Ein schöner Brauch ist es: Jeweils zu Beginn des Advents treffen sich die Leute der Trachtengruppe Baden, um miteinander im Gespräch, in Besinnung und bei einem feinen, einfachen Mahl gemeinsam in die vorweihnächtliche Zeit einzutreten. Diesmal war das Restaurant Baldegg Treffpunkt. Als Hauptereignis des stimmungsvollen Abends stand die Lesung der Schriftstellerin Rosemarie Keller.
Die Autorin - in Baden aufgewachsen und mit unserer Region aufs innigste verbunden - verlieh dem Anlass eine besondere, wesentliche Note. Rosemarie Keller - sie hat eine Reihe bedeutender Bücher verfasst - las aus dem Roman „Die Wirtin". Die ausgewählten Ausschnitte beleuchteten die vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, während der Zweite Weltkrieg Europa verheerte und die Vernichtung der Juden ihrem grauenvollen Höhepunkt zustrebte; es waren jene Jahre, in denen die Autorin als das jüngere der zwei Töchter der Wirtin des kleinen Hotels „Rosenlaube" dort aufwuchs und erlebte, wie verfolgte Menschen im Versteck lebten: Denn unter den Gästen befanden sich Offiziere der geflüchteten polnischen Armee und jüdische Flüchtlinge. - Glücklich bettete die Schriftstellerin den letzten Abschnitt ihrer Lesung hinein die Adventszeit, indem sie die Schilderung der schlichten Weihnachtsfeier in der „Rosenlaube" vortrug, in der nach einem sich entwickelten Streit unter den Gästen der wichtige Ruf nach Frieden alles in das gute Licht rückte.
In Zufriedenheit und erfüllt mit guten Gedanken gingen die Trachtenleute zu später Stunde auseinander.(hpn)