Bien di – Aufbruch in eine bedrohte Sprachwelt

Mit allen Mitteln setzt sich das Bündnerland für den Erhalt des Rätoromanischen ein. Auch deshalb entschieden sich zwei Sprachlehrerinnen, mit einer zweiten Klasse des Gymnasiums Baden ihre Arbeitswoche im Gebiet der vierten schweizerischen Landessprache zu verbringen. Der Ausgangspunkt mannigfaltiger Erlebnisse mit dieser Sprache war Disentis in der Surselva.

Die Begegnung mit der rätoromanischen Sprache, deren Fortleben von vielen bezweifelt wird, stand im Zentrum der Arbeitswoche. Dabei wurde die Klasse vom rätoromanischen Sprachhistoriker und Rektor der Kantonsschule Chur, Gion Lechmann, begleitet. Zum Auftakt lernten die Jugendlichen und ihre Begleiterinnen eine Fachperson des Dachverbandes „Lia Rumantscha“ kennen, die ihnen die primären Anliegen des Verbandes aufzeigte und ihnen klar machte, wie wichtig die Wertschätzung und die Förderung des Romanischen Sprachgutes ist. Sobald der „Lia Rumantscha“ ein neues Wort gemeldet wird, schöpfen ihre Übersetzer dafür ein rätoromanisches Wort. Somit wird die Sprache laufend erneuert und vom Aussterben bewahrt. Beim darauffolgendem Besuch bei Radio e Television Rumantscha(RTR) wurde deutlich, dass die Sprache auch in den Medien vertreten ist. Ein Crashkurs Rumantsch, witzig durchgeführt von zwei Churer Kantonsschülern, brachte die Klasse zur Anwendung der Sprache. Eine Pizza auf Rätoromanisch zu bestellen war eine amüsante Herausforderung für die Aargauer Kantonsschüler. Danach stand die Einführung in die Wildhege und in die traditionelle Wildjagd auf dem Programm, die zeigte, wie wichtig die regulierende Rolle der Jäger in der Surselva ist. Als Final der Arbeitswoche führte der ETH-Professor G.A. Caminada durch das Bergdorf Vrin, ein abgelegenes 300-Seelen-Dorf. Der Architekt könnte eigentlich in einer Grossstadt leben, doch er zieht seine Heimat vor. Er vermochte auch die Schülerinnen und Schüler mit seinen differenzierten Überlegungen zu fesseln, so sagte er beispielsweise: „Der Berg der Zukunft sollte ein Erfahrungsraum sein, nicht ein Attraktionsraum!“ Man sollte also die Natur schützen und sie nicht völlig dem Tourismus überlassen, auch wenn somit alte Maiensässe verfallen. Schliesslich fuhren die Kantonsschüler mit neugewonnen Sprachkenntnissen, Erfahrungen, Kontakten und bleibenden Eindrücken zurück ins Mittelland. Und unsere vierte Landessprache vermochte die Grenzen des Bündnerlandes zu überschreiten.