Am Freitag den 27. April 2012 waren die Mitglieder des ‚Walliser Vereins Baden und Umgebung’ im Rahmen ihres Jahresprogramms zu einem kulturellen Anlass nach Wettingen eingeladen. Ein halbes hundert sind dem vielversprechenden Aufruf ihres Präsidenten gefolgt.

Dies erstaunt nicht, denn auf dem Programm stand ein interessanter Dia-Vortrag eines ihrer Landsmänner, dem inzwischen berühmten Zermatter Bergführer und Unternehmer sowie Verfasser diverser Bergliteratur Dr. sc. Hermann Biner.

Wenn man seine intensive und vielfältige Biografie zu Gemüte führt, dann trifft man auf einen äusserst interessanten Menschen, der als junger Zermatter die Welt auf seine Art eroberte.

Hermann Biner, ich möchte ihn in der Folge nur Hermann nennen, ist am 18. April 1952 in Zermatt zur Welt gekommen. Seine Grundschule absolvierte er wohl in dem zu dieser Zeit touristisch aufstrebenden Zermatt am Fusse des auf der ganzen Welt bekannten Matterhorns.

Nach der Grundausbildung zog es den jungen wissbegierigen Burschen an die Klosterschule in Engelberg, wo er einer humanistischen Ausbildung nachging und mit der Matura Typ A im Jahr 1971 mit Bravur abschloss.

Nun musste er sich wohl entscheiden, welche Laufbahn schlage ich jetzt ein. Einerseits riefen ihn die Berge und andererseits die Wissenschaft, der er auch mit Fleiss und Genauigkeit zugetan war.

Hermann wählte beides. Während er sich in den 70-Jahren an der ETH in Zürich als Mathematiker ausbilden liess und 1981 mit dem Doktorat im Fachgebiet ,Homologische Algebra’ abschloss, liess er sich gleichzeitig zum Bergführer ausbilden, was den Anfang einer reichhaltigen Karriere in der Geschichte des nationalen und internationalen Bergführerberufs einleitete.

1974 erhielt Hermann das Schweizer Bergführerpatent. Von 1981 – 1986 war er Experte für die Bergführerausbildung im Wallis. Gleichzeitig war er Präsident des stolzen Bergführervereins Zermatt und anschliessend von 1987 – 1991 Präsident des Schweizerischen Bergführerverbandes.

Während sich Hermann mit grossem Elan um die Bergführerausbildung im Kanton Wallis und im Kaukasus (Georgien) widmete, hatte er  während 16 Jahren eine Professur an der Kantonsschule Brig und dazwischen einen Lehrauftrag an der ETH in Zürich in den Fachgebieten ‚Nicht-euklidische Geometrie’und ‚Chaostheorie’.

Seine Tätigkeit in Fachgremien der Bergführerkunst war aber noch nicht zu Ende. 1981 wurde er in die Bergführerkommission des Kantons Wallis gewählt. Hier verfasste er den SAC Alpinführer ‚Hochtouren im Wallis’ und weitere Bücher über die Walliser Alpen. Als krönenden Abschluss seiner Bergführerkarriere wurde Hermann 2010 zum Präsidenten des internationalen Bergführerverbandes ernannt.

Aber Hermann bewegte sich nicht nur in Gremien, nein er war während all dieser Zeit auch aktiv als Bergführer unterwegs in den Alpen, Kanada, Butan, Nepal, Kaukasus und Südamerika.

Doch Hermann war bereits an einem neuen Abschnitt in seinem reich befrachteten Leben angelangt, indem er 1997 seine IT-Firma BBT Software AG gründete, die Programme für das Krankenkassenwesen entwickelt und an den Mann bringt. Das IT-Unternehmen zählt inzwischen 50 Mitarbeiter an seinen beiden Standorten Root und Zermatt. Während 8 Jahren war er VRP und CEO der Firma und 2006 wechselte er als VRP zum CTO seiner erfolgreichen Unternehmung.

Die Lorbeeren liessen nicht lange auf sich warten. Bereits 2003 wurde Herrmann zum Ehrenmitglied des Walliser Bergführerverbandes gewählt und 2010 zeichnete ihn das Plenum VS zum ‚Walliser des Jahres’ aus mit den Worten: ‚Der Unternehmer, Bergführer, Buchator und Musiker Hermann Biner ist Walliser des Jahres 2010. Der Verein Plenum VS zeichnete gestern den Zermatter für seine Vielseitigkeit, sein Engagement und seine Genauigkeit aus’.

Wir alle fragten uns, wo ist denn da die Familie. Jawohl auch die hat Platz in seinem Leben gefunden mit seiner schwedischen Frau Lilian Fossum mit den Kindern Niklas(19), Emma(17), Matteo(15), Jenny(8) und Emil(8).

Hermann lebt abwechslungsweise in Schweden und in der Schweiz.

Er hat uns seine Lebensgeschichte überzeugend erzählt und wir waren beeindruckt von seiner Fachkompetenz aber auch von seiner überaus menschlichen Seite, wie er seinen Mitarbeitern und auch allen übrigen Menschen begegnet. Unserer Wirtschaft mangelt es leider nur allzu viel an Menschen dieser Sorte.

Wir werweisten warum Hermann  so eine tiefe Menschlichkeit ausstrahlt. Wir kamen zum Schluss, dass man neben dem hoch entwickelten technischen Fortschritt den Kontakt zur Natur aufrechterhält und von ihr immer wieder vieles lernen kann. Das andere ist wohl die Pflege einer gewissen Ethik, die jedem Menschen in die Wiege gelegt wird sowie die Ehrfurcht vor der Schöpfung. Alle drei Voraussetzungen hat Hermann wohl in Zermatt mit auf den Weg bekommen.

Alle Teilnehmer sind dem Präsidenten Fredy Imhof und seinen Vorstandsmitgliedern Ruth, Adrian, Jörg und Peter zu innigem Dank verpflichtet, dass wir so einen lehrreichen und eindrücklichen Vortrag erleben durften.

Uebrigens wurde nach alter Väter Sitte im Anschluss an den Vortrag ein währschafter Walliser Teller serviert, begleitet von einem mundigen Walliser Pinot Noir, damit wir nicht aus der Uebung kommen. (jsc)