50 Jahre Galerie von Bartha

Stefan von Bartha feiert mit seiner Galerie ein Jubiläum

Stefan von Bartha im Interview mit der bz.

Stefan von Bartha im Interview mit der bz.

1970 wurde die Galerie von Bartha in Basel gegründet. Ihr Leiter blickt auf die Geschichte zurück und wagt einen Ausblick auf die Zeit nach dem Coronavirus.

Herr von Bartha, wann waren Sie das erste Mal an der Art Basel?

Stefan von Bartha: Ich darf mit Stolz sagen, dass ich als fünf ­Wochen altes Baby erstmals dort war, 1981. Meine Eltern betrieben die Galerie damals gemeinsam und hatten keinen Babysitter. Es gibt ein Foto von mir, auf dem ich im Körbchen unter dem Tisch zu sehen bin. Seither war ich jedes Jahr da. Bis dreizehn wusste ich: In dieser Woche herrscht immer grosse Aufregung. Dann wurde mir klar, dass das die beste Woche für Partys ist. Später arbeitete ich für andere Galerien an der Art, und seit ich die unsrige ­führe, bedeutet die Messe vor allem viel Arbeit.

Wie sind denn Ihre Eltern zur Kunst gekommen?

Sie haben sich in Basel an der Grafikfachklasse von Armin Hofmann kennen gelernt, sich verliebt, rasch geheiratet und versucht als Grafiker Fuss zu fassen. Kommerziell hat das aber nicht funktioniert. Über meine Tante lernten sie Carl Laszlo kennen, den Kunstsammler, Psychoanalytiker und Autor. In seinem Wohnzimmer haben die ersten Sitzungen zur Gründung der Art Basel stattgefunden. Laszlo hat meine Eltern dazu animiert, eine Galerie zu gründen. Anfangs hiess die Galerie Minimax. Bald hat sich aber herausgestellt, dass ein Feuer­löscherhersteller und eine Unterwäschelinie ebenfalls so heissen. Seitdem heisst die Galerie von Bartha.

Hat in ihrer Biografie irgendein Weg an der Kunstszene vorbeigeführt?

Ich habe es versucht… (lacht)

Der klassische Ausbruchs­versuch…

Ja, den gab es. Mit 16 Jahren interessierte ich mich sehr stark für Vintage-­Design und versuchte, Design­ausstellungen zu organisieren. Nach meiner grauenvollen schulischen Karriere hab ich immer wieder bei meinen Eltern gearbeitet, aber weder in der Kunst noch im Design fand ich meine Rolle. Das änderte sich, als ich ein dreimonatiges Mini-­Studium bei Christie’s Education in New York absolvierte. Ich fühlte mich damals, mit 22, sehr unwohl, fand alles uncool, wusste nicht, was mit der Stadt anfangen. Da besuchte ich die Museen und entdeckte: Die Kunst ist es doch – aber nicht einfach als Kopie dessen, was meine ­Eltern machten.

Hätte die Galerie überlebt, wenn Sie Ihre Eltern kopiert hätten?

Nein. Meine Eltern haben eine sehr starke visuelle Identität für die Galerie aufgebaut. Sie haben trotz aller Krisen überlebt, waren unglaublich innovativ. Vor 20 Jahren haben sie sich getrennt, sind beide aber immer noch Teil der Galerie und befreundet. Das war in einer Phase, als sich die Kunstwelt stark veränderte. Seit damals braucht eine mittel­grosse Galerie ein Team und auch jüngere Mitarbeiter, die andere Netzwerke einbringen.

Was sind Ihre Kriterien, um zeitgenössische Künstler auszustellen?

Es ist immer ein sehr persönlicher Entscheidungsweg. Das habe ich von meinen Eltern übernommen. Wenn ich etwas sehe, das mich interessiert, versuche ich die Künstlerin oder den Künstler kennen zu lernen. Erst wenn ich sicher bin, dass wir zusammen funktionieren, überlege ich mir eine Zusammenarbeit.

Ihre Eltern konnten noch Kunstkontinente entdecken, wie die ungarische oder argentinische Avantgarde. Gibt es so etwas heute noch?

Nein, das gibt es nicht mehr. Man kann in der zeitgenössischen Kunst immer noch viel entdecken, aber nicht eine ­ganze Kunstrichtung, wie meine Eltern das mit südamerikanischer Kunst konnten. Das war damals aber ein lang­samer Prozess. Heute bewegt sich der Markt so schnell, dass dafür keine Zeit ist. Vor ein paar Jahren entdeckte man beispielsweise Kuba. Und blitzschnell waren in New York Dutzende Ausstellungen zum Thema zu sehen. Das sind gefährliche Dynamiken.

Ist der Kunstmarkt überhitzt?

Das hört man oft. Ich glaub jedoch, «überhitzt» ist das falsche Wort. Die Rolle der Kunst wurde wahnsinnig stark verfälscht in den letzten Jahren – leider. Es geht nicht mehr um inhaltliche Themen. Wir sind auch Teil ­dieser Entwicklung: Auch wir verkaufen manchmal Werke, im Wissen darum, dass sie in einem Lager landen. Wirklich toll ist es aber nur, wenn ein Kunde ein Kunstwerk und seine Bedeutung für sich persönlich entdeckt.­

Gibt es den klassischen Sammler nicht mehr?

Der ist leider am Aussterben. Mein Vater sagte jüngst in einem Interview, er würde gerne wieder mal einen richtigen Sammler kennen lernen. Das tönt polemisch, hat aber seine Richtigkeit. Wir haben das grosse Glück, dass wir jüngere Sammler kennen lernen durften, die sich für Kunst begeistern können. Viel zu viele Leute sehen ihre Wohnwand mit Kunst als eine Aufzählung von Namen und Preisen, anstatt dass sie diese als eine Erzählung begreifen. Dass ist sehr schade.

Was können Sie dagegen tun?

Wir sind glücklicherweise keine Blue-Chip-Galerie, bei uns sehen sie keinen Warhol oder Basquiat. Unsere hochpreisigen Werke sind anders. Nehmen sie jenen Richard Paul Lohse dort drüben. Den finden Kenner fantastisch. Der normale Kunst­betrachter staunt jedoch über den Preis und findet wohl, er könnte das auch selber malen. Leute, die Kunst nur als Investitionsanlage sehen, holen wir damit nicht ab.

Aber die grossen internationalen Galerien und Auktionshäuser bestimmen den Markt. Die mittleren und kleinen Player haben zusehends Mühe. Was ist ihre Strategie?

Die grossen Player sind sehr gut in dem, was sie machen. Aber im Moment möchte ich nicht in deren Haut stecken. Es geht vor allem um Haltung. Es ist doch falsch, nur darüber zu klagen, dass die Grossen uns alles wegnehmen. Viel zu viele mittel­grosse Galerien kopieren sich. Es fehlt an Innovationen. Wir sollten die kulturelle Bedeutung von Kunst mehr thematisieren. Es geht ja nicht nur um das sichtbare Werk. Es geht auch darum, den Künstler zu kennen, seinen Hintergrund, seine Technik und Referenzen. Nur so kommen wir zu differenzierten Meinungen.

Wer sind ihre Kunden und woher kommen sie?

Als ich angefangen habe, gab es einen klar definierten Kunden­kreis, sehr international. Basler machten etwas 0,2 Prozent des Jahresumsatzes aus. Das sieht heute anders aus. Wir haben Kunden aus allen Generationen, vor allem aus Europa und den USA. Wir haben es geschafft, dass auch Junge ältere Werke kaufen und der Anteil der Basler Sammler sehr gestiegen ist.

Stefan von Bartha in seiner Galerie.

Stefan von Bartha in seiner Galerie.

Ihre Galerie hat etwas von einem UFO. Sie wirkt an ihrem Standort sehr kosmopolitisch. Haben Sie das Gefühl, Sie sind in der Provinz mit Ihrer Galerie?

Nein. Es war ein Glücksfall, dass wir dieses Gebäude kaufen konnten, obwohl die Ausstellungsfläche eine Herausforderung ist. Damals festigte sich unser Selbstverständnis als Basler Galerie. Wir haben unseren Erfolg und vieles andere dieser Stadt zu verdanken. Zu Beginn sagten viele, an diesem Standort kannst Du es vergessen. Aber der Kannenfeldplatz hat in den letzten 15 Jahren eine andere ­Bedeutung im städtischen Raum gewonnen. Der Standort hat sich bewährt. Die Künstler sind begeistert, wenn sie die Räume sehen.

Profitieren Sie vom Standort Basel?

Basel ist in der internationalen Kunstszene ein brand, eine Marke. Alle unsere Institutionen – die Fondation Beyeler, die Art Basel – tragen dazu bei.

Über die Krise der Messe und die Coronakrise wird jedoch klar, dass dieser brand nicht in Stein gemeisselt ist. Ist es nicht alarmierend, dass voraussichtlich auch die Art 2021 nicht stattfinden wird?

Für die kommerziellen Galerien ist dies eine Katastrophe. Wir haben dieses Jahr noch die Messe in Genf gemacht, als ­bereits einige wenige von einem Virus sprachen. Ende Februar waren wir in New York an der Armory Show. Und da ging während der Messe quasi die Welt unter. Schon damals dachten wir, dass dieses Jahr nichts wird aus der Art Basel. Es brauchte ein paar Wochen Krisenmanagement, um zum Schluss zu kommen, dass wir unser Jubiläum trotzdem feiern und am ­Leben bleiben wollen. Bis jetzt haben wir davon profitiert, dass wir viele unserer Sammler schon lange kennen. Da kam viel Support, und wir hoffen, dass dies noch eine Weile so bleibt. Galerien, die ihren Jahres­umsatz an fünf bis sieben internationalen Messen machen, haben derzeit ein viel grösseres Problem.

Wie gross sind die Verluste?

Wir werden alle sehr viel weniger Geld verdienen. Aber wir alle haben vorher ja auch gut verdient. Wer in den guten Zeiten nichts auf die Seite gelegt hat, war naiv. Wir haben damit gerechnet, dass jederzeit eine Wirtschaftskrise kommen kann. Zu unserer Überraschung merken wir, dass nur wenige so ­gedacht und gehandelt haben. Viele Galerien und auch Künstler sind am Kämpfen. Aber, um die Relation zu wahren, wir reden hier über die Sorgen im Luxus­segment. In anderen ­Bereichen und für andere Menschen ist diese Krise viel dramatischer.

Und wie geht es mit der Art Basel weiter?

Ich mache mir keine Sorgen um den brand. Wir sehen jetzt ja, dass eine solche Messe nicht ­digital ersetzt werden kann. Die Art Basel ist für sehr viele Leute ein derart wichtiger Termin in der Agenda, es passiert so viel Unerwartetes und Tolles hier. Das wird bleiben, auch wenn jetzt zwei, drei schwierige Jahre kommen. Auch wenn ich noch nicht durchschaue, was genau der Plan der Art Basel ist. Sie wird künftig vielleicht auch in etwas anderer Form stattfinden. Ob die Leute allerdings wieder so viel kaufen werden wir vor der Krise, das bezweifle ich.

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