Bericht: Jubiläums-Ausfahrt der Vereinigung Pensionierter ABB am 24. Mai 2012

Die Jubiläums Frühlingsausfahrt ging für mich um 06.30h beim ABB Haupteingang in Baden los, für andere Teilnehmende schon um 06.00h in Rütihof oder am Schadenmühleplatz. Unser Chauffeur, Herr. Peter Popp, fuhr uns im Car mit dem Nummernschild  Nr. AG 106 673  der Firma Twerenbold bei Nebel in Richtung Genfer See.

Die Autobahnraststätte Gruyères erreichten wir bei Sonnenschein. Kaffee und Gipfeli wurden uns in Windeseile serviert und so hatten wir Zeit, uns die Füsse zu vertreten und die vielen bemalten Kühe zu bewundern und zu  fotografieren, die dort in der Wiese stehen.

Schneeberge kamen in der Ferne hervor: der Molleson, der mit einem Bähnli “bestiegen“ werden könnte,  die “Schlafende Jungfrau“ usw.

Bei Chatel St. Denis  verliessen wir die Autobahn, hatten bald rechts neben uns den Genfersee mit den Savoyer Alpen auf der gegenüberliegenden Seite, fuhren an Rebbergen vorbei, an blühenden Glyzinien, Rosenbäumchen, Flieder, schönen alten Häusern, dem gläsernen Bürogebäude von Nestlé in Vevey und überdimensional grossen Schönheitsfarmen in Montreux.

Unsere Führerin im Schloss Chillon liess einige Minuten auf sich warten, und wir wunderten uns über die vielen verkäuflichen Kleinigkeiten im Kiosk -  genauso wie eine grosse Gruppe Touristen, die aus Taiwan angereist war. Ein Schwanenpaar mit vier Eiern in seinem Nest löste sich beim Brüten ab, Möven flatterten um das Schloss, das das meistbesuchte Monument der Schweiz sein soll und von ca. 340 000 Besuchern pro Jahr besucht wird. Wir haben erfahren, dass “chillond“ (mit “d“) aus dem Keltischen ist und Felsplateau heisst.

Die Geschichte des ca. 1000 Jahre alten Schlosses lässt sich in drei Hauptperioden gliedern: Vom 12 Jhd. bis 1536 lebten die Savoyer hier. 1536 erlebte das Schloss seinen einzigen Krieg als es von den Bernern besetzt wurde. Das Schloss wurde nicht zerstört, denn die Savoyer verteidigten sich nicht, sondern flohen durch einen geheimen Ausgang per Schiff über den See. Als sich 1798 die Waadtländer gegen die Berner erhoben, zogen die sich zurück. Nach der Gründung des Kantons Waadt ging das Schloss in dessen Besitz über. Der älteste schriftliche Nachweis des Schlosses stammt von 1150. Der über die drei Perioden erbaute Burgfried ist 26m hoch, der Eingang ins Schloss befindet sich auf 8m Höhe, konnte daher nur mit einer Leiter erklommen werden, war mit Nahrung für 40 Tage ausgerüstet und galt als ausserordentlich sicher. Die Restaurierung von Schloss Chillon wurde vom Kantonsarchäologen Albert Naef (1862-1936) eingeleitet. Drei Höfe und viele Räume auf einigen Stockwerken können besichtigt werden.

Das grosse graue Schloss auf der ovalen Felsinsel, das ursprünglich weiss verputzt war und damit Macht und Reichtum der Besitzer bezeugte, beherbergt heute im Untergeschoss einen grossen Weinkeller; der Weisswein “Clos de Chillon“ wird in alten Holzfässern gelagert, die durch die jahrelange Verwendung für die Lagerung von Rotwein den Holzgeschmack verloren haben. Der ehemalige Lagerraum für die feinsten Gewürze, Fleisch und Geflügel, Gemüse aus dem In- und Ausland, das “weisse Gold“ Salz und viele andere Köstlichkeiten daneben wurde um 1290 in ein Gefängnis umgewandelt. Das Gefängnis Bonivard wurde berühmt, weil der englische Dichter Lord Byron (seine Unterschrift ist auf einer Säule zu sehen) 1816 in seinem Gedicht “The Prisoner of Chillon“ beschreibt, wie François Bonivard (1493 – 1570) hier gefangen gehalten wurde. Der starb mit 77 Jahren, war 4x verheiratet und hatte 20 Kinder. Die gruselige Sonderausstellung über die Hexenverfolgungen vom XV. bis XVII. Jahrhundert beginnt hier unten und zieht sich durch das ganze Schloss.

Viele Stufen führen in die oberen Stockwerke.  Im riesigen ehemaligen Speisesaal des Kastellans im 1. Stock tafelten die Schlossbesitzer mit hohen Gästen grossartig. Man verzehrte nachweislich an einem einzigen Bankett unter anderem 100 Wildschweine, 6000 Eier, grosse Mengen Gewürze (die den Reichtum des Gastgebers bewiesen, weil sie um teures Geld aus dem fernen Ausland kommen mussten); als besondere Spezialität galt der köstlich gefüllte Schwan. Das Besteck war noch nicht erfunden, man ass mit den Fingern, der Becher mit Wein wurde mit dem Nachbarn geteilt. Die Teppiche an den mit teuren Farben – blau aus Lapislazuli war besonders kostbar - bemalten Wänden speicherten die Wärme aus den grossen Kaminen kam. So vergnügte sich die muntere Gesellschaft essend und trinkend bei Musik und Theater bis Kastellan und Kastellanin zu später Stunde im Schlafzimmer, das sogar durch einen Geheimgang betreten werden konnte, ermattet in das nur 170cm kurze Bett fielen. Gestützt von dicken Kissen sass man im Bett. Diese Gewohnheit bewahrte einen davor, mit offenem  Mund zu schlafen, durch den die Seele entweichen könnte, denn dies würde den Tod bedeuten. Auch hier sind noch Fragmente der Wandbemalung erhalten: exotische Tiere an einer Wand, gegenüber einheimische Tiere, und auch die Savoyer Lilie. Es gab natürlich spezielle Gästezimmer.

Nebenan wurde für den Hausherrn in einem mit Tüchern vor ungesundem Luftzug geschützten Badezimmer in einem grossen Holzzuber das Bad bereitet, wozu er sich Gäste einlud. Daneben, in der Latrine, konnte man in Gesellschaft seine Notdurft verrichten, geheime Gespräche führen und, wenn nötig, fliehen, denn alles landete im See.

Nachdem die Kirche das schändliche Treiben in den öffentlichen Badestuben für das gemeine Volk als Sünde verteufelte, verzichtete man generell darauf, wusch sich höchstens noch Gesicht und Hände – je dicker der Dreck, desto gesünder der Mensch -, und die Parfumherstellung begann zu florieren.

Heute befindet sich im grossen Saal im 2. Stock eine umfangreiche Ausstellung alter Holztruhen mit kunstvollen Beschlägen. Zwei Befestigungsmauern umgeben das Schloss. Über den niedrigen Wehrgang mit Schiessscharten  kamen wir wieder in den ersten der drei Höfe und verliessen das Schloss, versorgt mit viel Wissenswertem, wie wir es betreten hatten über die gedeckte Holzbrücke.

In Villeneuve stillten wir im Restaurant "Oasis“ am See mit gebackenen Eglifilets oder Schweinebraten unseren Hunger, mit Wein oder Bier und Wasser unseren Durst.

Danach ging es über Aigle auf schmaler Strasse mit vielen Serpentinen aufwärts,  vorbei an blühendem Holunder, Schaf- und Ziegenherden über den Col du Pillion nach Gstaad. Im Hotel Bernerhof, wo die Wanderwoche des letzten Jahres stattgefunden hatte, gab es Bier, Kaffee und wunderbaren Apfelkuchen für diejenigen, die wieder hungrig oder durstig waren. Leider waren Brigitte und Thomas, unsere Wanderleiter vom letzten Jahr, noch nicht von ihrer Wanderung zurück.

Über Zweisimmen, Spiez, Bern fuhren wir heimwärts und kamen um ca. 19.45h nach einem erlebnisreichen, wunderbaren Tag in Baden an.

Heiri bedankte sich in unser aller Namen bei Herrn Popp für die gute Fahrt. Er wurde gebeten, den Dank des Vereins an Frau Bürgisser und Herrn Gubler weiterzuleiten, die seit vielen Jahren die Ausfahrten für den VP ABB so gut organisieren.

Wie Heiri so treffend sagte, sind wir müde in der Früh abgefahren und kamen müde wieder nach Hause. Für die wunderbare Jubiläumsausfahrt bei schönstem Wetter, an der wir Teilnehmenden überdies ein fein gefülltes Überraschungssäckli bekamen, bedanken wir uns ganz herzlich bei den Organisatoren Paul, Heiri und Ruedi. (gm)