Kastrati

Der Ausbrecher Kastrati sorgte in Klingnau für Unruhe

Frustriert: Einer der Kastrati-Brüder zeigt Medienschaffenden nach der Urteilsverkündung den Stinkefinger. Tele M1

Kastrati-Bruder

Frustriert: Einer der Kastrati-Brüder zeigt Medienschaffenden nach der Urteilsverkündung den Stinkefinger. Tele M1

Veton Kastrati ist nach seinem Ausbruch aus dem Gefängnis Willisau weiter auf der Flucht. In Klingnau sorgt die aus dem Kosovo stammende Familie Kastrati seit Jahren für Unruhe. Eine Spurensuche.

Angelo Zambelli

Die Liste der Vorfälle mit Beteiligung der Familie Kastrati, die seit 1994 an der Weierstrasse in Klingnau in einem Eigenheim wohnt, ist lang. Öffentlich diskutiert wurde ihre Lebensweise an der Sommer-Gemeindeversammlung 1998. Damals bewarb sich die ganze Familie - Vater, Mutter, drei Söhne zwei Töchter - um das Schweizer Bürgerrecht.

Der Gemeinderat befürwortete die Erteilung des Bürgerrechts, verlangte aber, die Ehefrau des Gesuchstellers müsse wegen mangelhafter Deutschkenntnisse einen Kurs besuchen. Im Laufe der Einbürgerungsdiskussion kam zur Sprache, dass der Vater IV-Bezüger sei, sein Haus aber eigenhändig umbaue und bei dieser Arbeit imstande sei, Zementsäcke zu schleppen. In einer geheimen Abstimmung verweigerten die Klingnauer Stimmberechtigen der Familie Kastrati das Schweizer Bürgerrecht mit einer Zweidrittels-Mehrheit.

Drohungen gegen Nachbarn

Eine Rolle bei der Ablehnung dürfte auch das Verhalten von zwei der drei Kastrati-Söhne in der Schule sowie im Umgang mit den Nachbarn gespielt haben. Ein Nachbar erzählt auf Anfrage der AZ, schon vor Jahren von den Kastrati-Sprösslingen bedroht worden zu sein. «Sie waren schon als Kinder schräge Typen», erinnert er sich.

Bei den «schrägen Typen» allein blieb es nicht: Vor mehreren Jahren sorgte eine wüste Auseinandersetzung vor dem Haus der Kastratis für Aufsehen im unteren Aaretal. Damals waren sich ein im Bezirk wohnhafter Verwandter und die männlichen Familienangehörigen der Kastratis in die Haare geraten. Um die Parteien auseinander zu halten, musste ein halbes Dutzend Polizisten aufgeboten werden. Ihnen war die Adresse nicht unbekannt, hatten sie die Familie auch schon wegen häuslicher Gewalt aufsuchen müssen.

Unrühmlicher Höhepunkt in der kriminellen Laufbahn der Kastrati-Brüder war die versuchte vorsätzliche Tötung am Rande des Döttinger Winzerfests 2007. Sie verletzten drei Altersgenossen mit einem Messer und einem Drehmomentschlüssel erheblich. Für diese Tat wurden sie vom Bezirkgericht Zurzach mit sieben respektive drei Jahren Freiheitsentzug bestraft.

Flucht, Raub, Flucht

Nach der Flucht aus einer geschlossenen Anstalt im Mai 2008 machte sich der jüngere der beiden Kastrati-Brüder - Veton - erneut strafbar: Nach verbalen Drohungen und teilweise massiven Schlägen erleichterte er drei Gleichaltrige am Klingnauer Stausee um zwei Mobiltelefone und eine Musikbox.

Doch damit nicht genug: Zwei Tage nach dieser Straftat trafen die Geschädigten des Winzerfest-Vorfalls in einem Klingnauer Quartier auf Veton Kastrati, worauf eine wilde Verfolgungsjagd zu Fuss begann. Um seinen Widersachern zu entkommen, zwang Veton Kastrati einen Autofahrer, ihm das Fahrzeug zu überlassen. Wegen des Raubes am Stausee brummte ihm das Bezirksgericht Zurzach im März 2010 14 Monate Gefängnis unbedingt auf. Bereits bei dieser letzten Verhandlung war klar, dass Veton Kastrati nach Verbüssung der Strafe in den Kosovo abgeschoben wird. Die jüngste Flucht aus dem Gefängnis im luzernischen Willisau dürfte an dieser Tatsache nichts ändern - im Gegenteil.

Artikel vom 9.4.2010

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