Wie Industrie und Wellness den Wirtschaftsstandort stärken, aber auch Badens Geschichte als Bäder-Stadt und Industrie-Stadt und seine Zukunft als Wellness-Stadt standen im Zentrum einer Tagung, die am vergangenen Samstag über 130 Gäste aus der ganzen deutschsprachigen Schweiz nach Baden führte. Zu Gast war die Vereinigung Christlicher Unternehmer der Schweiz (VCU), deren Mitglieder aus erster Hand erfuhren, welch dynamische Entwicklung Baden hinter sich und noch vor sich hat. Die Dynamik und deren Modellcharakter für die ganze Schweiz beeindruckten die Gäste spürbar. Im Fokus stand der Stararchitekt Mario Botta, der das Publikum mit seinen Ausführungen zur Architektur des neuen Thermalbades in seinen Bann zog.

Die von der VCU-Regionalgruppe Aargau/Solothurn organisierte Tagung machte die vielen Besucher mit den Hotspots von Baden bekannt: Auftakt und Fachtagung im architektonisch bemerkenswerten Gemeinschaftshaus Martinsberg, anschliessend am Nachmittag Rundgang im Bäderquartier; dort spürten die Besucher am legendären warmen Stein die Kraft des Thermalwassers, erfuhren im Elefantensaal des extra geöffneten «Verenahofes» die Zukunft des Bäderquartiers und erlebten mit dem Slam-Poeten Simon Libsig einen emotionalen Abschied im Atrium-Hotel «Blume».

Region Baden ein Treiber der Aargauer Wirtschaft

Regierungsrat Dr. Markus Dieth unterstrich in seinem Grusswort die nationale Bedeutung des Kantons Aargau als viertgrösste Volkswirtschaft der Schweiz. Der Aargau und die Region Baden zeichnen sich durch ein ausgezeichnetes Bildungssystem, hohe Leistungsbereitschaft und sprichwörtliche Kreativität aus. Mit dem Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen, dem Hightech-Zentrum in Brugg und dem Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) verfügt der Aargau in Kombination mit der Industriestadt Baden über ein einmaliges urbanes Zentrum.

Mario Bottas Bäder-Vision

Extra aus dem Tessin angereist, faszinierte der international renommierte Architekt Mario Botta von Anfang an. Sympathisch und ohne jeden Dünkel zeigte er auf, wie er in seinem Projekt die einmalige Geschichte des Bäderquartiers, die Entwicklung Badens und die ausserordentliche Lage im Limmatbogen berücksichtigt. Das neue Thermalbad schafft öffentliche Zugänge zu den bisher abgeschotteten Limmatufern und ist Kern eines neuen Stadtteils, der die historischen Gebäude miteinbezieht und sich mit den benachbarten Stadtteilen verbindet. Der Neubau geht deshalb weniger in die Höhe als vielmehr in die Länge. Materialisierung, Lichtverhältnisse und Proportionen erlauben es, den Flussraum für die Gäste zu einem Erlebnis zu machen.

«Mehr als nur heisses Wasser» …

…, mit dieser pointierten Aussage umriss Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing Baden, die vergangene und künftige Position der Wellness-Stadt Baden. Das herkömmliche Wellness unterliegt einem harten Konkurrenzkampf. Gleichzeitig wandelt sich der Wirtschaftsstandort Baden schnell und nachhaltig. Waren es 1987, nach der Gründung der ABB, noch 14'000 Arbeitsplätze, sind es heute gegen 30'000, Tendenz steigend. Baden war im 18. Jahrhundert die grösste Tourismusdestination, grösser als z.B. Luzern oder Montreux. Soll dieser einstige Glanz zurückkehren, biete sich Baden als Standort von vielen Dienstleistungsunternehmen, mit einer unbürokratisch agierenden Behörde und eben als gesundheitlich orientiertes Zentrum an, das «Medical Wellness» ins Zentrum stellt.

«Muss rentieren

Diese Vision wurde von der Investorenseite unterstützt. Dr. Beat Edelmann, Präsident der Stiftung Gesundheitsförderung, welche als Bauherr des neuen Bades fungiert, betonte, dass die Stiftung zwar gemeinnützig orientiert sei. Gleichwohl müsse das «neue Bad aber rentieren». Deshalb sei man sich einig, dass dies nur über das abgerundete Paket von Wellness, Rehabilitation und Prävention möglich sei.

Kein Verkehrschaos

Gemäss Stadtplaner Rolf Wegmann ist das Bäderprojekt «ein Segen für die Stadt Baden». Damit werde ein 30-jähriger Stillstand deblockiert und dereinst eine Wertschöpfung generiert, von der nicht nur Baden, sondern die ganze Region profitiere. Auf die Erreichbarkeit angesprochen, hielt Wegmann fest, dass früher bereits 300'000 Gäste jährlich angereist seien. So gesehen, seien die künftig erwarteten 500'000 Besucher pro Jahr gut verkraftbar.

Zukunftsmusik im «Elefantensaal»

Der Kontrast hätte nicht grösser können, als am Nachmittag dann Rainer Blaser, Direktor der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach und Baden, die konkreten Pläne erläuterte. Zu diesem Zweck wurde das baufällige und seit Jahren leerstehende Hotel Verenahof extra geöffnet, und die Gäste füllten den zwar heruntergekommenen, dennoch ehrwürdigen Elefantensaal bis auf den letzten Platz. Im Zuge einer Gesamtsanierung des Bädergevierts werden die Hotels Verenahof, Bären, und Ochsen totalrenoviert und zu einer Klinik für Prävention und Rehabilitation umgebaut, zusätzlich entsteht ein Aerzte- und Wohnhaus. Die Baukosten betragen insgesamt CHF 150 Millionen. Eröffnung ist 2020/21.

«Blume» und Simon Libsig zum Ausklang

Den Abschied von Baden erlebten die vielen Gäste dann auf emotionale Weise im Atrium-Hotel «Blume». In der einzigartigen mediterranen Atmosphäre zeigte Slam-Poet Simon Libsig, dass Baden nebst Thermalwasser und Badener Steinen auch das zu bieten hat: einen kreativen, überraschenden und berührenden Umgang mit unserer Sprache. Baden hat sich an diesem Tag von der besten Seite gezeigt.

VCU mit neuen Strategiezielen

In einer Zeitnische verabschiedeten die VCU-Mitglieder an der ordentlichen Jahresversammlung neue strategische Zielsetzungen und genehmigten die dazu nötigen Mittel. Gemäss VCU-Zentralpräsident Rainer Bätschmann sind es 3 massgebliche Projekte:

  • Mentoring – für junge Führungskräfte werden Hilfestellungen und ein Austauschprogramm entwickelt.
  • Neuer Auftritt – der bisherige Auftritt wird überarbeitet; Die Wertehaltung «Respekt, Fairness, Verantwortung» soll mehr Gewicht erhalten.
  • Stiftung Swisshand – diese von der VCU gegründete Institution unterstützt mit Mikrokrediten erfolgreich und nachhaltig Kleinunternehmer in Afrika. Zum 50-jährigen Jubiläum finanziert die VCU ein neues Projekt in Nigeria.