«Rettet die Rütihard»

Salzabbau-Gegner feiern ihren Sieg – und setzen sich neue Ziele

Muttenz

Naherholungsgebiet Rütihard

Muttenz

Die Chancen, dass in Muttenz künftig Windräder drehen, stehen nicht schlecht. Bohrtürme zum Salzabbau hingegen wird es mindestens die nächsten 20 Jahre keine geben. Am Dienstagabend feierte die IG «Rettet die Rütihard» die von der Schweizer Salinen AG Ende Juni beschlossene Sistierung des dortigen Salzbohrungsprojekts. «Ich war in Frankreich am Malen, als der Anruf kam», erzählt Thomas Abel und blickt amüsiert in die Runde. Der Moment, auf den der IG-Präsident und seine Mitstreiter so hingefiebert hatten, sei unerwartet früh gekommen. «Wir haben es geschafft», meint Abel und erhält laute Zustimmung von den zahlreichen Anwesenden im Muttenzer Kirchgemeindezentrum. Über die Gründe und die Akteure im Hintergrund des schnellen Umschwenkens wurde viel spekuliert. Die Geschäftsleitung der Schweizer Salinen habe wohl ihre rosarote Brille abgelegt und gemerkt, dass es durchaus Alternativen zur Rütihard gebe, scherzt Abel zynisch. «Es gibt weitere Standorte, wo ein erhebliches Salzvorkommen vermutet wird», betont er. Umso mehr wolle man die Rütihard – als nächstes Ziel der IG – aus dem Konzessionsgebiet lösen, betont eines der Mitglieder kämpferisch. Die Stimmung ist euphorisch, überlegen und ähnlich emotional wie bereits der über zwei Jahre dauernde Widerstand. Dennoch bleiben für die IGler viele Fragen offen.

«Widersprüchlich» und «undurchsichtig» hätten sich die Verantwortlichen der Salinen im Dialogprozess verhalten, sagt Abel, der eine der Folien seiner Präsentation als «Salzmärchen» betitelt. Auf die Vorwürfe der IG angesprochen, dementiert der Geschäftsführer Urs Hofmeier gestern gegenüber der bz vehement: «Wir gaben ihnen im Rahmen des Dialogprozesses mehr Informationen als jedem anderen», betont Hofmeier, der die Salinen AG als äusserst offen beschreibt. Die hohe Emotionalität, mit der über die Rütihard debattiert wurde, und das damit verbundene unternehmerische Risiko hätten den Verwaltungsrat dazu bewogen, sich von der Rütihard zurückzuziehen. Allerdings nur für die nächsten 20 Jahre.

«Dann steht bereits die nächste Generation bereit, um für die Rütihard zu kämpfen», sagt Abel und projiziert ein Bild des jüngsten IG-Mitglieds auf die Leinwand – die achtwöchige Enkelin von Rütihard-Landwirt Ruedi Brunner. «Viel Ärger» hätte ihm der Salzabbau bereitet, betont dieser, der für die IG viele Nachtschichten einlegte und beschlossen hat, 2021 auf Biobetrieb umzustellen.

Der Renaturierung der Rütihard sind Grenzen gesetzt

«Doch wie geht es nun mit der Rütihard weiter», fragt Gastredner Paul Imbeck-Löffler und kommentiert die angedachten Renaturierungsschritte. «Die Rütihard interessiert die Menschen so, wie sie ist», sagt ein IG-Mitglied. «In die Obstbestände kann investiert oder an einzelnen Stellen renaturiert werden», sagt Löffler. Allerdings seien der Renaturierung auf Höhe der Hundeschule sowie bei den Feuerstellen und durch die diagonal verlaufenden Wege auch Grenzen gesetzt. Löffler, der früher die kantonale Fachstelle für Natur und Landschaft geleitet hat, räumt ein, dass die Einteilung der Rütihard in das Konzessionsgebiet wohl über seinen Tisch lief. «Ich war mir damals noch nicht bewusst, wie schützenswert das Gebiet ist», meint er heute. Die Rütihard sei ein Kraftort für das dicht besiedelte Muttenz, das mittlerweile aus einem «Meer aus Häusern» bestehe.

Die IG bedankte sich bei Löffler mit einem Honig. Dieser stammt vom sichtlich gerührten Imker Hansueli: «20 Meter von meinem Bienenstock hätten sie gebohrt», sagt er und erzählt, wie er mitgelitten habe. Die IGler sind sich jedenfalls sicher, dass sie den Erfolg ihren ideellen Zielen und der positiven Emotionalität ihrer Petition zu verdanken haben. Demnächst soll ein «Mutmachfilm» für andere Volksbewegungen erscheinen.

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