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Nach der Begrüssung der Anwesenden im Rathaussaal Wettingen am 21.05.2015 durch die Präsidentin des SRRB Frau Ruth Blum und der Gemeinderätin von Wettingen Frau Yvonne Feri stellte die Referentin Frau Prof. Dr. Margrit Stamm ihre vielbeachtete Forschungsarbeit zum Thema Talent Scout 60+ vor. Die anfangs 2015 abgeschlossene Studie ist ein Längsschnitt zur Talent- und Expertise-Entwicklung älterer Menschen. 

Immer noch wird Alter mit Abbau gleichgesetzt, obwohl zahlreiche Untersuchungen dem schon heute widersprechen. Auf die Potenziale statt auf die Ängste und Defizite sollte der Blick gerichtet werden! Unsere wichtigste Zukunftsperspektive ist nämlich das kompetenzorientierte Altern. Gerade wenn es um die 60 – 80jährigen geht, die frisch Pensionierten und die rüstigen älteren Menschen, tut ein Perspektivenwandel not. Begriffe wie "Überalterung" sollten durch "Langlebigkeit" ersetzt werden, was der statistischen Tatsache der höheren Lebenserwartung entspricht.

Die Babyboomer, die Generation der zwischen 1945 bis 1955 Geborenen, sind in Frieden und Wohlstand aufgewachsen und konnten sich den eigenen Wünschen und Fähigkeiten gemäss entfalten. Wenn die Älteren diese in ihrer Zukunft bewusst ins Auge fassen, schaffen sie sich so Räume für die Entwicklung ihrer Talente. Das können Begabungen sein, die früher entwickelt worden sind und nun wieder gepflegt werden; ebenso lange Zeit blockierte Talente, die erst mit dem Ende des Berufslebens frei werden. Es können auch schlummernde Fähigkeiten sein, die erst durch unvorhersehbare Umstände entdeckt werden, vielleicht durch eine prägende Erfahrung oder durch eine Begegnung.

Wer beschließt, sich seinen Talenten systematisch durch Üben, Praktizieren und Lernen zu widmen, wird dadurch mit der Zeit Expertise auf diesem Gebiet entwickeln, er (oder sie) wird Experte. – Expertenwissen erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit dem gewählten Bereich und ist nicht ohne regelmäßiges Üben zu erreichen. Gerade die Älteren dürfen das Üben nicht vernachlässigen, es ist die Voraussetzung dafür, dass die Expertise erhalten bleibt.

Es trifft zu, dass mit der höheren Lebenserwartung die finanziellen Aufwendungen für Altersvorsorge und Gesundheitsversorgung steigen werden. Der damit verbundene frappant zunehmende Fachkräftemangel sollte hingegen als Chance dienen, die Talente der älteren Menschen und deren Bereitschaft diese einzubringen und zu nutzen. Dazu ist jedoch ein Paradigmenwechsel erforderlich, weg vom Defizitblick hin zu einem Blick auf die Expertisen und Ressourcen der Älteren. Diese beinhalten alle während der Erwerbsjahre erworbenen Fähigkeiten, die individuell noch aktiv angewendet werden können.

All dies erfordert ein Umdenken der Gesellschaft und der Medien, weg von einem nur defizitären hin zu einem differenzierten Altersbild. Auch die Gemeinden sollten diese Veränderungen in ihre Altersleitbilder einbeziehen und diese politisch umsetzen.

Nach ihren Ausführungen beantwortete Frau Stamm noch viele Fragen aus dem Publikum zu den verschiedensten Aspekten ihrer Studie, bevor dann noch individuell beim Apero weiter diskutiert werden konnte

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