Basel

Weisses Gold ist dringend gesucht – weshalb der Schweiz das eigene Salz auszugehen droht

In Muttenz geht das Salz zur Neige. Jetzt wollen die Salinen woanders Vorkommen ausbeuten.

In Muttenz geht das Salz zur Neige. Jetzt wollen die Salinen woanders Vorkommen ausbeuten.

Nach dem Wegfall der Muttenzer Rütihard brauchen die Salinen rasch Ersatz – und setzten jetzt auf Frenkendorf. Spätestens ab 2025 entsteht eine Versorgungslücke – was in der Zeitrechnung der Salzförderung bereits morgen bedeutet.

Der Schweiz droht das Salz auszugehen, das eigene Salz. Die Zeit drängt: Die Schweizer Salinen brauchen Ersatz für das gescheiterte Projekt unter der Muttenzer Rütihard. Die Versorgungslücke entsteht spätestens ab 2025 – in der Zeitrechnung der Salzförderung ist das bereits morgen. Das Unternehmen ist unter Hochdruck daran, Alternativen zu finden. Bislang standen im Baselbiet mögliche Abbaugebiete in Liestal und in Arisdorf im Fokus. Doch die Salinen haben jetzt ihr Augenmerk auf eine weitere Gemeinde geworfen: Frenkendorf.

Der Gemeinderat hat den Salinen die Erlaubnis erteilt, seismische Messungen durchzuführen. Dabei werden Vibrationen erzeugt. Sensoren zeichnen die Wellen auf. Die Art, wie die Wellen zurückgeworfen werden, lassen Rückschlüsse zu, wo sich Salzvorkommen befinden und ob sich der Abbau lohnt.

Mitarbeiter spüren mit Vibrationen Salz auf

Dass es unter Frenkendorf Salz gibt, ist bekannt. Die grössten Flösse dürften im Talkessel und somit unter Siedlungsgebiet liegen. Hier wäre ein Abbau wohl zu aufwändig und zu risikoreich. Darum konzentrieren sich die Salinen derzeit auf unbebaute Hänge im Süden der Gemeinde, rund um das Gebiet Rüti.

«Die Mitarbeiter der Salinen sind mit einem Messfahrzeug samt Vibrationsplatte unterwegs», sagt Frenkendorfs Gemeindeverwalter Thomas Schaub. «Die Platte wird nach gewissen Abständen abgelegt und aktiviert. Je nach dem, wie die Wellen zurückgeworfen werden, ergibt sich ein anderes Bild des Untergrunds.»

Für die Salinen ist es auch deshalb eminent wichtig, neue Abbaugebiete zu finden, weil ihre Konzession mit dem Kanton Baselland 2025 ausläuft. Im verlängerten Vertrag sollten alle neuen Gebiete umrissen sein.

Die Bedingungen für eine Weiterführung definiert der Konzessionsvertrag von 1963 selbst, via Paragraf zwölf: «Der Kanton wird fünf Jahre vor dem ordentlichen Ablauf der Konzession an die Saline die Anfrage richten, ob sie sich die Konzession verlängern lassen wolle.» Die Salinen haben danach sechs Monate Zeit, die Anfrage zu beantworten. Bei einem Ja nimmt der Kanton Verhandlungen auf.

Zuständig für das Geschäft ist die Finanz- und Kirchendirektion. Ihr Vorsteher Regierungsrat Anton Lauber informierte den Landrat am 25. Juni über den Stand der Gespräche. Es seien insbesondere noch «finanzielle Eckwerte» zu klären, sagte Lauber. Der Abschluss der Arbeiten sei Ende 2020, die Vorlage an den Landrat im 1. Quartal 2021 zu erwarten. Lauber fügte an, die Salinen seien daran interessiert, den Beschluss über die Konzessionsverlängerung «nicht weiter hinauszuschieben» – sie bräuchten Planungssicherheit.

Muttenzer Vorkommen neigen sich dem Ende zu

Die Salinen mit Sitz in Pratteln-Schweizerhalle gehören allen 26 Kantonen und Liechtenstein. Die AG besitzt in der Schweiz das Salzmonopol. Sie schreiben, bis Ende 2020 würden «alternative Szenarien» ausgearbeitet, um die Versorgung zu gewährleisten, auch wenn ab 2025 die bereits eingeplanten 4,5 Millionen Tonnen Rütihard-Salz fehlen würden.

Die Abbaufelder im Baselbiet liegen in Muttenz. Doch die Gebiete Zinggibrunn, Grosszinggibrunn, Ättigraben und Sulz dürften bis 2025 erschöpft sein. Die Abbaupläne für die Rüthihard scheiterten am Widerstand der betroffenen Landwirte und von Naturschützern. Am 30. Juni gaben die Salinen bekannt, das Vorhaben zwanzig Jahre zu sistieren. Mit dem Kanton Aargau – auch im Fricktal wird Sole abgebaut – verhandeln die Salinen ebenfalls über die Konzession und neue Abbaugebiete.

Roger Gradl, Frenkendörfer Gemeindepräsident, sagt, er rechne nicht mit grosser Opposition in der Bevölkerung gegen die mögliche Soleförderung. «Aber Erfahrungswerte haben wir keine: Dass man in Frenkendorf je Salz abgebaut hätte, wäre zumindest mir neu.»

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