Verkehr

Studie zur Verkehrssicherheit: Nicht nur das Pannenkonzept muss angepasst werden

Die Taskforce Anti-Stau Baselland hat seit 2004 den Auftrag, die Verkehrssituation im Kanton zu verbessern. (Themenbild).

Die Taskforce Anti-Stau Baselland hat seit 2004 den Auftrag, die Verkehrssituation im Kanton zu verbessern. (Themenbild).

Stauzeiten vermindern und Sicherheit erhöhen: Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz erkennt Mängel beim Ereignismanagement auf Hochleistungsstrassen – und listet auf, wo Optimierungspotenzial vorhanden ist.

Ein effizienteres Konzept beim Pannendienst und eine bessere Videoüberwachung von neuralgischen Verkehrspunkten sollen dazu beitragen, auf Baselbieter Hochleistungsstrassen die Stauzeiten zu vermindern und die Sicherheit zu erhöhen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), welche die Taskforce Anti-Stau des Kantons in Auftrag gegeben hat (bz vom Freitag). Sie empfiehlt zudem, die Verkehrsteilnehmenden für Unfallprävention und Verhalten bei Unfällen vermehrt zu sensibilisieren.

Das über 20-jährige «Abschleppkonzept für die Polizei Basel-Landschaft» erweist sich laut Studie als hinderlich, weil es das Erstaufgebot von passenden Mitteln für die Unfallräumung einschränkt. Es entspricht den heutigen Gegebenheiten nicht mehr; der technische Fortschritt und das stärkere Verkehrsaufkommen bedingen fachlich höhere Anforderungen. «Beim Pannendienst zählt jede Minute», erklärt Christoph Buser, der die Taskforce Anti-Stau präsidiert. Es müsse frühzeitig informiert und aufgeboten werden. Dem stehe das bestehende Konzept im Weg.

Die an der FHNW-Studie beteiligen Fachleute schlagen vor, das Abschleppwesen auszuschreiben und wirkungsvoller zu organisieren. Gemäss Buser wird eine kurzfristige Änderung aber nicht machbar sein, weil das existierende Pannenkonzept zuerst angepasst werden muss. «Mittelfristig sollte der Pannendienst jedoch an Qualitätskriterien orientiert ausgeschrieben werden – wie in Basel-Stadt.» Hierzu sei auch die Polizei gefordert, die Systemänderung so schnell wie möglich zu realisieren, fordert Christoph Buser und meint, dass die Wahl des aufzubietenden Pannendienstes in der Hoheit der Polizei liegen sollte.

In einem nächsten Schritt wird den Abschleppunternehmen in der Region anlässlich eines Informationsanlasses die Studie vorgestellt. Anschliessend initiiert die Baselbieter Polizei die Ausschreibung.

Forscher haben «sehr gute» Arbeit geleistet

Bei der Erstbeurteilung von Ereignissen auf Autobahnen und Autostrassen sind Kamerabilder wichtig. Auch für Feuerwehr, Sanität und Pannendienste ist der Zugriff auf solche Fotos von Belang, damit die notwendigen Ressourcen von Beginn weg aufgeboten werden können. Deshalb empfehlen die Studienverfasser, Möglichkeiten für den Kamerabildzugriff aller beteiligter Organisationen, für den Einsatz von schwenkbaren Kameras und für die Planung der bereits vorgeschlagenen neuen Kamerastandorte zu prüfen.

Im Verhalten der Verkehrsteilnehmenden macht die Studie grosses Potenzial aus. Die mit der Informationskampagne erreichten Verbesserungen bei der Bildung von Rettungsgassen bestätigten dies. Es bestehe jedoch weiterhin Bedarf nach Aufklärung und Schulung bei Themen wie Ablenkung, Gaffen, Fahrverhalten und Verständnis für die Abläufe des Ereignismanagements.

Zum vorliegenden Papier der Fachhochschule sagt der Präsident der Taskforce Anti-Stau: «Es war uns wichtig, eine Studie in Auftrag zu geben, die aus wissenschaftlicher Perspektive Schwachstellen identifiziert oder Verbesserungspotenzial ermittelt.» Die FHNW und die beteiligen Forscherinnen und Forscher hätten «sehr gute» Arbeit geleistet.

Die Taskforce Anti-Stau Baselland hat seit 2004 als regierungsrätliches Gremium den Auftrag, zusammen mit Polizei und Verkehrsexperten dazu beizutragen, die Verkehrssituation im Kanton zu verbessern. Jährlich gibt es eine Analyse zu Stausituation und Verkehrsbedingungen. Weiter prüft die Taskforce stets neue Mobilitätskonzepte wie Park&Ride, Carpooling und Mobility Pricing und erarbeitet Vorschläge für die Regierung.

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