Schnee in der Kultur
«White Christmas» bis Black Sabbath: Damit lässt sich viel Pulver machen

Schnee ist ein Thema, das sich auch in der Musik oft findet. Ein flockiger Überblick über weihnächtliche und weltliche Songs.

Stefan Strittmatter
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bz

Die ganze Welt träumt von ­weissen Weihnachten. Zumindest wenn man den Verkaufszahlen glaubt: Das Lied «White Christmas» (geschrieben von Irving Berlin) ist alleine in der Version von Bing Crosby mehr als 50 Millionen Mal über die Theke ge­gangen. Die erste Aufnahme von 1942 ­wurde so oft nachgepresst, dass die Masterbänder Verschleisserscheinungen zeigten und Crosby seinen Hit 1947 erneut aufnehmen musste.

Dabei war der Song aus dem Film «Holiday Inn» anfänglich nicht mal als Auskopplung gedacht. Was «White ­Christmas» schliesslich zur bestverkauften Single aller Zeiten werden liess, darüber lässt sich nur mutmassen: Neben der eingängigen Melodie und der samtigen Croonerstimme dürfte die Mischung aus Kitsch («where the treetops glisten») und Melancholie («just like the ones I used to know») mitten im Zweiten Weltkrieg einen Nerv getroffen haben.

In gerade acht Zeilen fängt Irving Berlin die besinnliche Stimmung dermassen treffend ein, dass «seine» weissen Weihnachten fortan als Blaupause für diese Festtage dienen. Seither gehört auf jeden Weihnachtsbaum ein weisses Häubchen und in jeden ­Weihnachtssong das Gebimmel der Schlitten­glocken – wobei die mar­kanten «sleigh bells» bei «White Christmas» nur im Text, nicht aber im Arrangement vorkommen.

Und vielleicht hat ja die einsetzende Klimaerwärmung auch zum Erfolg des Liedes beigetragen: War es früher ­quasi ein Naturgesetz, dass zur Weihnachtszeit der Schnee leise rieselt (1895), so musste man dieses Begehren schon bald als Forderung formulieren: Let It Snow (1945).

Gelber Schnee, eisige Einsamkeit und eine weisse Leinwand

Doch wird Schnee auch los­gelöst vom weihnächtlichen Szenario gerne besungen: Johnny Cash nutze ihn 1959 in «Snow In His Hair» als Metapher fürs Älterwerden. Little Feet besangen 1979 in «Six Feet of Snow» das eisige Gefühl der Einsamkeit. Und Frank ­Zappa riet 1974 in «Don’t Eat The Yellow Snow» dazu, dass man sich vor dem Verköstigen von Schnee vergewissern solle, wo die Huskies ihr Geschäft verrichten.

Schnee ist aber nicht immer Schnee, wie Black Sabbath in «Snowblind» (1972) mehr als nur andeuten: Die ­britischen Ur-Metaller setzten bei der Arbeit an ihrem vierten Album auf ein anderes weisses Pulver. Im als Titelstück vorgesehenen Song (die Plattenfirma legte ein Veto ein) hört man nach der ersten Strophe ein gehauchtes «cocaine...», und in den Danksagungen taucht «the great COKE-cola» auf.

Etwas weniger plakativ haben die Red Hot Chili Peppers in ihrem Hit «Snow (Hey Oh)» die Suchtprobleme ihrer Mitglieder aufgegriffen. Schnee, so erklärte Sänger Anthony Kiedis, sei schon «Schnee», hier aber auch als weisse Leinwand und Neuanfang zu verstehen. Das Lied ­setzte sich 2006 weltweit an die Spitzen der Charts und verkaufte sich alleine in den Staaten über eine Million Mal.

Wobei hier niemand Irving Berlin das Wasser reichen kann. Denn zu den 50 Millionen verkauften Einheiten von «White Christmas» in der Version von Bing Crosby kommen mindestens noch einmal so viele Verkäufe anderer Versionen des Liedes dazu. Zumindest für Berlin und seine Erben gilt: Mit Schnee lässt sich viel Pulver machen.

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