Das 500jährige Jubiläum der Reformation nimmt die reformierte Kirche Baden zum Anlass, das Thema von verschiedenen Seiten her zu beleuchten. “Reformation bedeutet Veränderung, und Veränderungen setzen Entscheidungen voraus.” Mit diesen Worten begrüsst Pfarrerin Christina Huppenbauer die gut 60 Teilnehmenden, die am Mittwochabend, 8. Mai 2019, ins Kirchgemeindehaus gekommen sind, um der Psychologin und Buchautorin Dr. Maja Storch zuzuhören.

In ihrem einstündigen Referat betont Storch, dass bei guten Entscheidungen der Verstand und das Bauchgefühl in Einklang gebracht werden müssen. Anhand von einfachen Beispielen verdeutlicht sie, wie wir alle in bestimmten Situationen diese Körpersignale fühlen, lange bevor wir mit dem Verstand wissen warum. Auch Worte können diese Signale auslösen, wie zum Beispiel das Wort “Darmspiegelung”. Vorteil dieser Gefühle ist, dass sie in Millisekundenschnelle da sind, Nachteil ist, dass sie meistens sehr diffus sind. Unser Verstand arbeitet langsamer, dafür ist das Ergebnis von rationalen Pro- und Kontra-Überlegungen viel klarer. Es gibt ausreichend gute Gründe, eine Darmspiegelung zu machen, aber man wehrt sich emotional dagegen, wenn man sich vorstellt, wie eine solche Untersuchung abläuft.

Wie schaffen wir es nun, die beiden Bewertungssysteme, also Kopf und Bauch, in Einklang zu bringen? Maja Storch macht klar, dass man die Körpersignale nicht verdrängen darf, sondern im Gegenteil lernen muss, sie ganz bewusst wahrzunehmen. Dann sollte man über eine Art internes Brainstorming und Ausschlussverfahren herausfinden, was genau das unangenehme Bauchgefühl ausgelöst hat. Manchmal kann ein (neutraler) Gesprächspartner dabei helfen, gezielte Fragen zu stellen, damit man die Körpersignale in Worte fassen kann. Erst wenn diese “Übersetzung” abgeschlossen ist, sollten wir eine Lösung suchen, welche stimmig ist für Kopf UND Bauch.

Maja Storch bezeichnet unser Bauchgefühl als Strudelwurm aus der Steinzeit, der aufgrund seiner hilfreichen Überlebensstrategie bis heute überlebt hat. Der Wurm kennt nur zwei Antworten: “Will ich - mehr davon” oder “Will ich nicht - sein lassen”. Wenn man etwas tut, obwohl das Bauchgefühl dagegenspricht, dann würgt man seinen inneren Strudelwurm. Als Beispiel nennt sie einen unglücklich dreinschauenden Jogger, der nur aus Vernunftgründen und nicht aus Spass unterwegs ist.

Im Alltag müssen wir immer wieder Dinge tun, die wir eigentlich nicht wollen. Dann sind wir mit einem gewürgten inneren Strudelwurm unterwegs und dabei nicht glücklich. Bei langfristigen Entscheidungen ist es besonders wichtig, auf unsere Körpersignale zu achten. Wenn man seinen inneren Strudelwurm zu oft oder zu lange würgt, zum Beispiel in dem man in einer unglücklichen Partnerschaft oder einem unpassenden Job verharrt, dann wird man irgendwann krank. “Entscheidungsanfänger” dürfen gemäss Storch in einem Drittel ihrer Entscheidungen gegen ihr Bauchgefühl vorgehen. Gute Entscheider, das heisst solche, die ihre Körpersignale bewusst wahrnehmen und übersetzen können, entscheiden nur noch in ca. einem Zehntel der Fälle gegen das Bauchgefühl.

Mit ihren anschaulichen Beispielen ist es Maja Storch gelungen, hilfreiche Tipps zu vermitteln und gleichzeitig ihr Publikum gut zu unterhalten.