Architektur

Streng, zwiespältig, banal: Buch wirft Blick auf die Werke der Basler Architekten Diener & Diener

Ein neuer Band wirft einen Blick auf die Wohnbauten der Basler Architekten Diener & Diener. Dabei stellt sich stets die Frage: Ist diese Architektur grossartig banal? Oder schlicht und einfach banal?

Der Basler Marcus Diener baute nach dem Zweiten Weltkrieg in seiner Heimatstadt und in der Agglomeration Tausende von Wohnungen. In Dutzenden von Wohnblöcken und als politisch links Denkender sehr oft für Genossenschaften. Viele der Gebäude stehen heute noch. Stilbildend war Diener, der von 1918 bis 1999 lebte, mit seiner Arbeit nicht, eher zeitgemäss pragmatisch. Entsprechend fallen die Häuser heute niemandem als «Autoren-Architektur» auf.

Bei seinem Sohn Roger, geboren 1950, werden zumindest die grossen Werke zum Kanon der bemerkens- und lobenswerten Gegenwartsarchitektur gezählt, allen anderen Werken voran die markante Erweiterung der Schweizer Botschaft in Berlin. Seit 1980 führt er das von seinem Vater gegründete Büro in Basel weiter. Nun wirft ein neues Buch einen Blick auf seine Wohnbauten. Eine Mehrheit von ihnen hat Roger Diener, der im vergangenen Jahr mit dem Basler Kulturpreis ausgezeichnet wurde, in seiner Heimatstadt errichtet.

«Eine Architektur, die aussieht, als sei sie schon immer da gewesen»

Einer der Buchautoren beginnt seine Gedankenspielerei zu den Wohnbauten von Diener & Diener mit folgenden Worten: «Es ist eine Architektur, die aussieht, als sei sie schon immer da gewesen, so sehr ist sie Teil unseres Alltags. Der gewöhnliche und mit Absicht banale Ausdruck von manchen der Wohnbauten der 1980er- und 1990er-Jahre muss nicht mehr nachgewiesen werden.»

Tatsächlich begleitet einen bei der Betrachtung der zehn Wohnbauten, die Roger Diener in Basel gebaut hat, ständig die Frage: Ist diese Architektur grossartig banal? Oder schlicht und einfach banal? Bei einem Gebäude wie dem Apartmenthaus an der Schönaustrasse (Bild 1) oder dem Wohnhochhaus auf dem Areal der ehemaligen Stückfärberei fällt die Antwort ohne Zweifel zu Ungunsten des Architekten aus und man kann nur hoffen, dass diese Gebäude in nicht allzu ferner Zukunft durch kluge, durchdachte Neubauten ersetzt werden.

Uneindeutig, aber auch grossartig

Die Kategorie der uneindeutig zu qualifizierenden Bauten beginnt mit dem Wohnhaus mit Bank am Burgfelderplatz (Bild 3), das mit seinem Dachgeschoss auf eine schräge Art postmodern wirkt sowie dem Warteckhof (Bild 2), dessen Qualität sich eher in der dezenten Zurücknahme gegenüber der alten Brauerei findet. Werden diese Gebäude einst den Test der Zeit bestehen? Und was ist mit dem Markthallen-Turm und den Wohnhäusern im St. Alban-Tal, gleich beim Letziturm? Diener & Diener sind, man könnte es so formulieren, Meister der geschmacklichen und architektonischen Ambivalenz.

Ganz eindeutig zu den Spitzenbauten hingegen gezählt werden dürfen hingegen ein Wohnhaus an der Allschwilerstrasse, das sich gleich am Graben der Elsässerbahn befindet, und natürlich die mittlerweile legendäre Wohnbebauung an der Hammerstrasse (Bild 4). Dieses Frühwerk von Roger Diener aus den Jahren 1978 bis 1981 wird mit den Jahren immer spannender und, so erweist es sich, im architektonischen Ausdruck und den vielen Formen und Materialien, immer wegweisender.

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Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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