EuroAirport

Wo die echten Flugzeuge nicht interessieren

Am Stand der Zwillinge Holger und Frank Benz. Heinz Dürrenberger

Am Stand der Zwillinge Holger und Frank Benz. Heinz Dürrenberger

Einmal im Jahrtreffen sich die Luftfahrt-Angefressenen an der Fanbörse. Ausgetauscht werden Aviatik-Raritäten und Anekdoten.

Für einmal interessieren sich die Flugzeugbegeisterten im Terminal Nord auf der französischen Seite des EuroAirport nicht für die echten Flugzeuge draussen auf der Rollbahn. Ihre Aufmerksamkeit gilt den unzähligen Flugzeugmodellen, Postkarten, Fotoalben, Diasammlungen, Uniformen und Geschirrbestandteilen die sich auf den Tischen der Luftfahrt-Sammlerbörse «AeroCollection 2012» türmen.

Ein Stand fällt besonders auf: Holger Benz aus dem deutschen Hartreim hat vor sich die unmöglichsten Dinge ausgebreitet. «Wir sammeln alles, was sonst niemand hat», sagt er stolz. Tatsächlich fällt es schwer, sich vorzustellen, wofür jemand eine Grosspackung Papierservietten aus alten Swissair-Zeiten gebrauchen könnte. Oder Stoffmuster der KLM-Sitzbespannung.

Sein originellstes Stück ist aber wohl eine Sauerstoffmaske aus einem Airbus A310. Sie stammt aus der Maschine, welche nach der Wiedervereinigung zum deutschen Pendant der «Airforce One» wurde und verschiedenen Bundeskanzlern als offizielles Flugzeug für Auslandsreisen diente.

Wenn Kenner durch die Gänge schreiten

Knapp hundert Sammler und Aviatikfans tummeln sich zwischen den verschiedenen Ständen. Kleine Buben, die mit grossen Augen Modelle von tarnfarbenen Kampfjets bestaunen. Ältere Herren die mit reicher Beute prall gefüllten Papiertaschen und kritischem Kennerblick zielstrebig durch die Gänge schreiten. Gruppen von Experten, die in Lederjacken mit aufgenähten Flugzeugmotiven am Rande stehen und die alte Diskussion über den Vorteil von Propeller- gegenüber Düsentriebwerken aufleben lassen.

Auf einem Tisch liegt ein Fotoalbum mit SchwarzWeiss-Aufnahmen einer Militärmaschine, eine «Venom» mit Schweizer Kennzeichen. Entstanden sind sie im Jahr 1963 auf dem Flugplatz Mollis im Kanton Glarus. Das Fotografieren von militärischen Anlagen sei damals illegal gewesen, verrät Bendicht Stähli, der verantwortliche Fotograf. «Es hat mich aber niemand daran gehindert», lacht der ehemalige Pilotenanwärter der Schweizerischen Luftwaffe.

Stähli ist ein leidenschaftlicher Flugzeugfan. Mit unverhohlener Begeisterung berichtet er von seinen Trainingsflügen in der «Bücker» einem Doppeldeckerflugzeug mit offenem Verdeck. «Da hat man das Fliegen noch richtig gespürt.»

Die Jäger unter den Sammlern

Eine besondere Gattung der Luftfahrtbegeisterten sind die «Spotter». Sie sind die Jäger unter den Sammlern. Ihre Trophäen sind Fotografien und Dias möglichst vieler verschiedener Flugzeuge. Meist findet man sie auf den Zuschauerterrassen der Flughäfen, ausgerüstet mit Fernglas und Teleobjektiv. Heute jedoch blättern sie in grossen Ordnern und begutachten Diasammlungen durch kleine Vergrösserungsgläser.

Am Ausgang ist eine Vermisstenanzeige. Ein amerikanischer Sammler ist auf der Suche nach einem Flugzeugmodell, welches ihm gestohlen wurde. Es scheint ihm wirklich am Herzen zu liegen, der Finderlohn beträgt stolze 1000 Dollar.

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