Seltisberg

Von Taubnesseln, Mauerseglern und Anekdoten

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Natur- und Vogelschutzverein Seltisberg

Vogelkundler Rolf Wiesner erhält eine Ehrenurkund

Nach 26- jähriger Tätigkeit als Präsident wurde der ortsansässige Ornithologe Rolf Wiesner vom Natur- und Vogelschutzverein Seltisberg (NVS) zum Ehrenmitglied ernannt, dem ersten überhaupt in der langjährigen Vereinsgeschichte. Der Geehrte erzählt, wie er sich vom „Virus der Vogelkunde“ hat anstecken lassen und verdient gemacht hat

Friedenslinden zu Kriegsende
Wiesner erblickte genau zu Kriegsende das Licht der Welt, nämlich am 8. Mai 1945. An diesem Tag seien schweizweit Friedenslinden gepflanzt worden, auch auf dem Schulhausplatz in Seltisberg. Ein gutes Omen für den zukünftigen Ornithologen, denn seine Mutter sei an diesem Tag zu Fuss hinunter ins Kantonsspital Liestal marschiert um ihn zu gebären.

Als Primschüler liess sich Wiesner dann von der Seltisberger Flora und Fauna beflügeln. Begeistert erzählt er, dass der damalige Lehrer Felix – übrigens ein Verwandter des Heilkundlers Pfarrer Künzle - ein sehr naturverbundener Pädagoge gewesen sei. Der Naturfreund erinnert sich an die freie Unterrichtsgestaltung: „Pro Semester haben wir 100 Pflanzen kennen gelernt. Felix scheute sich nicht, mit uns Schülern in Zweierkolonne kilometerweit zu marschieren, um uns eine neue Pflanze vorzustellen. Einmal wanderten wir hinunter ins Oristal, dann wieder hinauf nach St. Pantaleon, um nach Stunden in Büren die weisse Taubnessel zu erblicken“. Eindrücke, die Wiesner offenbar positiv geprägt haben, denn einen Lieblingsvogel hat er sich bis heute erhalten: „Ich bin fasziniert vom Mauersegler. Er hat entweder zu kurze Beine, oder zu lange Flügel, fliegt aber dennoch rund 12000 km nach Südafrika über die Sahelzone und findet den Weg immer wieder zurück in seinen Nistkasten. Nach der Brut verbringt er sein ganzes Leben in der Luft, schläft im Flug, auch die Nahrungssuche und sogar die Paarung werden im Flug 'erledigt' ”.

Ein neuer Verein entsteht
Unerwartet ein „Retour à la nature“ gabs jedoch für den dann 42jährigen Bankangestellten, als der Biologe Simon Birrer ihn in einem Brief anfragt wann er letztmals einen Wiedehopf gesichtet habe. „Diese einfache Frage war so etwas wie die Initialzündung für mein zukünftiges Engagement im NVS“, konstatiert Wiesner. Im Frühling 1987 findet eine erste Exkursion statt. Nach dieser Führung kehrt die Gruppe zurück zum Ausgangsort, nämlich zum Milchhüsli. Auf der Rampe am „Schärme“ – es regnete – stellte Birrer dann das Begehren, einen Verein zu gründen. So geschieht es. Peter Salathé, damaliger Gemeinderat, erteilt die Direktive an Wiesner, den gelernten Kaufmann mit dem know how in administrativen Belangen. Am 15. März 1988 wird der NVS nach zwei früheren Vereinigungsversuchen definitiv gegründet.  Vom "Vogelvirus" befallen ist Wiesner total motiviert. Dementsprechend passiert unter seiner Leitung sehr viel:  Eine der ersten Tätigkeiten ist das Ersetzen alter Nistkästen durch neue. „Wir haben im Handarbeitszimmer des Schulhauses gesägt, geschliffen, gebohrt, genagelt, gehämmert – notabene 26 und 28 mm Loch-Brutkästen für die Blau- bzw. Kohlmeise, 45 mm für die Eingangsöffnung des Gartenrotschwanzes etc.“  In Wiesners hauseigener Werkstatt liegen übrigens schon wieder vorgelochte Bretter bereit…

Und so umfasst das Veranstaltungsprogramm unzählige abwechslungsreiche Anlässe: von Bach- und Waldrandputzaktionen, über Baumschneidekurse, Heckenpflanzungen, Waldschultage, Exkursionen, Beringungen usw.  So sehr er die Herausforderung seiner aktiven Vereinsjahre auch genoss, fühlt der Naturfreund sich nun befreit, konnte er doch die Verantwortung und all die administrativen Arbeiten an seine Nachfolgerinnen Bahar Sezer Widmer und Marianne de la Cruz, die im Co-Präsidium seit 2014 des Amtes walten, abgeben. „Jetzt muss ich auch keine Ordner mehr wälzen. Ich freue mich auf die freie Zeit, die mir nun für die Feldarbeit und in meiner Hauswerkstatt bleibt“. Dies weiterhin im Dienste der Natur, denn der Verein wird sein „Kind“ bleiben.

Ausblick
Mit seiner Frau streift Wiesner weiterhin gern durch Wald und Feld. Zusammen möchte das Ehepaar die Schönheit und Vielfalt von Fauna und Flora auch seinen Grosskindern näher bringen und ihren Sinn und Geist für die Anliegen des Natur- und Vogelschutzes wecken und schärfen.

Eines ist sicher: Der Ornithologe hat seine Spuren hinterlassen. Hunderten von Menschen hat er erlebnisreiche Momente und interessante "aviatische" Begegnungen beschert – ganz der Symbolik seines Lebensbaumes entsprechend: Dem keltischen Baumkreis nach gibt die Linde nämlich alles was sie hat. Sie ist Hoffnung auf ewigen Frühling und schenkt den Menschen berauschende Freude.

Sabina Droll

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