Ein Drittel der neuen Kader-Mitarbeiter in der Carrosseriebranche träumt vom eigenen Betrieb. Drei haben sich bereits selbständig gemacht. Zwei Absolventen möchten als Berufsschullehrer tätig werden, zwei weitere als Schadenexperten für Versicherungen. Zu den erfolgreichen Absolventen aus der Region gehören Emilio Zappala, Rekingen und Marc Zaba, Untersiggenthal, beide Carrosserie-spengler.

Die Carrosseriebranche muss sich im Moment um den Führungsnachwuchs keine Sorgen machen. 45 Carrosseriespengler, Autolackierer und Fahrzeug-schlosser aus der Deutsch- und Westschweiz sind neu im Besitz des eidgenössischen Fachausweises. Nach der Lehre haben sie zusätzlich eine zweijährige Ausbil¬dung absolviert. Dabei haben sie ihr Fachwissen in den Berufskundefächern vertieft und sich neues Wissen in der Be¬triebswirt¬schafts¬lehre, der Personalführung, der Korrespon¬denz und der Rechts¬kunde angeeignet. Nun sind sie fit, in den Betrieben Führungsver¬antwor¬tung zu über¬nehmen - die Leitung eines fachtechnischen Bereichs oder die Aus¬bildung von Lernenden.

Modernes Handwerk mit technischen und gestalterischen Herausforderungen
Die berufsbegleitende Weiterbildung hat sie alle sehr gefordert. Doch plant immerhin ein Drittel der neuen Kader-Mitarbeiter bereits den nächsten Weiterbildungs-schritt zum Carrossiermeister (höhere Fachprüfung). Ebenso viele träumen vom eigenen Betrieb. Drei haben sich bereits selbständig gemacht. Zwei Absolventen möchten als Berufsschullehrer tätig werden, zwei weitere als Schadenexperten für Versicherungen. Felix Pohl, Direktor des Schweizerischen Carrosserieverbandes VSCI freut sich über den ehrgeizigen Führungs-nachwuchs: «Die Carrosseriebranche bietet modernes Handwerk mit anspruchsvollen technischen und gestalterischen Herausforderungen, High-Tech-Ausrüstung und guten Entwicklungsmöglichkeiten. Während andere mit 26 oder mehr Jahren noch die Schulbank drücken, übernehmen unsere Kader-Mitarbeiter bereits Verantwortung in Bereichen eines Betriebes. Das ist gut so, denn unsere 650 Mitgliedsbetriebe sind in den kommenden Jahren auf bestens ausgewiesene Fachkräfte angewiesen. Ich wünsche mir jedoch, dass der Wert des modernen Handwerks noch mehr Anerkennung findet - insbesondere auch bei den Eltern.» Martin Rusterholz, Präsident der VSCI-Prü¬fungskom¬mission, betont, dass die Ausbildung auch viel Verzicht und finanziellen Aufwand bedeutete. Denn allein die Studien- und Prüfungsgebühren für den Eidgenössischen Fachausweis (Berufsprüfung) verschlingen bis zu CHF 18'000. Von den 72 Kandidaten haben 45 erfolgreich bestan¬den und konnten den Eidgenössischen Fachausweis in Empfang nehmen. Für höhere Aufgaben in der Carros¬seriebranche empfehlen sich 17 Autolackierer, 24 Car¬ros¬seriespengler und vier Fahrzeugschlosser. Den besten Fachausweisabschluss als Autolackierer schaff¬te Clint Kaufmann aus Mörschwil. Er wurde bereits 1999 in Montreal als erster Schweizer Weltmeister der Autolackierer. Den besten Fachausweis-abschluss als Carrosseriespeng¬ler erreichte Daniel Kiener aus Mattstetten und als Fahrzeugschlosser Rolf Aeschlimann aus Altishofen. www.vsci.ch

«Das frisch gelernte umsetzten»
Marc Zaba aus Untersiggenthal, 30, Werkstattleiter Spenglerei bei Luxury Car Clinic AG, Schlieren
Der 30-jährige Marc Zaba wollte eigentlich Zahn-techniker werden: «Leider waren derzeit alle Stellen belegt, so dass ich eine Alternative in Betracht ziehen musste. Ich wollte unbedingt etwas Hand-werkliches machen. In die Carrosseriebranche bin ich zufällig gekommen». Nach seinem Lehrab-schluss entschloss sich Marc Zaba, im Auto-gewerbe zu bleiben. Nach mehreren Jahren Berufserfahrung schrieb er sich für die Berufsprüfung ein - mit dem Ziel, einen eigenen Betrieb aufbauen zu können. Ein Ziel, dem er bereits während der Weiterbildung näher kam: «Ich bekam die Möglichkeit bei einer Firmenneugründung mein gelerntes Wissen in die Praxis umzusetzen. Das war natürlich eine grosse Motivation». Der Beruf an sich fordere ein Gefühl für Formen und setze eine gewisse Veranlagung für räumliches Denken voraus. Nach der Berufsprüfung habe er wieder mehr Zeit für sein Boxtraining. Den grössten Zeitanspruch habe jedoch seine Familie. «Für die Zukunft wünsche ich meiner Familie und mir Gesundheit und dass ich weiterhin von meiner Ausbildung profitieren kann.»

«Verschiedenste Techniken»
Emilio Zappala aus Rekingen, 30, Carrosseriespengler bei Felix Emmenegger AG, Hettenschwil
«An meinem Beruf gefällt mir vor allem die Abwechslung. Bereits beim Schnuppern haben mich die Vielfalt der Auf-gaben und die verschiedenen Techniken überzeugt, diesen Beruf zu erlernen.» Der 30-jährige Carrosseriespengler entschied sich dann nach mehreren Jahren Berufs-erfahrung für eine Weiter-bildung: «Es war eine Umstellung wieder in die Schule zu gehen. Ich konnte aber Vieles von der Berufsprüfung mit-nehmen. Ich kümmere mich beispielsweise neu auch um die Versiche-rungen und Kalkula-tionen». Sein Ziel ist es eine Führungsposition einzunehmen und Lernende auszubilden. «Mein Traum wäre es einen eigenen Betrieb führen zu können, doch das steht noch offen.» In seiner Freizeit beschäftigt sich Emilio Zappala gerne mit Modellbauten, seinem Auto oder unternimmt etwas mit Kollegen. «Im Moment kümmere ich mich aber vor allem um meinen Sohn», so der frischgebackene Vater. (iwi)