Baden

Podiumsdiskussion „Frauen und Leadership – gewollt oder toleriert“

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20-Jahr-Jubiläum der Vereinigung Schweizer Ingenieurinnen

Bei ALSTOM (Schweiz) AG fand die Podiumsdiskussion „Frauen und Leadership – gewollt oder toleriert“ statt. Eingeladen hatte die Vereinigung Schweizer Ingenieurinnen svin, die mit dieser Veranstaltung ihr 20-jähriges Jubiläum feierte. Mitorganisiert wurde der Anlass von donna informatica, dem Schweizer Informatikerinnen-Netzwerk sowie der ALSTOM (Schweiz) AG, einem Fördermitglied der svin. Rund 150 Frauen und ein paar wenige Männer folgten der Einladung und durften eine spannende Diskussion mit kompetenten Podiumsteilnehmerinnen unter der Leitung von Dr. Cuno Künzler, Leiter POE, ETH Zürich, erleben. Mit männlich dominierten Führungsetagen insbesondere im Topmanagement ist das Thema "Frauen in Führungspositionen" nicht neu, aber nach wie vor aktuell.

Nach einer kurzen Begrüssung durch Brigitte Manz-Brunner, Geschäftsführerin der svin, hiess Daniel Huber, HR-Leiter der Alstom Schweiz die Gäste willkommen und wies darauf hin, dass es auch der Alstom ein Anliegen sei, Frauen und Männer gleichermassen zu fördern.

Auf dem Podium war die persönliche Karriere ein Thema. Elena Walter, Global Product Line Manager ABB Sécheron S.A., übernahm mit 27 Jahren ihre erste Führungsaufgabe in China. Die junge Ingenieurin machte sich zwei Grundsätze zur Regel: sich den Chef aussuchen und die eigenen Werte wertschätzen und leben. Auf die Frage zu ihrer Meinung zu einer Quotenregelung sieht Frau Walter in einer Quote die Chance, "Ungleichheit" zu fördern, neige doch der Mensch dazu, sich mit "Gleichen" zu umgeben.

Dass das Fallenlassen von bestens ausgebildeten Frauen mit Wunsch nach Familie in späteren Berufsjahren und „Einkauf“ von Know-how-Trägerinnen im Ausland ein „volkswirtschaftlicher Blödsinn“ ist, konnte Prof. Dr. Sita Mazumder, Dozentin und Projektleiterin am Institut für Finanzdienstleistungen ZUG IFZ, überzeugend darstellen. In diesem Zusammenhang schätzt sie die Lage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Schweiz als desolat ein und sieht in einer Quote die Chance, dass sich Rahmenbedingungen ungleich schneller ändern. Zudem brauche es nicht nur eine Änderung der Rollenbilder von Frauen wie von Männern, sondern auch die Unterstützung von Verwaltungsräten und Geschäftsleitern. "Hinfallen, Krone richten, weitergehen" sollten Frauen und "sich exponieren und die Vorreiterrolle für folgende Generationen übernehmen", so eine weitere Forderung.

Yolaine Bôle, Director Human Resources der Luxus-Uhrenherstellerin CORUM, nahm als Vertreterin eines KMU-Unternehmens am Podium teil. CORUM ist eines der Unternehmen, das vom Staatssekretariat für Wirtschaft seco in „Frauen in Führungspositionen: so gelingt‘s“ porträtiert wurde, um aufzuzeigen, wie sich frauenfördernde Massnahmen umsetzen lassen und was die Herausforderungen waren und sind. CORUM realisierte als ersten Meilenstein die Lohngleichheit im Unternehmen und erhielt dafür 2009 das Label „Equal Salary“.  CORUM arbeitet zudem mit grossem Erfolg daran, qualifizierte Männer und Frauen in gleichem Verhältnis für das Unternehmen zu gewinnen und Frauen für Führungspositionen zu gewinnen. Auslöser dafür war im Speziellen die Krise der Uhrenindustrie in den 80er Jahren.

Liana Zanin, BI an Reporting Expert bei IBM Schweiz, hat ihre Karriere von Anfang an in die eigene Hand genommen, gesagt, was sie will, dies bekommen und Verantwortung übernommen. Sie bezeichnet sich als Vertreterin einer Fachkarriere. Quoten sieht sie als Chance, um auf die „kritische“ Masse zu kommen, bezweifelt aber, dass eine Quotenregelung ohne Konsequenzen bei Nichterfüllung erfolgreich sein wird. Um ein Umdenken bei „Frauen in Führungspositionen“ zu erreichen, ist es für sie wichtig darüber zu reden, insbesondere mit Männern in Führungspositionen, und davon wegzukommen, dass dies "nur" ein Frauenthema sei.

„Früher habe sie Hemmungen mit Quoten gehabt, je älter sie werde, desto weniger“, erklärte Monique Ryser, Präsidentin des Netzwerkes Business Professional Women BPW. Mittlerweile sieht sie in der temporären positiven Diskriminierung ein Mittel, um einen Ausgleich zu schaffen. Sie hob zudem hervor, wie wichtig es für Frauen sei, sich zu vernetzen und aktiv Netzwerkkontakte zu nutzen. Frauen würden zwar anders Netzwerken wie Männer, jedoch seien diese Netzwerke weit davon entfernt "wirkungslose Strickzirkel" zu sein. Nach langjähriger Berufstätigkeit im journalistischen Umfeld und reichem Erfahrungsschatz ist es Frau Ryser ein Anliegen, dass die sogenannte Sippenhaft gestoppt wird, die generelle Ablehnung der Förderung von Frauen, nur weil ein-, zweimal weniger gute Erfahrungen gemacht wurden.

Gekonnt und souverän führte Dr. Cuno Künzler durch die 75-minütige Diskussion in den Räumen der Alstom. Aus zeitlichen Gründen konnte das Publikum nur kurz einbezogen werden. "Gemischte Teams seien nachweislich erfolgreicher und die Schweiz müsse "Gas geben", wolle sie den Anschluss nicht verpassen, war eine der Wortmeldungen. "Auch die Politik sei gefordert, Druck auf Unternehmen auszuüben" um Gleichstellung zu erreichen, eine andere. Eine junge Ingenieurin mexikanischer Herkunft, einem Land des "Machotums" war schockiert, in der Schweiz solche ungleichen Verhältnisse vorzufinden.

Abschliessend wurde durch Silke Kemnitz, Vorstandsmitglied bei svin und donna informatica der Marktplatz vorgestellt, der durch VertreterInnen von BPW, SWONET, Modell-F, Prix Egalité und den Organisatoren svin und donna informatica bestritten wurde. Eva-Maria Zuber, Senior HR Specialist und Equal Opportunity Officer bei Alstom Schweiz, die diesen tollen Anlass mit ihren Helferinnen massgeblich zum Erfolg führt, eröffnete im Anschluss daran den Apéro- und Networking-Teil des überaus gelungenen Veranstaltung.

Sehr rege nutzten die TeilnehmerInnen während zweier Stunden die Möglichkeiten, sich zu informieren, sich kennenzulernen und auszutauschen sowie den feinen Apéro riche der Alstom zu geniessen.

donna informatica und svin bedanken sich an dieser Stelle bei allen Beteiligten, die zum Gelingen des Abends beigetragen haben, auf das Herzlichste.

Silke Kemnitz

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