Anlässlich ihres 23. Konzertes in der Villa Boveri überraschte die junge Pianistin Praxedis Geneviève Hug mit einem ganz speziellen Programm, mit welchem sie die Zuhörer begeisterte. Die ausgesprochen sensibel ausgewälten Lieder von F.Liszt nach Melodien von R.Wagner , von der Künstlerin mit grosser Ausdruckskraft und überaus differenziert gestaltet liessen das Publikum in Phantasiewelten tauchen, Szenen der jeweiligen Opern real erleben und ihre tiefe Sinnhaftigkeit erahnen.

Das Phantasiestück aus Rienzi zu Beginn zeigte virtuos die gewaltige Fülle des Wagnerschen Werkes.

Mit „Wallhall“ aus dem Ring gelang P.Hug ein wundersamer Dialog zwischen Ruf und Antwort, zwischen Ferne und Gegenwart.

Die drei Liszt -Lieder „Am stillen Herd“ , „Isoldes Liebestod“ und insbesondere „O du mein holder Abendstern“ interpretierte die Künstlerin mit wahrhaft feinster Zartheit in der Klanggebung und mit einer Innigkeit, die ihresgleichen sucht.

Zwischen den genannten 3 Liedern setzte das Pilgerlied einen Höhepunkt an romantischen Elementen, die von P.H. wunderbar aufgezeigt wurden.

Die erzählerische Ballade aus dem „Fliegenden Holländer“ führte über zum Schlusshöhepunkt, dem „Spinnerlied, welches mit hüpfenden Rhythmen auf faszinierende Weise das sich drehende Rad des Menschen zum Ausdruck bringt.

Die Künstlerin vermochte einmal mehr mit ihrer unwahrscheinlichen Virtuosität , ihrem kraftvollen und zugleich äusserst differenzierten Spiel und ihrem tiefen musikalischen Verständnis zu überzeugen und zu erfreuen.

Ein wunderbarer Abend, der sich ideal in das sich neigende Jahr, die Zeit der Einkehr und der wiederkehrenden Sinnfrage fügte.

Esther Strässle-Kirchgraber