Von der Gleichstellung zur Ungleichbehandlung für Männer

Zur Zeit diskutieren die Einwohnerräte, ob Frauen bei Einstellungen in der Stadtverwaltung grundsätzlich vorgezogen werden sollen. Warum sollen Frauen im Rahmen dieser diskriminierenden Selektion bevorzugt werden? Will man denn wirklich die Nachteile, die durch frühere Diskriminierung erlitten wurden, mit künftiger Diskriminierung ausgleichen?

Warum sollte man Geschlecht über Qualifikation stellen? Einen Job zu bekommen, weil man als Frau geboren wurde, hat einen kläglichen Beigeschmack; es ist eine Art Almosen fürs Frausein. Ich bin mir durchaus bewusst, dass Männer ab und zu vorgezogen werden. Trotzdem will ich einen Job, weil das Profil passt und weil die Sympathie und die  Leistung stimmen. Und nicht wegen meines Geschlechts oder meiner Hautfarbe oder eines sonstigen „bemitleidenswerten“ Minderheitenstatus.

Bekommt man eine Stelle nicht, dann hat man zumindest einen wichtigen Indikator, ob man an seiner beruflichen Qualifikation oder dem persönlichen Profil arbeiten muss. Das sollte Ansporn genug sein, besser zu werden anstatt auf die frauenfeindliche Gesellschaft und die bösen Männer zu schimpfen.

Ich bin für Gleichberechtigung, und zwar für Frauen UND Männer. Ich traue auch jeder Frau zu, dass sie ihren Mann steht. So wie ich jedem Mann zutraue, dass er seine Frau steht.

Dr. Andrea Libardi-Meier, Einwohnerrätin Baden