronomen fürchterlich aufregte, andererseits das Bauinspektorat gleichentags zu einer Intervention nötigte: Bis zum 23. Juni müsse er die Entfernung des Provisoriums veranlassen, sonst werde diese vom Amt kostenpflichtig verfügt.

Am 24. Juni verfügte das Amt: Die Baracca sei bis zum 16. August zu beseitigen. Dagegen legte der Gastronom Beschwerde bei der Bau- und Rekurskommission ein. Am 6. Oktober lehnte die Rekurskommission die Beschwerde ab. Theoretisch war damit die Baracke zu demontieren, praktisch durfte sie stehenbleiben, da ab dem 15. Oktober ohnehin wieder eine Bewilligung bestand.

Der Bau der neuen Kuppel als neues Argument

Auch in diesem und im nächsten Sommer soll die Baracke stehenbleiben. Dies geht aus einem aktuellen Baugesuch hervor. Im Begehren vom 18. Februar war zunächst nur von einer «ausnahmsweisen» Bewilligung» für den Sommer 2021 die Rede, in einem Tage danach verschickten Mail wird gleich um eine Bewilligung für zwei Sommer nachgesucht. Zur Begründung wird einerseits der coronabedingte finanzielle Engpass angegeben und andererseits die Bauarbeiten für die neue Kuppel. Dann sei das Nachtigallenwäldeli als Park beeinträchtigt, so dass die «Grünanlage die zonenplanerisch zugedachte Funktion» ohnehin nicht wahrnehmen könne.

Für die Baracca und ihren Betreiber ist zu hoffen, dass im Nachtigallenwäldeli noch lange gebaut wird.