Seltisberg

War der «Minger Ruedi» schuld?

megaphoneaus SeltisbergSeltisberg
In Seltisberg auf dem "Ärdbeerihübel" demonstrieren die fleissigen Räbfründ , dass sie viel vom Werdegang ihres so ganz speziellen "Tropfens" verstehen.

Räbfründe.JPG

In Seltisberg auf dem "Ärdbeerihübel" demonstrieren die fleissigen Räbfründ , dass sie viel vom Werdegang ihres so ganz speziellen "Tropfens" verstehen.

War der „Minger Ruedi“ schuld?

ina. Rund 100 Jahre nachdem der gesamte Rebenbestand den damals noch unheilbaren Rebenkrankheiten zum Opfer gefallen war, wurde 1994 von den Räbfründ Seltisberg mit der Pflanzung von rund 400 Rebstöcken der Sorte Regent eine bleibende Erinnerung an das Jubiläum 800 Jahre Seltisberg geschaffen. Aus den geernteten Trauben können durchschnittlich 320 Liter Rotwein pro Jahr gekeltert werden. So zu lesen auf der Tafel des am Wegrand verankerten „Gedenksteins“ zum Rebberg.

Darauf sind die Räbfründ stolz. Dies mit Berechtigung. Denn immerhin besteht der südlich gegen Bubendorf ausgerichtete Weinberg unterhalb des Galmshügels schon seit 1994. Dank tatkräftiger Mitarbeit aller, eben auch die ihrer Frauen bei der Ernte, haben sie seit der Anpflanzung 8000 Flaschen Wein produziert und 500 bis 600 Stunden Fronarbeit jährlich investiert. Der Liestaler Stadtrat und Weinbauer Franz Kaufmann lobt das Durchhaltevermögen der Hobbywinzer, ja er spricht von einem sozialen Projekt, zollt diesem seinen Respekt. Grund genug vergangenen Sonntag das 20jährige Jubiläum mit der Bevölkerung zu feiern und unter der grossen Linde beim Schulhaus anzustossen.

Altbundesrat Mingers Schuld an den Seltisberger Reben

Den langen Weg bis zum feinen Wein schildert Roland Kestenholz. Die Seltisberger Rebstöcke machten sogar Schweizer Geschichte! Vor Kriegsbeginn wurden auch in unserer Region Gefechtsschiessplätze gesucht. Dabei stiess man auf das „Riedbachtäli“ zwischen Seltisberg und Bubendorf. Drei Seltisberger Bauern hätten ihr Land verkauft, der Vierte weigerte sich. In der Folge entstand ein Briefwechsel mit Altbundesrat Minger. Dieser habe per Dekret den Bauern enteignet, Hof und Land sei schliesslich an die Eidgenossenschaft überschrieben worden.

Diese Tatsache, so konstatiert Räbfründ Hans Rudolf Held, sei denn auch Grund dafür gewesen, dass die 16 Männer, die sich 1994 zur Gründungsversammlung zusammenschlossen (mit dem Ziel den alten Rebberg im Gebiet „in den Reben“ neu zu beleben) die Zustimmung des Bundes brauchten. Dieser ist nämlich bis heute Verpächter der vier Aren Rebland...

Wo Wein ist, ist auch Musik. Wahrhaftig! Vor dem Rednerpult gabs sogar noch eine Komposition von Urs Müller (Mitglied des Echo vom Schwarzbuebeland) zu entdecken. Gewidmet den Seltisberger-Räbfründ zur Einweihung ihres Weinberges. Schliesslich liess man nach dem Rundgang durch das sonntäglich herausgeputzte Weingebiet unter kompetenter Führung des Rebmeisters Peter Salathé das Glas mit dem Seltisberger Regent Jahrgang 2013 erklingen!

Meistgesehen

Artboard 1