Kindesmisshandlung

Zürcher Geschworenengericht: Keine Verwahrung für grausamen Vater

Die Töchter wurden vom Vater jahrelang gequält (Symbolbild, Archiv)

Die Töchter wurden vom Vater jahrelang gequält (Symbolbild, Archiv)

Der Vater, der jahrelang seine beiden kleinen Töchter mit brutalen Erziehungsmethoden malträtiert hat, wird mit neun Jahren und sechs Monaten Freiheitsentzug bestraft. Auf eine Verwahrung des 44-Jährigen verzichtete das Geschworenengericht in seinem Urteil.

Die 62-jährige Mitangeklagte und Helferin des Mannes erhielt eine siebenjährige Freiheitsstrafe. Beide wurden der mehrfachen schweren Körperverletzung schuldig gesprochen. Dabei geht es in erster Linie um die psychische Schädigungen der Kinder.

Mit seinem Urteil blieb das Gericht deutlich unter den Anträgen der Anklage: Staatsanwalt Ulrich Weder hatte für den Hauptangeklagten 12 Jahre Freiheitsentzug und Verwahrung gefordert, für die Mitangeklagte eine achtjährige Freiheitsstrafe.

Die Verteidigung hatte auf Freispruch, eventuell auf milde bedingte Srafen wegen fahrlässiger Verletzung der Erziehungs- und Fürsorgepflicht plädiert.

Der verurteilte 44-Jährige wurde am Freitagmorgen nach der Urteilsverkündung in Handschellen abgeführt. Er kommt unverzüglich in Sicherheitshaft.Damit soll verhindert werden, dass sich der Verurteilte ins Ausland absetzen kann.

Sektenähnliche Wohngemeinschaft

Die beiden Angeklagten hatten mit einer dritten Frau und den beiden Töchterchen des Mannes in einer sektenähnlichen Wohngemeinschaft im Zürcher Oberland gelebt.

Das jüngere Kind starb, keine fünf Jahre alt, im Mai 2006 an einem Schütteltrauma. Die Frau, die den Tod des Kindes verursachte, steht nächstes Jahr vor Gericht. Die drei Jahre ältere Halbschwester des getöteten Mädchens ist in Obhut einer Pflegefamilie. Das Mädchen leidet noch heute an den Folgen der schweren Traumatisierung.

Als Rechtfertigung für das Bestrafungssystem berufen sich die Verurteilten auch heute noch auf ihren Glauben. Dieser beruht auf einem Gemisch von altem und neuem Testament: Sie halten einen streng strafenden alttestamentarischen Gott hoch, gleichzeitig verehren sie Jesus, der mit seiner vergebungsbereiten Milde dazu einen scharfen Kontrast bildet.

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