Wer in «Little Wettige» im Stohlergut zwischen Holz- und Hochbrücke Kleinschrott bucht, bekommt Raclette auf Brot, Getränke an der Bar und zum Schluss eine Kugel Glacé. Mit Vollschrott wird man an einem der 250 Plätze in der Theaterbeiz mit einem Vier-Gang-Menu aus der Küche vom Wettinger «Sternen» bedient: Geeistes Melonen-Gazpacho, Tomaten-Mango-Gruyère-Salat, Hackbraten mit Gemüse und Gratin, Aprikosenkompott mit Vanilleglacé – damit ist auch der Gourmet gerüstet für seinen Ausflug auf die «Schrottbodenalp».

Eine steile Treppe obsi, einen Platz auf der Tribüne ausgesucht – obacht, der Allerwerteste lässt sich auf kaltem Metall nieder – und schon ist man mittendrin in der alpinen Chropfchrötte-Idylle. Doch nur allmählich erfasst man die überaus eindrückliche Vielfalt der Alp-Bewohner und deren Lebensart. Im Baumhaus mit Stereoanlage haust ein turnender Altrocker. Das malerische Häuschen von Familie Meier hat eine Fassade aus – nomen est omen – Eierkartons. Im Exterieur der Familie Chrämer schlägt sich die Leidenschaft von Vater Petro für PET-Flaschen nieder. Im bunt bemalten Silo wird Schnaps gebrannt und Kuh Rosi frisst nur Schrott statt Gras.

Diese Aufzählung erhebt alles andere als Anspruch auf Vollständigkeit. Denn wo «Schrottbodenalp» draufsteht, ist Schrott drin – und wie! Aber auf dieser Alm do gibt’s koa Sünd. Stattdessen gibt es da auf eine TV-Antenne kletternde Nonne, Pinguine, Yoga praktizierende Hunde, bauchtanzende Mannsbilder und so weiter. In Sachen Überblick behalten, droht dem Zuschauer der Super-GAU. Klar – das ist ja auch der Sinn der Sache: Wenn die Chropfchrötten zum Klamauk-Theater bitten, ist schräg, schräger, am schrägsten in umwerfender Üppigkeit garantiert. Da werden weder Mühe noch Kosten gescheut, da sind verrückten und hinreisenden Einfällen keine Grenzen gesetzt. Grenzen sind ausschliesslich jenem Zuschauer gesetzt, der sich darüber ärgert, den Faden verloren zu haben: Eine komplett falsche Erkenntnis, denn wo ein roter Faden anfängt, hört der Klamauk auf.

Mit etwas Glück ergattert man an der Abendkasse ab 18 Uhr noch eine Theaterkarte.