Die CVP Baden lud zu einem interessanten Vortrag über die Sozialen Medien in die Villa Boveri mit anschliessendem Apéro ein. Prof. Dr. Christian Hoffmann von der Universität Leipzig brachte mit eindrucksvollen Beispielen und drei Schwerpunkten den interessierten Besuchern das Thema näher.

Partizipative Nutzung

Die Theorie der partizipativen Nutzung bezieht sich auf Besucher von Anlässen; indem sie das Ereignis mit anderen via einer der vielen zur Verfügung stehenden Plattformen digital teilen, haben sie das Gefühl, sie erleben den Anlass intensiver. Die sozialen Medien haben es leicht gemacht, Inhalte, Kommentare, Bilder und Videos einfach zu verbreiten. Hauptgrund dafür sind die gesunkenen Transaktionskosten. Mehr Menschen können somit zu Medienproduzenten und  im digitalen Netz auf einfache Art und Weise aktiv werden. Pro Minute werden 25 Stunden Youtube Filmmaterial hochgeladen, jeden Tag werden 15 Petabyte Daten generiert. Für den politischen Meinungsbidlungsprozess hat dies den Vorteil, dass eine Demokratisierung der Meinungen stattfindet, da mehr Leute aktiv teilnehmen können.

Identity Work

Wie möchte ich von meinem Publikum gesehen werden, welche Identität möchte ich zeigen? In unserem Alltag schlüpfen wir je nach Situation in verschiedene stereotype Rollen: Im Geschäft sind wir der Chef oder der Teamplayer, zu Hause die gute Mutter, im Verein der gesellige Typ, etc. Wir versuchen die Wahrnehmung bei anderen positiv zu steuern. Das übertragen wir auch auf das virtuelle Ich. Wir erzeugen ein digitales Ich. Im Internet kommen nun alle diese Identitäten zusammen. Die Gefahr ist, dass wir den verschiedenen Rollen ständig gerecht werden müssen. Das führt zu Stress und Überforderung. Die Lösung heisst Boundary Management; wir teilen mit der jeweiligen spezifischen Gruppe die passenden Inhalte.

Was bedeutet dies nun für die Politik? Welche Charaktere können sich in diesem Umfeld am besten durchsetzen?  Es verwundert nicht, dass diejenigen Politiker, welche an den Rändern politisieren und sich mit extremen Meinungen positionieren, am meisten von den sozialen Medien profitieren. Ein Nachteil davon ist, dass die Auseinandersetzung häufig konfrontativ und wenig produktiv ist. Ein demokratischer Diskurs findet dadurch weniger statt. Die heutige Medienlandschaft verstärkt diesen Trend. Massenmedien berichten gerne über negative Ereignisse, soziale Medien eher nur positive.

Sind soziale Medien wirklich sozial?

Die Hypothese „Facebook isoliert uns, wir pflegen weniger Kontakte“, stimmt so nicht. Die Zahl der Bekanntschaften nimmt sogar zu, man geht von ca. 200 Kontakten aus. Früher waren es noch ca. 100. Für jedes Interesse gibt es eine Plattform, man findet für alles und jedes Thema Anschluss.

Da Menschen tendenziell denkfaul sind, vermeiden wir gerne den Aufwand, noch etwas dazu zu lernen, denn dazu müssten viel mehr Kalorien im Kopf verbrennen. Deshalb verbringen wir Zeit mit Menschen, die ähnlich sind wie wir. Soziale Medien verstärken dies, mit dem sogenannten Filtereffekt: Plattformen schlagen Themen und Freunde vor, welche zu uns passen. Fazit: Der Denkfaulheit wird nachgegeben und man bleibt beim Bekannten. Somit geht der Diskurs mit anders denkenden Menschen verloren. Es besteht die Gefahr der Ghettoisierung der Meinungen und die politische Gesellschaft könnte zerfallen. Man würde weniger aufeinander zugehen, nicht mehr miteinander diskutieren und so nicht mehr zu Kompromissen finden.

(CVP Baden, Mathias Schickel)

Aktuelle Infos zu den politischen Geschäften der Stadt Baden finden Sie auf www.cvp-baden.ch