Polizistenmord

Wer ist der Todesschütze aus dem Emmental?

Gestern erschoss der Emmentaler Roger F. einen Berner Kantonspolizisten, weil er seine Wohnung nicht zwangsräumen lassen wollte. Der 35-Jährige war arbeitslos und hatte psychische Probleme. Einen Mord trauten ihm Nachbarn jedoch nicht zu.

Der Todesschütze kam 1975 in Schafhausen BE auf die Welt. Sein Vater war Maurer, seine Mutter arbeitete als KV-Angestellte. Wie «Blick» weiss, begann Roger F. eine Lehre als Autolackierer, die er jedoch abbrach. Schlussendlich konnte er dennoch die Lehre als Strassenbauer in Lützelflüh abschliessen. «Er war ein bisschen ein Hippie», so sein damaliger Chef. Und: Er habe Mühe gehabt, am Morgen aufzustehen.

Öfters sei es auch vorgekommen, dass Roger F. gar nicht bei der Arbeit auftauchte, verrät ein Kollege des Todesschützen.

Während sich der 35-Jährige mit Gelegenheit-Jobs über Wasser hielt, war er im Militär als Lastwagenfahrer erfolgreich. Später wurde er gar zum Unteroffizier befördert. 2009 war dann aber Schluss mit Militär: Roger F. wurde altershalber entlassen.

Der Schütze klaute altes Brot

Im Jahre 2000 verschlug es ihn der Liebe wegen nach Burgdorf. Als die Beziehung zerbrach, kehrte er zu seinen Eltern nach Schafhausen zurück. Er lebte fortan in einer Wohnung im Dreifamilienhaus, wo es am Dienstag auch zum tödlichen Unglück kam.

Offenbar zahlte der 35-Jährige seinem Onkel, dem die Wohnung gehörte, nie Miete. Geld war für den arbeitslosen Roger F. sowieso ein knappes Gut. Die Probleme waren gar so schlimm, dass er bei einer Bäckerei in Langnau altes Brot, das für die Tiere bestimmt war, klaute, erzählen Nachbarn.

Ungewöhnlicher Dienstagmorgen

Der Onkel kündigte das Mietverhältnis, Roger F. wollte jedoch auch nach mehrmaligem Besuch der Polizei nicht ausziehen. Er kapselte sich vom Dorfleben ab und verschanzte sich in seiner Wohnung. Er sei ein «ruhiger Bursche» gewesen, sagte seine 78-jährige Nachbarin zur «Berner Zeitung». Psychische Probleme habe er auch gehabt. Aber: «Dass er auf einen Menschen schiesst, hätte ich ihm nicht zugetraut.»

Roger F. musste sich wohl auf den Besuch der Polizisten vorbereitet haben. Bekannte im Dorf haben am Dienstag bereits um 6.30 Uhr Licht in seiner Wohnung gesehen. Wo doch der 35-Jährige tagsüber normalerweise lange schlafe und nachts Filme schaue. (ldu)

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