Im Alterszentrum Kehl in Baden sprach Demenzexperte und Psychiater Dr. Christoph Held über die wirksame Betreuung von demenz- und alzheimerkranken Menschen.

Demenz sei häufig immer noch ein Tabuthema, gleichzeitig aber immer mehr eine riesige, alltägliche Herausforderung, hielt Daniela Oehrli, VR-Präsidentin Betriebe AG des Kehl, in ihrer Begrüssung fest.

Demenzkranke verlieren die Fähigkeit, Erfahrungen mit neuen Herausforderungen zu verknüpfen. Ein Beispiel: Trotz Warnung trinkt eine demente Person einen heissen Kaffee und verbrennt sich im Mund. Sie kann in diesem Moment nicht auf frühere Erfahrungen zurückgreifen und den Kaffee erst abgekühlt trinken. Krankhafte Veränderungen im Gehirn verhindern die Vernetzung von erinnern, denken und handeln. Daraus resultiert ein dissoziatives Verhalten.

Für die Betreuung, so Christoph Held, gebe es Erkenntnisse, um Demenzkranke besser verstehen und wirkungsvoller unterstützen zu können. Pflegenden empfiehlt Christoph Held eine emotionale Haltung des freundlichen Wohlwollens gegenüber Kranken verbunden mit einem ausgeprägten Einfühlungsvermögen. Die Pflege langsam gestalten, das Verhalten und die Wünsche verstehen lernen, das Dissoziative akzeptieren, ohne zu korrigieren, sind weitere Empfehlungen.

„Der Vortrag zeugte von einer sehr wertschätzenden Haltung gegenüber dem Pflegepersonal und ihren herausfordernden Aufgaben“, so Martina Stubbmann, Leitung Pflege und Betreuung im Kehl, nach dem Referat.

Christoph Held ist Stadtarzt beim Geriatrischen Dienst der Stadt Zürich und Hochschuldozent. Sein neustes Buch „Was ist `gute` Demenzpflege?“ ist im Huber-Verlag, Bern, erschienen.