Nostalgie
Ein Radio, wie aus der Zeit gefallen

Die technischen Mittel stammen aus der Gegenwart, das Programm aus der Vergangenheit. Happy Radio ist ein neues Basler Lokalradio, das so tönen soll, wie früher ein Lokalradio tönte.

Christian Mensch
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Ein Logo wie das Programm: mit derbem Charme.

Ein Logo wie das Programm: mit derbem Charme.

zvg/Happy Radio

Ab dem 1. August erhält die Region Basel ein neues Lokalradio. Happy Radio nimmt den ordentlichen Sendebetrieb auf und wird auf DAB+ zu empfangen sein. Programmleiter Dani Schindler kehrt damit zu seinen Wurzeln als Radiomacher zurück, wenn vorerst auch als eine umfassende Freizeitbeschäftigung.

Happy Radio ist für die Generation der «Ü40» und «Ü50» gedacht, mit einem rockigen Musikteppich und spärlichen Moderationen, deren Hauptthema wiederum die Musik sein wird. Live gehen die Moderatoren am Morgen und am Vorabend auf Sendung, Zuweilen auch mit Music-Specials am Abend. Den Rest liefert zeitversetzt produziert oder vorkonfektioniert der Computer.

Radiobetrieb aus dem Rucksack

Die neuen technischen Möglichkeiten machen es möglich, dass trotz minimales finanziellen und personellen Aufwands ein 7-Tages-und-24-Stunden-Programm gesendet werden kann. Ein Studio braucht es nicht. Eine stabile Internetverbindung, Laptop und Mikrofon genügen, um auf Sendung zu gehen. Zu empfangen ist der Sender mit DAB+-Empfängern in beiden Basel, im Schwarzbubenland und im Fricktal.

Schindler ist beim ehemaligen Baselbieter Lokalsender Radio Raurach (später: Radio Edelweiss) in den Journalismus eingestiegen. Von diesen Zeiten redet er, wenn er über sein aktuelles Projekt spricht. Happy Radio ist nicht für den journalistischen Tiefgang ausgelegt. Musik und Moderatoren sollen die Hörer unterhalten, aber dennoch nicht wie heute üblich auf reines Gefallen optimiert sein. Die Sender seien mittlerweile alle auf «Durchhörbarkeit» getrimmt, sagt Schindler. Kein Nutzer soll durch längere Wortbeiträge verloren gehen oder durch ungewohnte Rhythmen zum Umschalten verleitet werden. Doch dies führe unweigerlich dazu, dass sich die Programme immer gleich anhörten.

Nicht ohne Ambitionen

Schindler sagt, ein Wortbeitrag sei auch mit zehn Sekunden zu lange, wenn er langweilig sei. Wenn ein spannendes Gespräch zu Stande komme, könne dies aber auch dauern. Auf das breite Publikum aspiriert Schindler aber ohnehin nicht; «wir werden keine Konkurrenz für Basilisk und Energy sein». Doch ohne Ambition ist er ebenfalls nicht. Wenn bei den regionalen Platzhirschen täglich rund 100'000 Hörerin und Hörer einschalten, hofft er mit der Zeit doch auf 20'000 bis 30'000 Einschaltungen. «Und wenn es weniger sind, dann sind es eben weniger», sagt Schindler.

Täglich frühmorgens, jeweils vor seiner Brotarbeit als Sprecher des Erdöl-Verbandes, wird Schindler ab August auf dem Sender zu hören sein. Ferien sind vorerst keine geplant. Alte Vertraute aus «Raurach»-Zeiten werden später am Sender zu hören zu sein, die «Station Voice» ist Schindlers ebenfalls «Raurach»-erprobte Ehefrau.

Ein Projekt aus der Not der Pandemie

Getragen wird der Sender von einem gleichnamigen Verein. Dieser ist nicht gewinnorientiert, doch Einnahmen aus Werbung und Sponsoring sollen die Ausgaben decken. Eine Konzession für den Sendebetrieb braucht Happy Radio nicht, eine Meldung an das Bundesamt für Kommunikation genügte und diese wurde gemacht.

Präsidiert wird der Verein vom Technikfachmann Max Diggelmann, einem engen Freund Schindlers. Er sei es gewesen, der im ersten Lockdown den Anstoss gegeben habe, das Radioprojekt anzupacken, sagt Schindler. Freitag für Freitag hätten sie daraufhin für die Zuhausebleibenden Radio-Partys über Webstream verbreitet. Hörer hätten daraufhin angefragt, ob aus den sporadischen Sendungen nicht ein Programm werden könne. Schindler liess sich dazu nicht zweimal auffordern.

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