Präsi-Wahlen

«Unruhe», «Machtmissbrauch», «Politische Spielchen»: In Röschenz heizen Leserbriefe den Wahlkampf an

«Ehrlich gesagt tut es schon weh, so etwas zu lesen»: Remo Oser über kritische Leserbriefe.

«Ehrlich gesagt tut es schon weh, so etwas zu lesen»: Remo Oser über kritische Leserbriefe.

Am 28. Juni wird in Röschenz der neue Präsident gewählt. Dabei wird der bisherige Amtsinhaber Remo Oser (CVP) vom Gemeinderat und Kirchenratspräsident Holger Wahl (Freie Wähler) herausgefordert. Erstaunlich emotional wird nun der Wahlkampf geführt, wobei vor allem die Führungsqualitäten von Oser in Frage gestellt werden.

Die Chancen von Holger Wahl stehen nicht schlecht, denn dieser konnte bei den Gemeinderatswahlen im Februar 2020 das beste persönliche Ergebnis erzielen.

Auf seinem öffentlichen Onlineblog mattegumper.ch erklärt Wahl, dass er der Gemeinde mit seiner Kandidatur eine echte Auswahl bieten wolle. Ihm fehlt es zudem auch an Zusammenhalt in der politischen Gemeinde, wie er in seinem Onlineauftritt schreibt.

Öffentliche Debatte wird emotional und persönlich

Aber nicht nur die beiden Kandidaten, Holger Wahl und Remo Oser, geben Gas, sondern vor allem auch Röschenzer Wähler. Von den acht veröffentlichten Leserbriefen im «Wochenblatt» vom letzten Donnerstag, thematisieren davon ganze sechs die kommende Präsidiumswahl. Auf Fairness bedacht, veröffentlichte das «Wochenblatt» jeweils drei Briefe für jeden Kandidaten. Darunter auch die von drei amtierenden Gemeinderäten. Auffallend persönlich werden dort die Urteile der Kritiker und zeigen die Aggression der Diskussion, die um die Person Oser entflammt ist.

Oser bringe durch politische Machtspiele Unruhe in den Rat, lautet ein Vorwurf. Gemeinderat Erhard Keist (ehemals CVP, nun Freie Wähler) wechselte gemäss eigenen Aussagen gar die Partei: «Ich konnte und wollte nicht weiter die Art und Weise unterstützen, mit der Remo Oser den Gemeinderat und die CVP für seine persönlichen und politischen Ziele missbraucht».

Auch Gemeinderätin Jacqueline Wunderer (SVP) meldet sich schriftlich zu Wort und kritisiert das Misstrauen und die politischen Spielchen, die den Gemeinderat blockieren würden.

Andere hingegen loben Osers Erfahrung und Souveränität. So auch Gemeinderat Ernst Mani (CVP), der Oser als umsichtigen, konstruktiven und speditiven Gemeindepräsident mit überzeugendem Leistungsausweis beschreibt.

Zu den kritischen Leserbriefen meint Oser: «Ehrlich gesagt tut es schon weh, so etwas zu lesen, aber wer keine sachlichen Argumente hat, operiert mit haltlosen Anfeindungen». Er wolle durch seine bisherige Arbeit und konkreten Projekte überzeugen, dementsprechend sei er zuversichtlich gestimmt, erklärt er der bz.

Nur einer von sechs Leserbriefen handelt von Wahl

Auch wenn die Fronten ausgeglichen sind, wird nur in einem einzigen der sechs Leserbriefe wirklich Wahl und dessen Anliegen thematisiert. Die anderen fünf diskutieren die Vor- und Nachteile von Gemeindepräsident Oser.

Herausforderer Wahl sieht das ähnlich: «Von der Zielsetzung sind wir nicht so weit auseinander, aber die Art und Weise der Umsetzung unterscheidet sich», erklärt er. Es handelt sich hier somit nicht um eine politisch richtungsweisende Wahl, sondern die Persönlichkeit und der individuelle Führungsstil der Kandidierenden steht im Vordergrund.

Dennoch stehen beide Kandidaten der Zukunft des Gemeinderates zuversichtlich gegenüber. Auf Fragen nach der zukünftigen Zusammenarbeit antwortet Wahl: «Wir haben grundsätzlich ein gutes Verhältnis, ich mache mir da keine Sorgen.»

Ganz gleich wie die Wahl ausfallen wird, kann Röschenz also mit einem funktionierenden Gemeinderat rechnen.

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