Baden

Kultur und Küche in Kroatien, eine Veranstaltung des Integrationsforum Baden

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Dobra večer - guete-n Aabig mitenand. In beiden Sprachen begrüsste Valentina Matolić vom Integrationsforum Baden die zahlreichen Gäste des Abends. Schweizer, Kroaten und andere Nationalitäten trafen sich für interessante Kurzvorträge und für kulinarischen Genuss.

Das Integrationsforum Baden lud zu diesem Austausch ein und es herrschte Grossandrang im kroatischen Institut in Reiden. Über 60 Personen - wesentlich mehr als erwartet - lauschten den Kurzvorträgen, erfreuten sich an der Musik und genossen das kroatische Buffet.

Publizist Tihomir Nuić gab mit seinen Geschichten und Kommentaren einen Einblick in die kroatischen Schildbürgereien: "Bewohner eines kleinen kroatischen Ortes kauften in Venedig teure Weisheit in einem leeren Kürbis ein. Nach der Heimkehr wurde der Kürbis feierlich geöffnet - heraus sprang eine Maus. Da die Maus davonrannte und auf eine nahegelegene kleine Insel schwamm, wollten die Kroaten die Maus samt der Weisheit an sich binden und fesselten deshalb die Insel mit einem grossen Seil an das Festland. Leider riss das Seil und die Weisheit ging wieder verloren."

T. Nuić machte auch darauf aufmerksam, dass der Papst Kroatien bereits anno 879 anerkannt hat - schon 400 Jahre, bevor sich die Schweizer gegen die Habsburger erhoben. Kroatien machte allerdings eine sehr wechselhafte Geschichte durch, wurde von den Osmanen, Habsburgern und Venezianern besetzt. Erst seit 1995 ist Kroatien wieder ein eigener Staat.

Als zwei der vielen kroatischen Integrationsfiguren in der Schweiz nannte er Vladimir Prelog oder Leopold Ružička, zwei Schweizer Nobelpreisträger, die aus Kroatien stammten.

Die kroatische Musikgruppe Alkari erfreute die Gäste mit folkloristischer Tracht, kroatischen Klängen und einem bekanntem deutschen Liebeslied. Dass die Musiker direkt vor der Schweizerfahne standen, war ein zufälliges Symbol der Integration.

Hrvoje Cvitanović studierte bereits in der Schweiz, wurde dann in den Kroatenkrieg eingezogen und lebt heute wieder als Kroatischer Generalkonsul in der Schweiz. Er schildert die Politik in Kroatien, die Ursachen für den Kroatenkrieg und die heutige politische Situation. Die Analyse von H. Cvitanović war sehr zurückhaltend und beschreibend, mit Darlegung der Ansichten von verschiedenen Parteien.

Für mich als Schreiber wurde dabei klar: Objektivität zu schaffen ist für bereits für Unbeteiligte schwierig, für Menschen, die sich in einem Krieg eingesetzt haben, ist Objektivität fast unmöglich. Oder finden etwa wir Eidgenossen, dass die Habsburger anno 1291 ein Recht dazu hatten, die Schweiz zu regieren??

Antonija Dedić und ihre Trachtenfreunde gaben eine geraffte Gebrauchsanweisung für die Integration in der Schweiz:

- Wenn sie im Zug auf einen freien Platz sitzen wollen, dann fragen Sie bitte zuerst, ob der Platz frei sei.

- Wenn sie jemanden beim Telefongespräch kurz warten lassen müssen, dann fragen sie "sind sie noch da?"

- Pünktlichkeit: hat man einen Termin, dann ist es besser, 10 Minuten zu früh als eine Minute zu spät zu kommen.

Und zum Schluss sagte Kata Ratkić, was die Schweizer über die Kroaten denken:

- die Schweizer runzeln die Stirne, wenn junge, schlechtverdienende Kroaten einen teuren Mercedes oder BMW fahren. Aber es ist einfach so, Kroaten lieben schöne Autos.

Zuhören und Neues Lernen gibt Hunger. So durften sich Gäste und Referenten am herrlichen kroatischen Buffet bedienen und kamen ins gegenseitige Gespräch. Kroaten, Tamilen, Österreicher, Badener, Zürcher und Schaffhauser begrüssten sich und besprachen einige alten oder neuen Themen. Am Buffet bewahrheitete sich die zweite Weisheit von Kata Ratkić:

- Schweizer lassen sich gerne bei Kroaten zum Essen einladen, weil man dann nicht nur ein Kilogramm mehr auf den Hüften hat, sondern auch ein weiteres Kilogramm Essen nach Hause nehmen "muss".

Herzlichen Dank an das Integrationsforum und an Valentina Matolić für den gelungenen Abend.

Martin A. Bühler

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