Rutschmadame
Adieu, toxische Grättimänner!

Woche für Woche nimmt die Rutschmadame das regionale Geschehen aus dem Blickwinkel des nahen Elsass aufs Korn. Heute: die Grättimänner.

Martina Rutschmann
Martina Rutschmann
Drucken
Ein Hefewesen mit zwei Beinen: der Grättimann.

Ein Hefewesen mit zwei Beinen: der Grättimann.

Manuela Jans-Koch / «Neue Luzerner Zeitung»

Über alles empören sie sich. Nur den Grättimann nehmen sie hin. Was gibt es Männlicheres? Breitbeinig stiehlt er Silserli und Gipfeli die Show, die Arme in die unförmige Hüfte gestützt. Alle reissen sich um ihn, niemand verurteilt sein Macho-Gehabe!

Statt den Grättimann zum sexistischen Feind auszurufen, reiten linksextreme Kreise auf den jungfräulichen Zofingern rum. Diese Studentenverbindung besteht aus Buben, die auf dem Weg zum Mannsein Lieder singen und lustig sind. Die Extremen fühlen sich durch diese Zusammenrottung derart provoziert, dass sie die Zofinger als «sexistische Kackscheisse» bekämpfen.

Neulich kam es gar zu einem Polizeieinsatz, als die Zofinger zum «Dies Academicus» ein Tänzchen aufführten. Gleichzeitig laufen die Öfen heiss, manchmal sind es auch Grätti­frauen. Macht es das besser? Nein! Frauen geben dem Nachwuchs diese altertümliche Tradition gezielt weiter, indem sie das Patriarchat in selbstgeknetete Höchstform aufgehen lassen! Schluss mit dieser toxischen Menschlichkeit!

Der Mensch hat ausgedient, das macht die Grättimann-Machtdemonstration deutlich. Im Zuckermantel einer angeblichen Tradition werden andere Lebewesen ausgegrenzt. Was ist mit dem Oktopus? Grossbritannien hat es erkannt und befördert ihn auf die Liste der fühlenden Wesen. Ausgerechnet die Monarchie tut, was weltweit überfällig wäre! Während wir Schlange stehen für Hefewesen mit zwei Beinen.

Was ist mit all den Vierbeinern, oder den sechsbeinigen Käfern? Warum landen sie nicht als Grättitiere in unseren gesättigten Wohlstandsmägen? Und wer sagt uns, dass Pflanzen nicht auch fühlen? Liebevoll habt Ihr im Herbst Wurzeln eingebuddelt, um im März Schneeglöckchen spriessen zu sehen. Warum lasst Ihr nicht mal das Schneeglöckchen in Eurem Ofen aufgehen? Es hätte es verdient.

Bevor Ihr aber mit dem Backen beginnt, lasst Euch gesagt sein, dass das Schneeglöckchen toxisch ist. Vielleicht toxischer als alle Zofinger zusammen. Und seien wir ehrlich: Wäre nicht Advent, würden wir uns solche Gedanken gar nicht machen. Also backt weiter. Aber setzt den Grättimännern wenigstens einen Studentenhut auf. Den Ranzen könnt Ihr Euch sparen. Den bekommen Zofinger erst, wenn sie nicht mehr tanzen.

Aktuelle Nachrichten