Weiningen (ZH)

«Der Geschichte ins Gesicht geblickt» – Tag der Geschichte 1. und 2. September

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Oberstufe Weiningen

Oberstufe Weiningen

«Milites, state!» Aus allen Ecken rennen 19 junge Legionärsaspiranten herbei oder tun so, versuchen verzweifelt in der langen Reihe ihren Platz zu finden und gehen dann in die Achtungsstellung. Kontubernie an Kontubernie gereiht. Kein leichtes Unterfangen für die frischgebackenen Legionäre. Doch hoppla, 11 sind Legionärinnen, eigentlich ein Unding, denn Frauen war der Zutritt zum Legionslager normalerweise untersagt. Doch bei den Jung-Legionären der zweiten Oberstufe Weiningen gibt es am 1. September wie jedes Jahr eine Ausnahme.
Die knapp halbtägige Ausbildung, inklusive Übernachtung auf Strohsäcken – oh nein, Federbetten hatten römische Legionäre nun wirklich nicht – bildet einen wichtigen Bestandteil des Tages der Geschichte, den die Oberstufe Weiningen seit bald 15 Jahren in Zusammenarbeit mit dem Museum Aargau anfangs September ausrichtet.
Eine weitere Gruppe der insgesamt über 100 Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 2 wird von einer als Magd verkleideten Museumspädagogin durch Schloss Wildegg geführt, bevor sie dann einem Falkner bei seiner Arbeit zuschauen darf. Dieses Mal wurde die Gruppe in Wildegg zudem von einem Mitarbeiter des Museums begleitet, der die Gruppe bei ihrem Workshop zu Werbezwecken für das Museum Aargau auch fotografierte. Die grosse Belohnung, ein Glacé für alle.
Zwei Gruppen werden jeweils auf Schloss Lenzburg in die Pfeilbogen- und Steinmetz- Technik des Mittelalters eingeführt, was in der Regel mit ordentlichem Muskelkater in den Armen endet. Macht gar nichts. So bleibt es länger im Gedächtnis haften.
Auch die moderne Geschichte kommt am Tag der Geschichte nicht zu kurz. Eine grosse Gruppe besichtigt das Artillerie-Fort Reuenthal bei Koblenz, einem Relikt des Zweiten Weltkrieges. In den muffigen, ziemlich kühlen Gängen und Schächten bekommt man einen ganz guten Einblick in das wohl selten spannende Leben der damaligen Festungssoldaten. Zur grossen Freude der Weininger Festungstruppe dürfen alle fleissig an Maschinengewehren und Kanonen herumfingern.
Eine sechste Gruppe lässt sich in Dübendorf durch die Hallen des Flab- und Flieger- Museums führen und gewinnt dort einen Eindruck von den Anfängen der Militär-Fliegerei in der Schweiz.
«Milites, state!» Das leicht verdüsterte Gesicht von Fabianus Octavius Gallus, dem Optio, lässt nichts Gutes ahnen. Soeben hat doch ein unaufmerksamer Jung-Legionär eine Frage gestellt, die der Optio eine Minute zuvor schon geklärt hatte. So viel Unaufmerksamkeit kann ein strenger Ausbilder nicht dulden. Strafe muss sein, für alle natürlich, auch für diejenigen, die zuvor gut zugehört haben. Kollektivstrafen gehörten bei den Römern zum Lagerleben wie das Salz zur Suppe. Wer meckerte, bekam noch eins drauf. Drum machen alle 19 Weininger Frischlinge brav zehn Liegestütze. So schlimm ist das nicht. Latrinen putzen wäre übler gewesen. Drum wird nicht gemurrt.

Für die Oberstufe Weiningen: Peter Nef

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