Für die Badenfahrt ist kein Weg zu weit. Das hat sich der ausgewanderte Ehrendinger Kurt Binder gesagt und ist 18'500 Kilometer von Waiuku in Neuseeland über Hongkong in die Schweiz geflogen. Damit ist er wohl einer der am weitesten gereisten Badenfahrern. Und bei so vielen Kilometern muss man auch ökologisch denken: Binder ist bereits im Juli angereist, um auch den 80. Geburtstag seiner Mutter mitzufeiern.

Nun geniesst der 57-Jährige nicht nur jeden Abend die Feststimmung, sondern packt auch selber an. «Einige meiner alten Freunde arbeiten in der Ehrendinger ‹Universall›-Bar», sagt Binder. «Für mich stand von Anfang an fest, dass ich mich in der Beiz engagiere. Ich fühle mich nach wie vor als Ehrendinger und will etwas beitragen.» Jeden Nachmittag versorgt Binder die Raketenabschussrampen-Beiz mit frischen Getränken und Essen. Doch spätestens wenn um 18 Uhr die Beizen öffnen und die Musik aufspielt, zieht er los durchs Festgebiet. «Alles haut mich komplett aus den Socken: die Bauten, das Lichtspektakel am Stadtturm und besonders die Musik.» Er sei ein Blues-Fan, deshalb könne er nicht anders: «Letztlich lande ich jeden Abend vor der Blues- und Jazzbühne Tipitina’s.»

Badenfahrt lohnt sich – die schönsten Bilder des Fests:

Ländlich versus Badenfahrt

Das rauschende Fest steht im völligen Kontrast zu Binders Leben in Waiuku nahe Auckland. «Die Region ist sehr ländlich und ruhig», erzählt er. Hier hat sich der Badenfahrer zusammen mit seiner Frau in den 1990er-Jahren ein kleines Touristikunternehmen aufgebaut. «Wir organisieren unter anderem Töfftouren und vermieten Camper.» Die viele Arbeit hat aber auch dafür gesorgt, dass Binders letzte Badenfahrt Jahrzehnte zurückliegt. «Ich war 1987 letztmals an der Badenfahrt.» Auch damals sei das Fest als Ganzes grossartig gewesen. «Ein besonderes Highlight kann ich gar nicht hervorheben.» Dafür weiss Binder eine Anekdote von der aktuellen Badenfahrt zu erzählen. Er sass mit seiner Familie am ersten Wochenende in der Dampflokomotive Mikado, die im SBB-Tunnel den Feueralarm ausgelöst hat, weil sie so stark dampfte. «Wir haben das gar nicht gemerkt. Es hat zwar stark geraucht und wir mussten husten, aber wir dachten, das muss so sein, und haben sogar noch darüber gelacht.» Trotzdem sei die Fahrt sehr schön gewesen, erzählt Binder. Doch dann ist genug der Worte und der Ehrendinger macht sich wieder auf ins Festgetümmel.